Nach Rekordhochs geht es an den Börsen abwärts. Ein Mix aus hohen Ölpreisen, Inflation und Zinsangst bedroht die Kurse. Wie Anleger richtig reagieren.
Nach Rekordhochs geht es an den Börsen abwärts. Ein Mix aus hohen Ölpreisen, Inflation und Zinsangst bedroht die Kurse. Wie Anleger richtig reagieren.
Noch Ende vergangener Woche hatte der Dax ein neues Rekordhoch bei 26.618 Punkten erreicht. Doch das scheint schon länger her als nur wenige Tage. Inzwischen steht der Dax fast 1000 Punkte tiefer. Ähnlich sieht es bei anderen Börsenindizes wie dem S&P 500 und der Nasdaq aus. Auch sie haben in den vergangenen Tagen deutlich verloren und die Gefahr ist groß, dass es weiter abwärts geht. Gleich von mehreren Seiten drohen Risiken. Besonders brisant: Diese können sich gegenseitig verstärken.
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Von einem möglichen Frieden im Nahen Osten ist nicht mehr die Rede. Vielmehr stehen die Zeichen zwischen dem Iran und den USA auf Eskalation. Die USA fliegen wieder Angriffe auf Ziele, der Iran wiederum attackiert US-Stützpunkte und Nachbarländer. Der Ölpreis spiegelt die Entwicklung: Der Preis der Sorte Brent nähert sich der Marke von 100 Dollar. In den vergangenen vier Wochen hat er fast 20 Prozent zugelegt.
Der hohe Ölpreis drückt auf die Gewinne von Konzernen mit einer energieintensiven Produktion und schürt die Sorge vor einem Abschwächen der Konjunktur. Er treibt auch die Inflation an, weil Firmen höhere Kosten über die Preise an die Kunden weitergeben. In Deutschland lag die Inflationsrate im August bei 2,9 Prozent, in der Eurozone bei 3,3 Prozent. Auch in den USA lag sie zuletzt deutlich über drei Prozent. Inzwischen verfehlt die US-Notenbank Fed seit 65 Monaten ihr Inflationsziel.
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Die hohe Inflation alarmiert die Notenbanken. Die EZB hat bereits im Juni den Leitzins erhöht und es gilt unter Beobachtern als ausgemacht, dass sie ihn bei der nächsten Sitzung im September erneut anhebt.
Die Fed hat bisher noch nicht auf die hohe Inflationsrate reagiert. Bei der nächsten Fed-Sitzung, nur gut eine Woche nach dem Treffen der EZB-Notenbanker, könnte es jedoch zu einer Zinsanhebung kommen. Die Wahrscheinlichkeit wird an den Märkten mit 60 Prozent eingeschätzt.
Höhere Zinsen sind schlecht für die Aktienmärkte. Der faire Wert einer Aktie basiert auf den erwarteten zukünftigen Gewinnen. Bei höheren Leitzinsen werden diese zukünftigen Zahlungsströme mathematisch stärker abgezinst (Discounted-Cashflow-Modell). Das senkt den heutigen Unternehmenswert – was besonders Wachstums- und Tech-Aktien trifft, deren große Gewinne meist weit in der Zukunft liegen.
Auch für Verbraucher verteuern sich Ratenkredite für Immobilien, Autos oder Konsumgüter. Das frei verfügbare Einkommen sinkt, die allgemeine Nachfrage geht zurück und die Unternehmen verzeichnen infolgedessen geringere Umsätze.
Die Renditen für langlaufende Staatsanleihen steigen und steigen. Das heißt: Staaten müssen für neue Schulden höhere Zinsen bieten, um Käufer zu finden. Aber auch Unternehmen trifft der Renditeanstieg. Auch sie müssen mit höheren Zinsen locken, da sie mit ihren Anleiheemissionen in Konkurrenz zu den Staaten stehen.
Die steigenden Renditen setzen die Börsen unter Druck: Anleger verlangen für das Risiko von Kursschwankungen einen Renditeaufschlag gegenüber sicheren Staatsanleihen. Steigt der risikofreie Zins der Anleihen, muss auch die Gewinnrendite der Aktien steigen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das geschieht meist unweigerlich dadurch, dass die Aktienkurse fallen.
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Daneben gibt es auch einen psychologischen Effekt: Die steigenden Renditen machen viele Anleger nervös. Sie zeigen an, dass das Schuldenproblem der Staaten langsam zu ernsten Konsequenzen führt. Der Druck auf die Regierungen wächst, etwas zu unternehmen. Doch niemand kann genau sagen, was passieren wird. In solchen Zeiten der Unsicherheit verkaufen viele Anleger Aktien und andere riskante Assets. Sie warten lieber an der Seitenlinie ab, was weiter passiert.
Die Situation an der Börse ist gerade schwierig. Der hohe Ölpreis, die hohe Inflation und die steigenden Anleihenrenditen bilden einen Mix, der das Potenzial für hohe Kursverluste hat. Denn die Aktienmärkte sind hoch bewertet. In solchen Phasen reichen Kleinigkeiten für eine Korrektur aus. Auf der anderen Seite gab es zuletzt starke Quartalszahlen und die Aussichten auf weiter steigende Gewinne sind gut. Das sollte die Aktienkurse stützen.
Für Langfristanleger heißt es jetzt deswegen: Ruhe bewahren. Kursrücksetzer können immer wieder passieren. Sie gehören zur Börse dazu. Doch mit einem breit diversifizierten Depot, regelmäßigen Käufen über Sparpläne und einem langen Anlagehorizont sind sie eher Chance als Risiko.
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