Вход на сайт

Просмотр новости

Найдите то, что Вас интересует

Marc Friedrich: Der Anleihenmarkt schlägt Alarm – jetzt wird es gefährlich

Дата публикации: 13-09-2026 20:12:00

Das Zeitalter des billigen Geldes ist vorbei. Steigende Anleiherenditen zeigen, wie groß die Risiken durch Schulden und Inflation geworden sind.

Основное содержимое страницы с новостью.

Japan, Großbritannien, Deutschland und die USA: Überall steigen die Anleiherenditen. Der Markt fordert seinen Preis – und die Folgen könnten für Anleger enorm sein.

Rund 145 Billionen Dollar stecken im globalen Anleihenmarkt – damit ist er etwa so groß wie alle Aktienmärkte der Welt zusammen. Trotzdem redet kaum jemand darüber. Dabei ist er der wichtigere Markt von beiden: Hier wird der Preis des Geldes gemacht, für jede Hypothek, jeden Unternehmenskredit, jede Aktienbewertung, jeden Staatshaushalt. Wenn dieser Markt zuckt, zuckt alles mit. Und gerade zuckt er nicht nur – er krampft. Global.

Ein globales Pulverfass

Ein Blick auf die Anleihemärkte zeigt, wie ernst die Lage ist:

  • In Japan hat die zehnjährige Rendite die Drei-Prozent-Marke durchbrochen, zum ersten Mal seit 1996. Die dreißigjährige Anleihe markierte mit über 4,15 Prozent ein Allzeithoch – bei einer Schuldenquote von über 200 Prozent.
  • In Großbritannien liegen zehnjährige Gilts über 5,2 Prozent, so hoch wie zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008. Die dreißigjährige notiert bei fast 5,9 Prozent, dem höchsten Stand seit 1998.
  • In Deutschland ist die zehnjährige Bundesanleihe auf rund 3,35 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit 2011. Im März 2020 lag sie noch bei minus 0,85 Prozent. Auch in Frankreich liegen die langfristigen Renditen auf dem höchsten Niveau seit 2008.
  • In den USA liegt die Zehnjahresrendite bei rund 4,8 Prozent, die dreißigjährige über 5,3 Prozent – ähnlich hoch wie zur Finanzkrise. Bei einem Schuldenberg von über 40 Billionen Dollar nähert sich allein der Zinsdienst 1,2 Billionen Dollar im Jahr.
  • Der Bloomberg-Index für globale Staatsanleihen steht bei 3,72 Prozent, dem höchsten Stand seit Mitte 2008. Das Fieberthermometer steigt also überall gleichzeitig. Das ist kein französisches, kein japanisches, kein britisches Problem. Das ist ein systemisches, globales Problem.
Was hier wirklich passiert

Die meisten nennen es einen Ausverkauf. Ich nenne es eine Rückkehr zur Realität. Zwei Jahrzehnte lang haben Notenbanken den Zins praktisch abgeschafft: Nullzinsen, Strafzinsen, Anleihenkäufe in Billionenhöhe, dazu in Japan eine Zinskurvensteuerung, bei der die Notenbank den Preis für Geld schlicht per Dekret festgelegt hat. Ich habe das seit Jahren als das bezeichnet, was es aus meiner Sicht ist: finanzielle Repression – eine schleichende Umverteilung zulasten der Sparer. Jetzt kommt aus meiner Sicht die Rechnung.

ANZEIGE

ANZEIGE

Der Markt holt sich die Preisfindung zurück, die er über Jahre nicht hatte. Der Zins ist der Preis für Risiko und Zeit: Verschulden sich Staaten schneller, als sie wachsen, steigt dieser Preis. Dahinter stehen aus meiner Sicht drei Kräfte gleichzeitig.

1. Die Inflation ist zurück

Der Ölpreis liegt über 90 Dollar, Brent zeitweise nahe 97 Dollar. Die Eskalation zwischen den USA und dem Iran treibt die Energiepreise. Die Eurozone meldete für August eine Inflation von 3,3 Prozent nach 2,9 Prozent im Juli. Fed-Chef Kevin Warsh machte in Jackson Hole klar, dass die Arbeit noch nicht getan sei. Die Märkte preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von über 60 Prozent für eine Zinserhöhung am 16. September ein – vor einer Woche waren es noch 37 Prozent.

2. Die Schuldenflut

Staaten und Unternehmen wollen 2026 rund 29 Billionen Dollar am Anleihemarkt aufnehmen, ein Rekordwert. Dazu kommt eine beispiellose Welle an Unternehmensanleihen, weil der KI-Bau-Boom finanziert werden muss – Microsoft, Apple und JPMorgan drängen alle an den Markt. Die Emissionstätigkeit im September liegt Schätzungen zufolge 30 bis 40 Prozent über dem Zehnjahresschnitt.

Die Frage ist: Wer kauft das alles? Die Notenbanken nicht mehr, die verkaufen eher. Japan auch nicht mehr, dort wird das Kapital zunehmend im eigenen Land gebraucht. Bezeichnend finde ich, dass das US-Finanzministerium inzwischen eigene, gerade erst ausgegebene Anleihen zurückkauft. Für mich ist das kein cleverer Mechanismus, sondern ein Krisensymptom.

3. Das Vertrauen bröckelt

Das US-Finanzministerium hat im August mit Rückkäufen langlaufender Papiere eingegriffen, um die Zinsen zu deckeln. Ergebnis: Die Renditen haben zwei Drittel des Rückgangs bereits wieder aufgeholt. Der Markt lässt sich derzeit nicht mehr einschüchtern – aus meiner Sicht ein neues und wichtiges Signal.

Zur Einordnung ein persönlicher Vergleich: Als mein Buch über die Schuldenkrise erschien, lag die zehnjährige Bundesanleihe bei minus 0,71 Prozent. Damals hieß es oft, Zinsen kämen nie wieder zurück. Heute stehen wir bei 3,35 Prozent, und der Bund muss seine Zinsausgaben bis 2030 voraussichtlich verdreifachen.

Die Macht der Knappheit

Die Grundrechnung bleibt für mich über die Wirtschaftsgeschichte hinweg dieselbe: Unbegrenzt vermehrbares Papiergeld verliert gegenüber begrenzt vermehrbaren Sachwerten. Deshalb setze ich seit über einem Jahrzehnt auf dieselben Bausteine: Gold, Silber, Bitcoin, Rohstoffe und produktive Substanz. Nicht, weil ich grundsätzlich Krisen herbeireden will, sondern weil Knappheit die einzige Eigenschaft ist, die keine Regierung per Beschluss abschaffen kann.

Japan als Epizentrum

Neben Washington lohnt sich der Blick nach Tokio. Japan war jahrzehntelang der Anker des globalen Anleihemarktes: Japanische Versicherer, Pensionskassen und Banken haben ihr Geld ins Ausland getragen, weil es zu Hause kaum Rendite gab. Dieses Kapital hat amerikanische Staatsanleihen, europäische Immobilien und globale Aktienmärkte mitfinanziert – der sogenannte Yen-Carry-Trade war über Jahre ein Schmiermittel der Weltfinanz.

Jetzt gibt es auch im Inland wieder Rendite, über vier Prozent auf 30 Jahre, ohne Wechselkursrisiko. Kehrt dieses Kapital nach Hause zurück, dürfte das vor allem das treffen, was mit billigem Geld finanziert wurde. Fällt der Abstand zwischen japanischen und amerikanischen Dreißigjährigen unter 100 Basispunkte, wird es aus meiner Sicht für US-Staatsanleihen ungemütlich. Gleichzeitig fährt Premierministerin Takaichi eine expansive Fiskalpolitik mit Rekord-Budgetanmeldungen – aus meiner Sicht eine riskante Kombination für ein Land mit rund 200 Prozent Schuldenquote.

Deutschland: Der Zinsberg wächst

Auch hierzulande wird es ungemütlicher. Die Zinsausgaben des Bundes sollen laut Finanzplanung der Bundesregierung von rund 33,7 Milliarden Euro 2026 auf 43,6 Milliarden 2027 steigen, danach auf 55,2 Milliarden (2028), 68,1 Milliarden (2029) und 80,7 Milliarden Euro (2030) – nahezu eine Verdreifachung in vier Jahren, allein für den Schuldendienst. Für 2027 ist eine Neuverschuldung von rund 196,5 Milliarden Euro geplant, kumuliert bis 2030 über eine Billion Euro. Das 500-Milliarden-Sondervermögen ist dabei noch längst nicht vollständig abgerufen.

Als Grund für die steigenden Zinskosten nennt die Bundesregierung selbst den höheren Schuldenstand und die gestiegenen Renditen für Bundeswertpapiere. Aus meiner Sicht ist das ein Kurs, der sich mit einer weiter ausgehöhlten Schuldenbremse und immer neuen Sondervermögen fortsetzt, ohne dass die strukturellen Probleme angegangen werden.

Die Gefahren

Staatsanleihen gelten gemeinhin als sicher – die Realität sieht anders aus. Ein Beispiel: Die nullverzinste Bundesanleihe mit Laufzeit bis 2050 (ISIN DE0001102481) wurde im Oktober 2020 bei einer Aufstockung zu 104,95 Prozent zugeteilt. Aktuell notiert sie bei rund 42 Prozent – ein Kursverlust von knapp 60 Prozent bei einem Papier, das als „risikofrei“ verkauft wurde.

Auch Banken und Versicherer sind betroffen: Wer lang laufende Anleihen in den Büchern hält und sie nicht zu Marktpreisen bewerten muss, ist deshalb nicht automatisch gesund. Bei Gewerbeimmobilien in Europa führen höhere Renditen zu höheren Kapitalisierungssätzen und damit zu fallenden Bewertungen, gerade wenn Anschlussfinanzierungen jetzt anstehen. Und auch der Aktienmarkt kann sich der Entwicklung aus meiner Sicht nicht dauerhaft entziehen: Wenn risikofreie Anleihen fünf Prozent bringen, muss jede Aktienbewertung neu gerechnet werden.

Der Königsweg der Politik

Wird die Zinslast eines Staates untragbar, bleiben historisch im Kern drei Auswege: sparen, einen Zahlungsausfall erklären – oder die Schuld über Inflation und finanzielle Repression entwerten. Meiner Einschätzung nach ist der dritte Weg der wahrscheinlichste.

Die Chancen

Krisen verschieben aus meiner Sicht vor allem Vermögen, sie lösen es nicht auf. Für Anleger sehe ich fünf Bausteine:

  1. Kurze statt lange Laufzeiten: Wer heute Zinsen mitnehmen will, tut das eher am kurzen Ende, etwa über zwei bis drei Jahre, statt sich mit dreißigjährigen Papieren gegen fallende Kurse zu positionieren.
  2. Reale Werte: Gold notiert bei rund 4.470 Dollar, Silber bei knapp 67 Dollar. Beide haben nach den Rekorden dieses Jahres spürbar korrigiert – Silber liegt im Jahresverlauf sogar zweistellig im Minus. Aus meiner Sicht sind gerade solche Rücksetzer historisch eher Einstiegs- als Ausstiegsmomente.
  3. Bitcoin: Aktuell rund 78.000 bis 80.000 Dollar. Die Menge ist auf 21 Millionen Coins begrenzt. Wichtig für Anleger: 2026 liegt Bitcoin bislang im Minus gegenüber dem Jahresstart bei rund 87.500 Dollar. Im August hat die Kryptowährung dennoch rund 25 Prozent zugelegt, der stärkste Monat seit November 2024. Wer investiert, sollte diese Schwankungen aushalten können.
  4. Rohstoffe und Minen: Energie, Kupfer, Uran, Lithium, Graphit, Dünger und Edelmetallproduzenten profitieren aus meiner Sicht von strukturell begrenztem Angebot und wachsender Nachfrage, nicht zuletzt durch den Strom- und Kupferbedarf des KI-Booms.
  5. Produktive Substanz: Unternehmen mit Preissetzungsmacht, geringer Verschuldung und echten Erträgen stehen besser da als solche, die sich zu höheren Zinsen refinanzieren müssen.
Meine Prognosen mit Datum und Zahl

Vage Formulierungen wie „mittelfristig erhöhte Volatilität“ halte ich für wenig aussagekräftig. Deshalb vier konkrete, überprüfbare Einschätzungen:

  1. Die zehnjährige Bundesanleihe steigt bis Ende 2027 auf vier Prozent. Aktuell liegt sie bei 3,35 Prozent, der seit 2023 haltende Widerstand bei drei Prozent ist bereits gefallen.
  2. Mindestens eine große Notenbank oder ein großes Finanzministerium greift bis Ende 2027 offen am langen Ende des Marktes ein, etwa über Rückkäufe oder Emissionssteuerung. Die Bank of Japan hat das 2016 vorgemacht, das US-Finanzministerium im August 2026 begonnen.
  3. Gold markiert bis Ende 2027 ein neues Allzeithoch über 5594 Dollar, Silber ebenfalls ein neues Hoch. Steigende Nominalzinsen sind kurzfristig Gegenwind, langfristig sehe ich aber einen Vertrauensverlust in Staatspapiere als stärkeren Treiber.
  4. Die Zinslast des Bundes übertrifft bis 2030 den Bildungs- und Forschungsetat. Das ist keine eigene Prognose, sondern ergibt sich aus der Finanzplanung der Bundesregierung mit 80,7 Milliarden Euro Zinsen im Jahr 2030.
Was mich widerlegen würde

Fällt die Inflation in Euroraum und USA zwei Jahre in Folge unter zwei Prozent, ohne dass die Notenbanken eingreifen müssen, und bauen die Staaten gleichzeitig ihre Defizite ab, liege ich mit dieser Einschätzung falsch. Das halte ich aktuell für unwahrscheinlich, messen lassen sollte man eine solche Prognose aber trotzdem daran.

Fazit

Der Anleihemarkt lügt aus meiner Sicht nicht, er rechnet nur konsequent. Was er gerade ausrechnet, ist unbequem: Das Zeitalter des extrem billigen Geldes ist vorbei, nicht nur pausiert. Ich halte das für die Normalisierung nach 40 Jahren Anleihen-Hausse – nicht, weil ich Pessimist bin, sondern weil ein Schuldgeldsystem aus meiner Sicht keine zweite Lösung kennt. Noch bleibt Zeit, sich darauf einzustellen. Aber nicht mehr viel.

Über den Autor

Marc Friedrich ist Deutschlands erfolgreichster Sachbuchautor (7 SPIEGEL Bestseller in Folge), ausgewiesener Finanzexperte, gefragter Redner, YouTube-Star, bekannt aus Funk und TV, Vordenker, Freigeist und Honorarberater. Sein neuester SPIEGEL Bestseller trägt den Titel „Die größte Revolution aller Zeiten – Warum unser Geld stirbt und wie Sie davon profitieren„ und beschäftigt sich ausschließlich mit den Themen Bitcoin, Zyklen und Geldgeschichte. Außerdem ist Marc Friedrich Gründer und Initiator des Investmentbriefs Friedrich Report, in dem Analysen zu einzelnen Aktien, aber auch zu Rohstoffen und Bitcoin veröffentlicht werden. Mehr Informationen: www.friedrich-partner.de; www.marc-friedrich.de und friedrich.report X: @marcfriedrich und Instagram: @marcfriedrich7

Схожие новости

#Наименование новостиТональностьИнформативностьДата публикации
1USA, Dollar, Gold: Die neue Schuldenangst an den Märkten07.1210-09-2026
2Öl, Zinsen, Inflation: Die Märkte stehen am Kipp-Punkt011.7702-09-2026
3Anleger wenden sich ab: Für die USA wird Geld immer teurer08.6920-09-2026
4Deutsche Bank warnt: Der Markt „unterschätzt das Ausmaß der bevorstehenden Straffung“ – Fed und EZB könnten noch stärker an der Zinsschraube drehen07.6225-09-2026
5Kreditversicherer warnt: Jede 3. Großinsolvenz in Westeuropa trifft Deutschland012.2213-09-2026
6Inflation ist der gefährlichste Wohlstandsvernichter09.2206-09-2026
7Warum Amerikas Inflation schöner ist als die Wirklichkeit011.2303-09-2026
8EZB zeigt mit Zinserhöhung Stärke – jetzt zählt das richtige Timing011.6712-09-2026
9Droht die nächste Finanzkrise? Der gefährliche 302-Billionen-Euro-Schuldenberg der Welt 011.322-08-2026
10Auch Deutschland spürt jetzt das Misstrauen der Anleger012.9413-09-2026

Классификация: Мнения. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: 0. Информативность: 10. Источник: rss.focus.de.