Zwei Top-Staatsfonds erwarten schwächere US-Aktienrenditen. Was das für MSCI-World- und S&P-500-Anleger bedeutet.
Ausgerechnet zwei der erfolgreichsten Großanleger der Welt mahnen zur Vorsicht. Sowohl der norwegische als auch der neuseeländische Staatsfonds erwarten weniger Rückenwind für US-Aktien.
Wer wissen will, wie Profis über die Börse denken, sollte manchmal weniger auf Banken und mehr auf Staatsfonds schauen. Sie investieren über Jahrzehnte, müssen keine Quartalsziele erfüllen – und verwalten enorme Vermögen.
Umso bemerkenswerter ist, dass nun gleich zwei besonders erfolgreiche Adressen vor zu hohen Erwartungen an den Aktienmarkt warnen: der New Zealand Superannuation Fund und der norwegische Staatsfonds, der größte seiner Art weltweit.
Das Wichtigste im Überblick:
Dahinter steht die Erwartung, dass außergewöhnlich hohe Renditen auf Dauer kaum fortgeschrieben werden können. Jo Townsend, Chefin der neuseeländischen Fondsgesellschaft, sagte laut CNBC:
„Die Renditen von US-Aktien in den letzten zwei Jahren lagen fast doppelt so hoch wie die annualisierten Renditen der letzten 20 Jahre, daher ist zu erwarten, dass es irgendwann zu einer Rückkehr zum Mittelwert kommen wird.“
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Das ist ein wichtiger Unterschied. Eine Rückkehr zum Mittelwert kann einen Kursrückgang bedeuten. Sie kann aber ebenso durch mehrere Jahre mit nur mäßigen Kursgewinnen erfolgen.
Townsend fügt hinzu:
„Kurzfristig kann ein konzentriertes Portfolio gute Ergebnisse erzielen; langfristig sind wir jedoch der festen Überzeugung, dass ein diversifizierteres Portfolio besser zu unserem Mandat passt.“
Wer einen MSCI-World-ETF im Depot hat, investiert zwar rund um den Globus – zumindest dem Namen nach. Tatsächlich führt an der Wall Street aber kaum ein Weg vorbei: Im Frühjahr 2026 entfielen rund 72 Prozent des Index auf US-Unternehmen.
Schwergewichte wie Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon und Alphabet prägen seine Entwicklung entsprechend stark. Steigen diese Konzerne, profitieren Millionen ETF-Sparer. Dreht die Stimmung an den US-Börsen, bekommen sie das allerdings genauso zu spüren.
Neuseelands Staatsfonds zieht daraus keine radikale Konsequenz. Aktien bleiben ein zentraler Baustein. Doch die Verantwortlichen verteilen das Risiko bewusst auf mehrere Säulen – von Anleihen und Immobilien bis zu Infrastruktur, Forstwirtschaft und privaten Beteiligungen.
Die Botschaft dahinter: Wer über Jahrzehnte Vermögen aufbauen will, sollte sich nicht darauf verlassen, dass ausgerechnet die Gewinner der vergangenen Jahre auch die nächsten Jahre dominieren.
Ähnlich argumentiert Nicolai Tangen, Chef des norwegischen Staatsfonds. Er erzielte im ersten Halbjahr 2026 eine Rendite von 9,4 Prozent und einen Rekordgewinn von 1,753 Billionen norwegischen Kronen (umgerechnet rund 162 Milliarden Euro).
Trotzdem sagte Tangen bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen:
„Wir sollten künftig nicht mit denselben Renditen rechnen wie in den vergangenen sechs Monaten.“
Für Privatanleger ist die Warnung deshalb vor allem ein Hinweis auf die starke Abhängigkeit vieler Depots vom US-Aktienmarkt. Wer einen MSCI-World- oder S&P-500-ETF hält, ist automatisch stark in amerikanischen Großkonzernen investiert. Bleiben deren Gewinne hinter den Erwartungen zurück oder fallen die Bewertungen, kann das die Rendite des gesamten Depots bremsen.
Anleger können jetzt den tatsächlichen USA-Anteil prüfen, übergroße Einzelpositionen abbauen und das Portfolio breiter über Regionen und Anlageklassen streuen. Denkbar sind etwa Europa, Schwellenländer oder – je nach Risikoprofil – Anleihen als Ergänzung.
Aus Angst vor einer möglichen Schwächephase hektisch verkaufen oder versuchen, den perfekten Ausstiegszeitpunkt zu erwischen, sollte man jedoch nicht. Denn weder der neuseeländische noch der norwegische Staatsfonds sagt einen Crash voraus. Beide warnen vielmehr davor, die außergewöhnlich starken Renditen der vergangenen Jahre einfach in die Zukunft fortzuschreiben.
Wichtig ist: Nicht auf einen Einbruch wetten, sondern das Depot so aufstellen, dass es auch dann funktioniert, wenn US-Aktien über Jahre deutlich weniger liefern als zuletzt.
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