Reiche nennt Klingbeils Steuerreform eine heimliche Steuererhöhung. Was an der Kritik zur kalten Progression dran ist.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kritisiert öffentlich die Steuerreform von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD). In der Kritik steckt ein wahrer Kern – den Klingbeil nicht bestreitet.
Heute hat die Bundesregierung die lange geplante Einkommensteuerreform im Kabinett beschlossen. Doch kurz zuvor gab es noch Knatsch. Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Steffen (CDU) kritisierte Klingbeils Pläne in einem Brief. Das Schreiben ging auch an die Medien. Hauptvorwurf: Weil Klingbeil in seiner Reform in den kommenden beiden Jahren keinen Ausgleich der kalten Progression plane, sei dies eine „heimliche, inflationsbedingte Steuererhöhung“.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) möchte nach jetzigem Stand den Grundfreibetrag in zwei Stufen von derzeit 12.348 auf 12.900 Euro bis 2028 anheben. Ebenfalls soll die Grenze für den Spitzensteuersatz steigen. Sie liegt aktuell bei 69.878 Euro zu versteuerndem Einkommen. Klingbeil plant ab 2027 mit einer Grenze von 70.600 Euro. Die kalte Progression soll dabei in den höheren Zonen des Einkommensteuertarifs tatsächlich nicht vollständig ausgeglichen werden. Klingbeils Vorgänger Christian Lindner (FDP) hatte dies in den vergangenen Jahren noch getan.
Kalte Progression entsteht so: Stellen Sie sich vor, Sie haben dieses Jahr ein Bruttoeinkommen von 50.000 Euro. Abzüglich Sozialabgaben und Werbungskosten zahlen Sie dafür als Alleinstehender knapp 6800 Euro Einkommensteuer. Nehmen wir nun an, dieses Jahr beträgt die Inflation zwei Prozent. Sie handeln mit Ihrem Chef eine Gehaltserhöhung aus, die genau das ausgleicht. Dann verdienen Sie kommendes Jahr 51.000 Euro. Davon können Sie sich aber genauso viel leisten wie dieses Jahr. Die Kaufkraft ist schließlich dieselbe.
ANZEIGE
ANZEIGE
Aber: Auf 51.000 Euro müssen Sie bei unveränderten Steuerformeln rund 7150 Euro Einkommensteuer zahlen. Würde die Steuerlast ebenso nur mit der Inflation ansteigen, wären es 7038 Euro. Effektiv haben Sie also 112 Euro weniger im Portemonnaie, obwohl Ihre Kaufkraft nicht angestiegen ist. Sie können sich also weniger leisten als im Jahr zuvor.
In Klingbeils Plänen wird dies durch den Anstieg des Grundfreibetrages teilweise begrenzt. 2027 plant er mit 12.564 Euro. Das wären etwa 1,7 Prozent mehr als in diesem Jahr. Die Inflation wird am Jahresende aber vermutlich bei mehr als zwei Prozent liegen. Die kalte Progression würde damit also nicht vollständig ausgeglichen. 2028 würde der Grundfreibetrag dann auf 12.900 steigen. Das wären rund 2,7 Prozent mehr als 2027. Zwar wissen wir heute noch nicht, wie hoch die Inflation im kommenden Jahr sein wird. Nach aktuellen Prognosen von Ökonomen dürfte sie aber in diesem Bereich liegen.
Der Grundfreibetrag allein reicht aber eben nicht, um den Verlust vollständig auszugleichen. Auch die übrigen relevanten Tarifgrenzen müssten mit der Inflation steigen, also die Grenzen zwischen den anderen Steuer-Zonen. Sie liegen aktuell bei
Würden sie um die aktuelle Inflationsschätzung von 2,9 Prozent ansteigen, müssten sie kommendes Jahr bei
liegen.
2028 wären Werte von
notwendig.
Während die Bundesregierung die Grenze zum Reichensteuersatz bewusst auf 250.000 Euro senkt, gilt das nicht für die Grenze zum Spitzensteuersatz. Ihre geplante Erhöhung auf 70.600 Euro reicht bei Weitem nicht aus, um die kalte Progression auszugleichen.
Reiches Vorwurf hat deshalb einen wahren Kern. Für die kalte Progression muss der Staat keinen Steuersatz erhöhen. Steigt Ihr Gehalt nur als Ausgleich für die Inflation, zahlen Sie trotzdem mehr Einkommensteuer. Weil der Tarif progressiv ist, steigt die Steuerlast stärker als Ihre reale Kaufkraft. Für Durchschnittsverdiener mit einem Gehalt von 50.000 Euro brutto im Jahr wären das bis Ende 2028 kumuliert 199 Euro Verlust.
Klingbeil selbst bestreitet diesen Vorwurf übrigens nicht. Er verweist darauf, dass seine Steuerreform ein Kompromiss der Regierungsparteien CDU, CSU und SPD sei. Außerdem würde sie die Vorgaben des Koalitionsausschuss, also etwa die Entlastung der Bürger um zehn Milliarden Euro 2028, erreichen.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Bund der Steuerzahler kritisiert Steuerreform scharf | 0 | 6.66 | 02-09-2026 |
| 2 | Reiche legt erste Bilanz vor: 8,5 Milliarden Euro weniger Bürokratiekosten | 0 | 11.73 | 02-09-2026 |
| 3 | Entlastung für Feiertagsarbeit: Klingbeil rudert bei Einkommensteuer zurück | 0 | 6.4 | 21-08-2026 |
| 4 | Von Tankrabatt bis Steuersenkung: Diese Maßnahmen könnte Merz beschließen | 0 | 7.97 | 15-09-2026 |
| 5 | Steuern, Rente, Pflege: 3 Reformen treffen Ihren Geldbeutel | 0 | 12.67 | 10-09-2026 |
| 6 | Krypto im Depot: Diese Angaben können zum Steuerproblem werden | 0 | 7.97 | 24-09-2026 |
| 7 | EZB zeigt mit Zinserhöhung Stärke – jetzt zählt das richtige Timing | 0 | 11.67 | 12-09-2026 |
| 8 | Deckel-Deutschland ist auf dem Weg in die Staatswirtschaft – Mietendeckel und Spritpreisdeckel in der Diskussion | 0 | 7.82 | 23-09-2026 |
| 9 | 555-Milliarden-Euro-Haushalt: Wohngeld, Elterngeld, Steuern – hier wird es 2027 für viele teurer | 0 | 12.24 | 14-09-2026 |
| 10 | Bis zu 102 Euro mehr im Monat: Gutverdienende drohen 2027 höhere Sozialabgaben | 0 | 15 | 21-09-2026 |