Deutschlands Großinsolvenzen sind gestiegen. Der Kreditversicherer Allianz Trade warnt vor hohen Risiken für die Wirtschaft.
Auch 2026 steigen die Großinsolvenzen in Deutschland. Der Kreditversicherer Allianz Trade warnt vor anhaltendem Anpassungsdruck und Dominoeffekten entlang der Lieferketten.
Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland steigt weiter. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte der Kreditversicherer Allianz Trade 33 Unternehmenspleiten von Firmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro. Das sind zehn Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Im laufenden Jahr zeichnet sich bislang keine Entspannung ab. Auf das erste Quartal entfielen 16 Großinsolvenzen, im zweiten Quartal waren es bereits 17. Im vergangenen Jahr hatte Allianz Trade insgesamt 94 Großinsolvenzen in Deutschland gezählt – nach 87 Fällen im Jahr 2024. Das entsprach bereits einem Anstieg von acht Prozent und war der höchste Wert seit Beginn der Auswertung im Jahr 2015.
Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sieht darin ein Warnsignal für die deutsche Wirtschaft:
„Der Negativtrend aus dem Vorjahr verfestigt sich. Das ist ein Warnsignal für die deutsche Wirtschaft. Es zeigt, dass der Anpassungsdruck in vielen Branchen weiterhin enorm ist. Großunternehmen stehen häufig im Zentrum komplexer Wertschöpfungsketten. Fällt ein Marktteilnehmer dieser Größenordnung aus, geraten oftmals auch Zulieferer, Dienstleister und andere Geschäftspartner unter Druck.“
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Auch die wirtschaftlichen Schäden nehmen zu. Der kumulierte Jahresumsatz der insolventen Großunternehmen stieg im ersten Halbjahr 2026 um drei Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig lag der durchschnittliche Jahresumsatz der betroffenen Unternehmen mit rund 137 Millionen Euro sieben Prozent unter dem Vorjahreswert. Das deutet darauf hin, dass zuletzt häufiger kleinere Unternehmen innerhalb der Kategorie der Großinsolvenzen betroffen waren.
Für Lieferanten und Kreditgeber bleibt das Risiko dennoch hoch. Denn entscheidend ist nicht allein die Größe eines einzelnen Unternehmens, sondern auch die Zahl der Fälle und deren Verflechtung mit anderen Unternehmen.
Deutschland ist kein Einzelfall. Weltweit registrierte Allianz Trade im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 247 Großinsolvenzen – 13 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Häufig betroffen waren der Einzelhandel mit 59 Fällen, der Dienstleistungssektor mit 38 und das Baugewerbe mit 33 Großinsolvenzen.
Über die vergangenen vier Quartale betrachtet wurden weltweit 504 Großinsolvenzen erfasst. Davon entfielen 325 auf Westeuropa. Deutschland kam auf 97 Fälle und damit auf knapp ein Drittel der Großinsolvenzen in Westeuropa.
Maxime Lemerle, Leiter der Insolvenzforschung bei Allianz Trade, betont:
„Die Zahl der Großinsolvenzen steigt in vielen Regionen der Welt. Westeuropa bleibt jedoch besonders betroffen und steht für mehr als 60 Prozent aller weltweit erfassten Fälle.“
Ein wesentlicher Grund für die angespannte Lage ist die weiterhin fragile Erholung der europäischen Industrie. Vor allem energie- und kapitalintensive Branchen stehen unter Druck. Dazu zählen unter anderem die Chemieindustrie, der Automobilsektor und der Maschinenbau.
Anfällig sind laut Allianz Trade Unternehmen mit hohen Investitions- und Energiekosten sowie Firmen mit geringer Preissetzungsmacht. Sie können gestiegene Kosten nur begrenzt an ihre Kunden weitergeben. Die Folge: Die Margen geraten unter Druck – und damit steigt das Risiko einer finanziellen Schieflage.
Für Deutschland bedeutet das: Die Großinsolvenzen sind nicht nur ein Problem einzelner Unternehmen. Gerade in einer stark vernetzten Volkswirtschaft können Ausfälle entlang der Lieferketten weitere Firmen treffen. Eine schnelle Entspannung ist nach Einschätzung von Allianz Trade derzeit nicht in Sicht.
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