Gesundheitsminister Carsten Linnemann hält an seinem Plan fest, die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen deutlich zu reduzieren.
Gesundheitsminister Linnemann will die Zahl der Krankenkassen deutlich reduzieren. Was eine Reform für Versicherte bedeuten könnte.
Für gesetzlich Versicherte könnte sich die Kassenlandschaft in Deutschland womöglich verändern. Im politischen Raum wird seit mehreren Monaten besprochen, ob die Zahl der Anbieter deutlich verkleinert werden sollte. Damit würde so manche Krankenkasse langfristig vom Markt verschwinden.
Im Vordergrund steht Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU), der die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen massiv reduzieren will. Bereits im April hatte er erklärt, zehn Anbieter würden aus seiner Sicht ausreichen. Damals verwies er auf mehr als 90 Kassen und einen aus seiner Sicht zu hohen Verwaltungsaufwand.
Inzwischen spricht Linnemann von höchstens 20 Anbietern, und auch als Gesundheitsminister hält er daran fest. Auf die Frage, ob er dieses Ziel weiterverfolge, sagte er Ende August in einem Interview mit „Bild“: „Ich bleibe bei dem, was ich gesagt habe. Davon nehme ich nichts zurück.“ Für Versicherte könnte das bedeuten, dass ihre bisherige Krankenkasse bei einer entsprechenden Reform irgendwann fusioniert oder in ihrer heutigen Form verschwindet.
Bezüglich einer solchen Reformierung verweist Linnemann auf die Finanzkommission Gesundheit. Diese soll nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums bis Ende 2026 einen weiteren Bericht mit Vorschlägen für mittel- und langfristige Strukturreformen vorlegen. Wie eine Verringerung der Kassenzahl praktisch umgesetzt werden könnte und bei welchen Anbieter angesetzt würde, ist deshalb derzeit offen.
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Die entscheidende Frage ist ohnehin, ob eine starke Konzentration tatsächlich Geld spart. Der erste Bericht der Finanzkommission zeigt, dass die 20 größten Anbieter bereits 84 Prozent aller Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichern. Gleichzeitig kommt die Kommission zu dem Ergebnis, dass sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Größe einer Krankenkasse und ihren Verwaltungsausgaben je versicherter Person nachweisen lässt. Sowohl kleine als auch große Kassen können demnach über- oder unterdurchschnittliche Verwaltungskosten haben.
Auch der GKV-Spitzenverband warnt deshalb davor, von weniger Anbietern automatisch auf geringere Kosten zu schließen. Er verweist ebenfalls darauf, dass die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen bereits seit Jahrzehnten sinkt: 1993 existierten noch mehr als 1000, inzwischen sind es 93. Fusionen erfolgten bislang überwiegend freiwillig, während Schließungen durch Aufsichtsbehörden selten waren. Ob eine weitere Verkleinerung der Kassenlandschaft einen systematischen Spareffekt bringen würde, ist nach bisherigem Stand also vorerst nicht belegt.
Für Mitglieder besteht aktuell also kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Entscheidend dürfte zunächst sein, welche Empfehlungen die Finanzkommission bis Ende 2026 vorlegt und welche davon anschließend politisch umgesetzt werden. Sollte die angedachte Reduzierung Teil davon sein, muss geklärt werden, welche Krankenkassen tatsächlich von einer Fusion, Neuordnung oder einem möglichen Wegfall betroffen wären und was das für Versicherte für konkrete Folgen nach sich zieht.
Von Dana Neumann
„Reduzierung der Krankenkassen wird das Problem nicht lösen”
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