Neue Studie zeigt: Deutsche sparen zu vorsichtig und verpassen Milliarden an Rendite. Die wichtigsten Zahlen, Gründe und Hintergründe im Überblick.
Deutsche Haushalte horten ihr Geld lieber auf dem Sparkonto – und verzichten dadurch auf rund 843 Milliarden Euro Vermögenszuwachs. Eine Studie zeigt, warum das teuer wird.
Die Deutschen sparen fleißig – und verzichten dabei auf einen gewaltigen Batzen Vermögen. Eine neue Studie von J.P. Morgan Asset Management zeigt: Wer sein Geld lieber aufs Tagesgeldkonto legt statt in Aktien zu investieren, lässt langfristig viel Rendite liegen. Die Rechnung dahinter ist eindeutig.
Seit Beginn der Pandemie haben deutsche Haushalte zusätzlich rund 906 Milliarden Euro in Tages- und Festgeld gesteckt. Hätten sie diese Summe stattdessen in Aktien aus Industrieländern investiert, wäre daraus heute rechnerisch fast das Doppelte geworden: etwa 1,8 Billionen Euro. Tatsächlich wuchs das Ersparte durch die sichere, aber niedrige Verzinsung nur auf rund 987 Milliarden Euro. Macht einen entgangenen Vermögenszuwachs von etwa 843 Milliarden Euro.
Das deutsche Sparverhalten ist kein Einzelfall. Europaweit legten Haushalte seit der Pandemie zusätzliche 2,8 Billionen Euro zurück – auch hier vor allem auf niedrig verzinsten Konten. Die Folgen gehen über die einzelnen Sparerinnen und Sparer hinaus. Während sich in Deutschland hohe Cash-Bestände aufbauten, wuchsen Konsum und Unternehmensinvestitionen deutlich langsamer als in den USA. Ein ähnliches Muster zeigt sich europaweit: Hohe Sparquoten gehen oft mit weniger Kapital für produktive Investitionen einher.
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„Deutschland hat kein Sparproblem, sondern ein Investmentproblem“, sagt Christoph Bergweiler, Leiter des kontinentaleuropäischen Fondsgeschäfts bei J.P. Morgan Asset Management, laut Mitteilung des Unternehmens. Bleibe Geld dauerhaft auf Konten liegen, verzichteten nicht nur die Sparer auf Vermögensaufbau. Auch Unternehmen fehle dadurch Kapital für Investitionen, Innovation und Wachstum.
Beim Blick auf die eigene Altersvorsorge zeigen sich die Deutschen erstaunlich optimistisch. Mehr als 60 Prozent der Befragten sind zuversichtlich oder sehr zuversichtlich, ihren gewünschten Lebensstandard im Ruhestand halten zu können – ein höherer Wert als im europäischen Durchschnitt. Knapp die Hälfte, 47 Prozent, setzt dabei vor allem auf private Vorsorge. In vielen Nachbarländern spielt dagegen die staatliche Rente noch eine größere Rolle.
Der Optimismus hat allerdings einen Haken: Nur 31 Prozent der Deutschen verfolgen tatsächlich einen konkreten Plan und sparen gezielt für den Ruhestand. Ein weiteres Drittel hat sich zumindest schon einmal mit dem Thema beschäftigt. Der Rest hat bislang weder nachgedacht noch etwas Konkretes unternommen.
„Auch wenn die Zuversicht hoch ist, hapert es deutlich an der Umsetzung“, erklärt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, laut der Mitteilung. Wichtig sei es, die eigene Rentenlücke zu ermitteln und den nötigen Sparbedarf gezielt anzugehen.
Mehr als drei Viertel der Befragten in Deutschland fühlen sich sicher oder sehr sicher bei ihren Geldanlage-Entscheidungen – auch das über dem europäischen Schnitt. Passend dazu nennen knapp 30 Prozent Aktien als bevorzugtes Mittel für zweckgebundenes Sparen. Trotzdem hält noch etwa ein Viertel der Befragten den Großteil seines Ersparten weiter auf klassischen Sparkonten.
Woran das liegt, zeigt die Studie ebenfalls: 36 Prozent der Nicht-Aktionäre geben Angst vor Verlusten als Grund an. 23 Prozent wissen schlicht nicht, wie man investiert. Mehr als 20 Prozent haben eine Aktienanlage bislang gar nicht in Erwägung gezogen. Bemerkenswert: Immer noch 15 Prozent der Deutschen halten Tages- und Festgeld für die Anlageform, mit der sie langfristig fürs Alter am besten fahren.
Helfen soll nun eine politische Reform: Ab dem 1. Januar 2027 kommt in Deutschland das sogenannte Altersvorsorgedepot. Es soll den Einstieg in Kapitalmarktinvestments erleichtern.
Für die Studie „Vom Sparen zum Anlegen: Die Chance für Europa“ befragte das Marktforschungsinstitut Opinium im Auftrag von J.P. Morgan Asset Management insgesamt 17.000 Menschen in neun europäischen Ländern, darunter 2.000 in Deutschland. Die Erhebung fand in der zweiten Julihälfte 2026 statt.