Goldman Sachs erwartet steigende Benzinpreise in Europa. Warum das Angebot knapper wird und wie Autofahrer beim Tanken sparen können.
Diesel war zuletzt das Sorgenkind an den Tankstellen. Doch Goldman Sachs sieht nun beim Benzin das größere Preisrisiko – und mehrere Faktoren sprechen dafür.
Nach Diesel rückt nun Benzin als nächster Preistreiber an den Tankstellen in den Fokus. Goldman Sachs richtet den Blick inzwischen weg vom extrem teuren Diesel und hin zum europäischen Benzinmarkt. Der Grund klingt paradox: Weil Raffinerien angesichts hoher Margen möglichst viel Diesel herstellen, produzieren sie weniger Benzin. Das knapper werdende Angebot trifft auf eine weiterhin robuste Nachfrage.
Was Autofahrer wissen müssen:
Goldman Sachs erwartet, dass sich das Angebot am Benzinmarkt deutlich verengt. Die Bank setzt deshalb auf steigende europäische Benzinpreise bis Mitte 2027. Einen konkreten Zielpreis für den Liter an der Tankstelle nennt sie allerdings nicht.
Wie angespannt der Markt ist, zeigen von Reuters ausgewertete Marktdaten: Anfang September lag die europäische Raffineriemarge für Eurobob-Benzin zeitweise bei gut 62 Dollar je Barrel über dem Brent-Preis – nur knapp unter dem Rekord aus dem Jahr 2022.
Gleichzeitig waren die Benzinbestände im wichtigen Handelszentrum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen auf den niedrigsten Stand seit 2021 gefallen.
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An deutschen Zapfsäulen ist die Entwicklung längst angekommen. Nach Angaben des ADAC kostete Super E10 am 17. September durchschnittlich 2,308 Euro je Liter – ein Rekordwert. Der Automobilclub hält das Preisniveau allein durch Ölpreis und Wechselkurs nur teilweise für erklärbar.
Entlastung ist deshalb keineswegs garantiert, selbst wenn Rohöl wieder günstiger wird. Morgan Stanley erwartete zuletzt Brent-Preise von durchschnittlich rund 100 Dollar je Barrel im vierten Quartal. HSBC kalkulierte für 2027 mit 85 Dollar, Goldman Sachs mit rund 80 Dollar.
Das klingt zunächst nach sinkendem Kostendruck. Doch für Autofahrer zählt eben nicht nur Rohöl.
Bleiben Raffineriekapazitäten knapp und Benzinlager leer, kann der Spritpreis hoch bleiben, obwohl Brent fällt. Genau dieses Auseinanderlaufen von Öl- und Produktpreisen macht den Benzinmarkt derzeit so schwer berechenbar.
Auch bei hohen Spritpreisen lässt sich mit dem richtigen Zeitpunkt und einem Vergleich einiges sparen.
1. Kurz vor Mittag tanken: Seit April 2026 dürfen Tankstellen ihre Preise in Deutschland nur noch einmal täglich erhöhen – um 12 Uhr. Nach einer ADAC-Auswertung ist der Zeitraum kurz vor Mittag derzeit besonders günstig.
2. Preise vergleichen und Autobahntankstellen meiden: Selbst wenige Kilometer Unterschied können sich lohnen. Laut ADAC sind Tankstellen direkt an Autobahnen häufig deutlich teurer. Preisvergleichs-Apps helfen dabei, günstigere Stationen in der Umgebung zu finden.
3. E10 statt E5 prüfen: Wer einen dafür freigegebenen Benziner fährt, kann mit Super E10 zusätzlich sparen. Nach Angaben des ADAC liegt der Preisvorteil gegenüber Super E5 derzeit häufig bei mehreren Cent je Liter; der Mehrverbrauch fällt vergleichsweise gering aus.