Banken vergeben Kredite deutlich restriktiver. Das erschwert größere Anschaffungen und könnte den schwachen Konsum zusätzlich bremsen.
Deutschlands Konsum schwächelt – und nicht nur wegen hoher Preise. Strengere Kreditregeln der Banken bremsen größere Anschaffungen zusätzlich.
Die Wirtschaft wartet auf die Verbraucher. Während Investitionen des Staates und der Export der Konjunktur Impulse geben sollen, bleibt der private Konsum schwach. Üblicherweise richtet sich der Blick dann auf hohe Preise, unsichere Einkommen und die Sparneigung der Haushalte.
Eine Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt jedoch einen weiteren möglichen Bremsfaktor: Wer größere Anschaffungen auf Kredit finanzieren will, hat es bei Banken erheblich schwerer als noch vor wenigen Jahren.
Was Sie wissen müssen:
Verivox misst mit seinem Index zur privaten Kredithürde seit 2020, wie leicht oder schwer Verbraucher einen Ratenkredit erhalten können. Der Ausgangswert vom Januar 2020 dient dabei als Vergleichsbasis. Ein aktueller Indexstand von 182,7 bedeutet nach Berechnungen des Portals, dass das Risiko einer Kreditanfrage ohne Angebot heute um 83 Prozent höher liegt als damals.
ANZEIGE
ANZEIGE
Damit trifft die schwache Konsumneigung auf ein zweites Problem: Selbst Haushalte, die Geld ausgeben möchten, können größere Anschaffungen nicht immer finanzieren. Das betrifft etwa Autos, Möbel oder umfangreichere Renovierungen – typische Ausgaben, für die Verbraucher häufig auf Ratenkredite zurückgreifen.
Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH, führt die strengeren Vorgaben der Banken vor allem auf die schwache Konjunktur und eine gestiegene Unsicherheit am Arbeitsmarkt zurück. Nach seiner Einschätzung würde rund ein Drittel der Verbraucher, die Anfang 2020 noch einen Kredit erhalten hätten, unter den heutigen Bedingungen leer ausgehen.
„Aktuell kann mehr als jeder zweite Finanzierungswunsch nicht verwirklicht werden, weil Verbraucher auf ihre Kreditanfrage kein Bankangebot erhalten“, sagt Maier.
Aus Sicht der Kreditinstitute ist die Zurückhaltung nachvollziehbar. Steigt das Risiko von Arbeitslosigkeit oder Einkommensverlusten, wächst auch die Gefahr von Kreditausfällen. Strengere Bonitätsprüfungen schützen damit die Bilanzen der Banken und können eine übermäßige Verschuldung von Haushalten verhindern.
Volkswirtschaftlich entsteht daraus allerdings ein Zielkonflikt. Werden die Vergaberichtlinien sehr streng, sinkt nicht nur das Kreditrisiko. Zugleich können weniger Menschen größere Ausgaben vorziehen oder finanzieren. Die Kreditvergabe kann damit einen ohnehin schwachen Konsum zusätzlich dämpfen.
Wie stark dieser Effekt die Gesamtwirtschaft tatsächlich belastet, lässt sich aus den Verivox-Daten allein nicht ableiten. Der Index zeigt vor allem, dass sich der Zugang zu Konsumentenkrediten seit 2020 deutlich verschärft hat. Für die Debatte über die schwache Binnennachfrage ist das dennoch relevant: Eine Erholung des privaten Konsums hängt offenbar nicht allein davon ab, ob Verbraucher wieder mehr ausgeben wollen – sondern teilweise auch davon, ob Banken sie lassen.