Die US-amerikanische Fed erhöht die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte. Das bewegt Aktien, Dollar und Anleihen – und hat direkte Folgen für deutsche ETF-Sparer.
Die Fed erhöht erstmals seit mehr als drei Jahren die Zinsen – gegen Trumps Kurs. Für deutsche Anleger trifft der Schritt Aktien, Dollar und ETFs.
Für deutsche Anleger ist das weit mehr als eine Nachricht aus Washington: Höhere US-Zinsen verändern die Bewertung von Aktien und Anleihen, können den Dollar bewegen und damit auch einen ganz normalen ETF-Sparplan beeinflussen.
Was Anleger zum Fed-Entscheid wissen müssen:
Zwar sagte Warsh, dass jüngste Konjunkturdaten eine leichte Abkühlung gezeigt hätten. Er sehe darin jedoch keine Änderung der grundlegenden Entwicklung. „Daher sollte sich die Fed derzeit vorrangig auf die Preise konzentrieren“, sagte er. Die Teuerungsrate bezeichnete er als „zu hoch“.
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Das Weiße Haus hat die Leitzinserhöhung in einer ersten Stellungnahme kritisiert. Weiße-Haus-Sprecher Kush Desai sprach am Mittwoch im Sender Fox News von einer „eher unglücklichen Entscheidung“. Die Fed habe aus Sicht der US-Regierung keine besonders überzeugende wirtschaftliche Begründung dafür geliefert. Präsident Trump hat sich bislang noch nicht persönlich geäußert.
Die nun erfolgte Zinserhöhung dürfte nach Ansicht von Lena Dräger vorerst der einzige Schritt bleiben. „Höhere Zinsen senken den Ölpreis nicht“, kommentierte die Expertin des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Stattdessen müsse die Fed erhöhten Inflationserwartungen entgegenwirken.
US-Chefökonom Robert Sockin vom Finanzdienstleister PGIM sieht das anders: „Historisch gesehen neigt die Fed nicht dazu, ihre Geldpolitik mit einer einzigen Anhebung oder Senkung anzupassen.“ In der Regel müssten weitere Schritte folgen. Maxime Darmet-Cucchiarini, leitender Volkswirt bei Allianz Trade, rechnet mit einer zweiten Zinsanhebung im Dezember.
Für Aktienanleger verändert sich mit dem Zinsschritt vor allem die Konkurrenz um Kapital. Steigen die Renditen vergleichsweise sicherer Anleihen, werden sehr hoch bewertete Aktien relativ weniger attraktiv. Gleichzeitig verteuert die Fed mit ihrem Schritt die Finanzierung für Unternehmen. Neue Kredite kosten mehr, Investitionen werden teurer.
Hinzu kommt ein rechnerischer Effekt: Künftige Unternehmensgewinne werden an der Börse mit einem höheren Zinssatz bewertet und sind damit heute weniger wert. Besonders stark trifft das häufig Unternehmen, deren Börsenkurs auf hohen Gewinnen in ferner Zukunft beruht. Technologie- und Wachstumsaktien können deshalb stärker schwanken.
Ein Kursrutsch ist damit allerdings keineswegs programmiert. Goldman Sachs verweist auf robuste Unternehmensgewinne und hält weitere Kurssteigerungen am US-Aktienmarkt grundsätzlich für möglich.
Auch historische Zinserhöhungsphasen zeigen: Entscheidend ist weniger ein einzelner Schritt als das Tempo und Ausmaß weiterer Erhöhungen. Ein langsamer Zinsanstieg lässt sich von Unternehmen und Märkten meist leichter verkraften als eine schnelle Serie.
Für deutsche Besitzer eines S&P-500-, Nasdaq- oder nicht währungsgesicherten Welt-ETF kommt ein weiterer Faktor hinzu: der Dollar.
Höhere US-Zinsen können Anlagen in Dollar attraktiver machen und damit die amerikanische Währung stärken. Steigt der Dollar gegenüber dem Euro, erhöht sich für deutsche Anleger der in Euro gerechnete Wert ihrer US-Aktien. Ein Kursminus an der Wall Street kann dadurch teilweise oder sogar vollständig ausgeglichen werden.
Umgekehrt gilt dasselbe: Gibt der Dollar gegenüber dem Euro nach, schmälert das die Rendite deutscher Anleger. Deshalb kann derselbe S&P-500-ETF für einen Amerikaner und einen Anleger aus Deutschland am selben Handelstag unterschiedliche Ergebnisse bringen.
Gerade bei einem MSCI World ist dieser Effekt relevant. Ein großer Teil des Index steckt in amerikanischen Unternehmen. Deutsche ETF-Sparer investieren damit nicht nur in Konzerne wie Apple, Microsoft oder Nvidia, sondern tragen zugleich ein erhebliches Dollar-Risiko.
Auch Besitzer von Anleihe-ETFs müssen mit Bewegung rechnen. Steigen die Renditen neuer US-Staatsanleihen, werden bereits ausgegebene Papiere mit niedrigeren Zinsen weniger attraktiv. Ihre Kurse sinken.
Besonders empfindlich reagieren Anleihe-ETFs mit langen Laufzeiten. Je länger es dauert, bis eine Anleihe zurückgezahlt wird, desto stärker wirkt sich eine Veränderung des Marktzinses in der Regel auf ihren Kurs aus. Kurz laufende Papiere schwanken meist weniger und können höhere Marktzinsen schneller über neu gekaufte Anleihen ins Portfolio übernehmen.
Für Anleger hat die Zinserhöhung damit zunächst zwei Seiten: Bestehende Anleihebestände können an Wert verlieren, dafür werden neu gekaufte Anleihen nach und nach besser verzinst.
Für langfristige ETF-Sparer ist der einzelne Fed-Schritt dennoch kein Grund, den Sparplan zu stoppen oder das Depot hektisch umzubauen. Entscheidend bleibt, wie sich Inflation, Konjunktur und Unternehmensgewinne in den kommenden Monaten entwickeln. Denn erst daraus ergibt sich, ob höhere Zinsen Aktien und Anleihen länger belasten – oder ob die Märkte den Schritt schnell verkraften.