Die Huthi greifen Saudi-Arabien an, wichtige Exportrouten sind bedroht. Was das für den Ölpreis, Benzin, Diesel und Heizöl bedeutet.
Die Ölpreise ziehen nach neuen Angriffen der Huthi im Nahen Osten wieder an. Experten halten Dieselpreise von 3 Euro und Benzin für 2,50 Euro je Liter für möglich.
Die „Bild“ berichtet unter Berufung auf ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski, dass bei einem länger anhaltenden Ölpreis von mehr als 110 Dollar je Barrel Dieselpreise von bis zu 3 Euro und Benzinpreise von rund 2,50 Euro je Liter möglich seien.
Eine Tankfüllung mit 50 Litern Diesel würde dann 150 Euro kosten, 50 Liter Benzin 125 Euro. Zum Vergleich: Bei einem Preis von 2,40 Euro je Liter kostet dieselbe Diesel-Tankfüllung 120 Euro.
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Mein-Bericht@focus.de
Die Preise an deutschen Tankstellen sind schon jetzt stark gestiegen. Nach Angaben des Spritpreisportals Tankerkönig kostete Super E10 am Samstag bundesweit durchschnittlich 2,27 Euro je Liter. Diesel lag im Schnitt bei knapp 2,40 Euro. Regional und zu bestimmten Tageszeiten waren die Preise noch höher.
Am Montagmorgen zeigte sich bei Benzin zunächst eine leichte Entspannung: Super E10 kostete laut den vorliegenden Daten rund 2,26 Euro je Liter. Beim Diesel wurden am Wochenende teilweise Preise von bis zu 2,59 Euro gemeldet.
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Damit bewegen sich die Kraftstoffpreise bereits in der Nähe früherer Rekordstände. Ein weiterer Anstieg des Rohölpreises könnte den Druck auf die Tankstellenpreise erhöhen.
Der Preis für die europäische Referenzsorte Brent kletterte am Montagmorgen zeitweise auf mehr als 107 Dollar je Barrel. Inzwischen nähert er sich damit wieder der Marke von 110 Dollar.
Auslöser sind mehrere Entwicklungen, die den Öltransport erschweren könnten:
Die Ost-West-Pipeline ist eine wichtige Ausweichroute für Saudi-Arabien. Sie führt über rund 1200 Kilometer vom Persischen Golf zum Roten Meer und ermöglicht es, Öl unter Umgehung der Straße von Hormus zu transportieren. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur hatten sich die saudischen Ölexporte über diese Pipeline seit Beginn des Iran-Kriegs mehr als verdoppelt.
Die Kombination aus der eingeschränkten Straße von Hormus, der beschädigten Pipeline und der Bedrohung von Bab al-Mandab erhöht den Risikoaufschlag auf Öl und Gas.
Wie groß die Schäden an der Leitung sind und wann sie wieder vollständig in Betrieb gehen kann, ist derzeit unklar.
Nicht automatisch und nicht im gleichen Verhältnis. Ein steigender Rohölpreis erhöht zwar den Kostendruck bei Raffinerien und Tankstellen.
Für den tatsächlichen Benzin- und Dieselpreis spielen aber weitere Faktoren eine Rolle:
Vor allem Diesel steht unter Druck. Deutschland ist bei diesem Kraftstoff stärker auf Importe angewiesen als bei Benzin. Zudem ist fertiger Diesel auf dem Weltmarkt derzeit knapp. Das kann dazu führen, dass Dieselpreise stärker steigen als der reine Rohölpreis vermuten lässt.
Entscheidend ist deshalb, ob die Ölpreise nur kurzfristig ausschlagen oder über längere Zeit hoch bleiben. Eine Waffenruhe, sichere Seewege oder zusätzliche Lieferungen könnten den Preisdruck wieder verringern. Eine weitere Eskalation oder eine tatsächliche Behinderung der Öltransporte würde das Risiko steigender Preise dagegen erhöhen.
Entscheidend ist, ob der Ölpreis länger auf hohem Niveau bleibt. Steigendes Rohöl erhöht den Kostendruck bei Raffinerien und Tankstellen. Auch höhere Frachtraten können die Preise beeinflussen.
Die Preise an den Tankstellen sind bereits stark gestiegen. Zuletzt erreichte Super E10 einen neuen Rekordwert von 2,22 Euro je Liter. Seitdem zogen die Preise weiter an. Auch Diesel wurde teurer. Die Tagesschau berichtet am Samstagmittag aus dem Erzgebirge von Preisen zwischen 2,55 und 2,58 Euro je Liter.
Benzin und Diesel könnten weiter steigen
Ein anhaltend hoher Ölpreis kann Benzin und Diesel in Deutschland verteuern. Der Anstieg kommt allerdings nicht sofort und nicht eins zu eins an der Zapfsäule an. Neben dem Rohölpreis spielen auch der Dollarkurs, Steuern, Raffineriemargen und die Nachfrage eine Rolle.
Das bedeutet: Selbst wenn Brent um einen bestimmten Prozentsatz steigt, müssen die Spritpreise nicht im gleichen Verhältnis zulegen. Hält der Preisauftrieb jedoch an oder kommen zusätzliche Lieferprobleme hinzu, steigt das Risiko weiterer Erhöhungen.
Heizöl könnte vor der Heizsaison teurer werden
Auch für Haushalte, die mit Öl heizen, ist die Entwicklung relevant. Beim Heizöl ist der Zusammenhang mit dem Rohölpreis besonders direkt. Bleibt der Preisauftrieb bestehen, kann sich das Auffüllen des Tanks verteuern.
Wie stark die Kosten steigen, hängt unter anderem vom Zeitpunkt des Einkaufs und den regionalen Preisen ab. Wer seinen Tank bald füllen muss, könnte deshalb von einer anhaltenden Ölpreisrally stärker betroffen sein als Haushalte, die erst später Heizöl benötigen.
Erdgas und Waren könnten ebenfalls betroffen sein
Auch die europäischen Gaspreise haben sich zuletzt verteuert. Das erhöht das Risiko steigender Heizkosten. Eine höhere Gasrechnung folgt daraus allerdings nicht automatisch: Viele Versorger kaufen Gas langfristig oder in Tranchen ein. Entscheidend sind auch der jeweilige Vertrag, der Beschaffungszeitpunkt und die Netzentgelte.
Eine länger andauernde Störung der Schifffahrt könnte zudem Transportkosten und Lieferzeiten erhöhen. Das kann sich nicht nur auf Energie, sondern auch auf Waren auswirken – insbesondere bei Lieferketten, die auf den Seehandel durch das Rote Meer angewiesen sind.
Keine sichere Ölknappheit – aber höheres PreisrisikoExperten warnen trotz der angespannten Lage nicht automatisch vor einer unmittelbaren weltweiten Ölknappheit. Der Energieexperte Walter Boltz sagte dem österreichischen „Ö1-Mittagsjournal“, ein zumindest kurzfristiger deutlicher Ölpreisanstieg sei zu erwarten. Zugleich gebe es andere Förderregionen, die einen Teil möglicher Ausfälle kompensieren könnten.
Für die Märkte bleibt damit entscheidend, wie lange die Störungen andauern. Eine Waffenruhe, gesicherte Seewege oder zusätzliche Lieferungen könnten den Preisdruck wieder verringern. Eine weitere Eskalation im Jemen oder eine tatsächliche Behinderung der Öltransporte durch Bab al-Mandab würde dagegen die Sorge vor höheren Preisen verstärken.
Wer ohnehin tanken muss, kann mit dem Zeitpunkt und einem Preisvergleich zumindest einen Teil der Kosten beeinflussen.
Der ADAC rät, möglichst kurz vor 12 Uhr zu tanken. Hintergrund ist das sogenannte Rakete-Feder-Prinzip: Steigende Ölpreise werden häufig schnell an die Tankstellen weitergegeben, während sinkende Preise oft langsamer ankommen.
Auch ein Vergleich der Tankstellen kann sich lohnen. Nach den vorliegenden ADAC-Daten betrug der Tagesunterschied beim Diesel zuletzt 18,4 Cent je Liter. Bei einer 50-Liter-Tankfüllung entspricht das einem Unterschied von 9,20 Euro.
Weitere Möglichkeiten, die Tankkosten zu senken:
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Die hohen Kraftstoffpreise erhöhen auch den politischen Druck. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) fordert einen Spritpreisdeckel. Der Staat solle einen Höchstpreis festlegen, den Tankstellen nicht überschreiten dürfen.
Woidke argumentiert, die Mineralölkonzerne dürften nicht auf Kosten von Pendlern von den hohen Preisen profitieren. Als Vorbild nennt er unter anderem Nachbarländer wie Polen, Luxemburg, Belgien und Tschechien, in denen Kraftstoffpreise beziehungsweise Entlastungen staatlich beeinflusst werden.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt eine Deckelung bisher ab. Auch aus der Wirtschaft gibt es Kritik an staatlichen Eingriffen in die Preisbildung.
Die Vorsitzende des Sachverständigenrats, Monika Schnitzer, warnt ebenfalls davor, mit neuen staatlichen Hilfen auf die Eskalation am Golf zu reagieren. Die nachhaltigere Antwort sei mehr Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen, sagte sie dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Eine andere Möglichkeit wären Steuersenkungen. ING-Chefvolkswirt Brzeski verweist darauf, dass der Staat damit den Preisanstieg dämpfen könnte. Eine Neuauflage des früheren Tankrabatts ist bislang nicht geplant.
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Mit AFP und dpa.
„Immer mehr Einkommen geht für die Fahrt zur Arbeit drauf“