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Reiche legt erste Bilanz vor: 8,5 Milliarden Euro weniger Bürokratiekosten

Дата публикации: 02-09-2026 16:16:00

Katherina Reiche zieht Bilanz: Ihr Ministerium will 8,5 Milliarden Euro Bürokratiekosten eingespart haben. Doch bei ihren Reformen gibt es Kritik.

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Wirtschaftsministerin Katherina Reiche zieht nach 15 Monaten im Amt Bilanz: Ihr Ministerium will 8,5 Milliarden Euro Bürokratiekosten eingespart haben. Doch viele ihrer Reformen sind umstritten.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zieht nach 15 Monaten im Amt eine positive Zwischenbilanz. Nach einem Bericht der „Rheinischen Post“ hat ihr Ministerium nach eigenen Berechnungen rund 8,5 Milliarden Euro an Bürokratiekosten eingespart. Damit habe das Wirtschaftsministerium den größten Beitrag aller Ressorts zum Bürokratieabbau geleistet.

Reiche kehrt an diesem Montag nach einer rund dreiwöchigen Pause in den Dienst zurück. Die Ministerin hatte sich zwei medizinischen Eingriffen unterziehen müssen, darunter einer Augen-Operation. Nun legt sie zugleich eine Bilanz ihrer bisherigen Arbeit vor.

Reiche setzt auf weniger Bürokratie und niedrigere Kosten

Das Wirtschaftsministerium verweist demnach vor allem auf den Abbau von Berichts- und Dokumentationspflichten. Dadurch seien Wirtschaft und Verwaltung nach Angaben des Ministeriums um mehr als 8,5 Milliarden Euro pro Jahr entlastet worden.

Dabei handelt es sich allerdings nicht um 8,5 Milliarden Euro, die der Staat unmittelbar eingespart hätte. Gemeint sind berechnete Bürokratiekosten, die Unternehmen und Verwaltung durch wegfallende oder vereinfachte Vorgaben nicht mehr entstehen sollen.

Reiche stellt den Bürokratieabbau in einen größeren wirtschaftspolitischen Zusammenhang:

„Deutschland muss wieder vom Standort der Bedenken zum Standort der Investitionen werden“, sagte die Ministerin.

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Der Staat müsse die Bedingungen schaffen, unter denen Investitionen entstünden.

Auch beim Thema Investitionen verweist Reiche auf ein zentrales Projekt der Bundesregierung: Mit 30 Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln und Garantien soll der Deutschlandfonds nach ihren Angaben Investitionen von insgesamt 130 Milliarden Euro anstoßen. Für den 19. und 20. Oktober kündigte Reiche zudem eine internationale Investorenkonferenz in Berlin an.

Energiepolitik bleibt Reiches wichtigstes Projekt

Den Schwerpunkt ihrer bisherigen Amtszeit sieht das Ministerium in der Energiepolitik. Zehn sogenannte Schlüsselmaßnahmen zur Neuausrichtung der Energiewende seien bereits umgesetzt oder befänden sich im parlamentarischen Verfahren.

Dazu gehört die geplante Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Reiche will den Ausbau stärker an der tatsächlichen Aufnahmefähigkeit der Stromnetze und an den Kosten des Gesamtsystems ausrichten.

Reiches Argument: Kleine Solaranlagen mit Batteriespeicher und Anschluss für ein Elektroauto seien Investitionen, die sich nach wenigen Jahren rechneten. Es sei nicht sinnvoll, diese dauerhaft mit Steuergeld zu fördern.

Die Pläne sind allerdings umstritten. Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt vor einem Einbruch beim Photovoltaikausbau und sieht Investitionen gefährdet. Auch der Bundesverband Erneuerbare Energie hält die Ausbauziele mit den geplanten Änderungen für gefährdet.

Neues Heizgesetz bringt Reiche Kritik ein

Besonders kontrovers ist Reiches Kurs beim Heizen. Die Bundesregierung will zentrale Vorgaben des früheren Gebäudeenergiegesetzes der Ampel abschaffen und stärker auf Technologieoffenheit setzen. Der Gesetzentwurf stößt allerdings auf erhebliche Kritik: Mehrere Bundesratsausschüsse warnten bereits vor Rückschritten beim Klimaschutz, zusätzlichen bürokratischen Belastungen und offenen Fragen bei der praktischen Umsetzung.

Auch verfassungsrechtliche Bedenken stehen im Raum. Ein Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages zufolge, bestehen bei Reiches geplantem neuen Heizgesetz verfassungsrechtliche Zweifel. Kritisch sehen die Experten insbesondere die Frage, ob die geplante Regelung die Lasten beim Klimaschutz zu stark in die Zukunft verschiebt. Damit steht ausgerechnet eines der zentralen Reformprojekte Reiches im Spannungsfeld zu ihrem eigenen Anspruch, Bürokratie abzubauen und den Wirtschaftsstandort zu entlasten.

Der Verband argumentierte, Deutschland brauche gerade jetzt mehr Investitionen, Forschung und Wachstum. Der Förderstopp stehe dazu im Widerspruch.

Reiche selbst setzt dagegen auf bessere Rahmenbedingungen und weniger staatliche Vorgaben.

„Wachstum lässt sich nicht verordnen“, sagte sie.

Reiche will Energiewende stärker nach Kosten ausrichten

Bei der Energiepolitik kündigt die Ministerin zugleich einen deutlichen Kurswechsel an. Entscheidend sei künftig nicht allein, wie viele Anlagen gebaut würden. Es müsse auch darum gehen, „wo, wann und zu welchen Kosten“ Strom produziert werde.

Die Energiewende brauche deshalb nicht einfach mehr Anlagen, sondern ein besser funktionierendes Gesamtsystem, argumentiert Reiche. Mit der EEG-Reform und dem Netzanschlusspaket solle der Ausbau erneuerbarer Energien stärker an Strombedarf, verfügbaren Netzen und Systemkosten ausgerichtet werden.

Damit setzt Reiche einen Schwerpunkt, der sich bereits seit Beginn ihrer Amtszeit abzeichnet: Die Energiewende soll aus Sicht der Ministerin weniger über einen möglichst schnellen Ausbau einzelner Technologien und stärker über Versorgungssicherheit, Netze und Kosten gesteuert werden.

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