Führungskräfte in der LNG-Branche sind besorgt. Die Gastanks der EU sind historisch schwach gefüllt. Es gibt jedoch Lichtblicke.
Führungskräfte in der LNG-Branche sind besorgt. Die Gastanks der EU sind historisch schwach gefüllt. Es gibt jedoch Lichtblicke.
Auf der Gastech-Konferenz, die im September in Thailand stattfand, äußerten Führungskräfte der LNG-Branche große Besorgnis. Der Grundtenor unter den Experten: „Ich weiß nicht, wie Europa diesen Winter überstehen wird.“ Neu sind diese Sorgen nicht: In Deutschland warnen Ökonomen schon seit Monaten, dass die Gasspeicher nicht zum Stichtag 1. November ausreichend voll werden. Entlastung könnte ausgerechnet aus China kommen.
Was Sie dazu wissen müssen:
In den Augen der LNG-Experten liegen die europäischen Gasspeicherstände zu niedrig. Und auch Analysten der Citi-Bank finden, dass die Speicherstände „mehr als eine Standardabweichung unter dem historischen Durchschnitt“ liegen. Einer der wichtigsten Gründe dafür ist die Krise am Persischen Golf. Aus den Golfstaaten kommen üblicherweise gewaltige Mengen an Öl und Gas – so ist etwa das flächenmäßig kleine Katar ein wichtiger Lieferant für flüssiges Erdgas (LNG).
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Seitdem die Straße von Hormus blockiert ist, kann Katar allerdings einen Großteil seines Gases nicht mehr ausliefern. Ein Fünftel des globalen Bedarfs an LNG wird in normalen Zeiten von Katar gedeckt. Allerdings geben die Analysten auch an, dass sie optimistischer sind als viele der Branchenvertreter.
„Unser Gegenargument lautet, dass Europa seine Kapazitäten zur LNG-Regasifizierung seit 2022 um rund 70 Prozent ausgebaut hat und dass dies als Teil des Marktanpassungsmechanismus betrachtet werden muss“, zitiert das norwegische Portal „Finansavisen“ den Citi-Analysten Alastair Syme. Die Bundesnetzagentur gibt dazu an, dass Deutschland die Art seiner Gasimporte drastisch verändert hat.
Zum Beispiel kann die Bundesrepublik viel Gas über Pipelines im Norden importieren, etwa aus Norwegen. Darüber hinaus verfügt Deutschland über LNG-Terminals, die flüssiges Erdgas aus den USA und anderen Lieferländern annehmen. Durch den russischen Angriffskrieg haben sich die Gasflüsse verändert: Statt eines Ost-West-Flusses hat Deutschland auf einen West-Ost-Fluss umgestellt, sodass mehr Gas aus Frankreich und Belgien importiert werden kann.
Syme zufolge müssten europäische Käufer draufzahlen, um die asiatischen bei der Beschaffung von LNG-Lieferungen zu überbieten. Seit dem Beginn des Irankriegs hatten Schiffsverfolgungsdienste bereits beobachtet, dass LNG-Schiffe mit Kurs auf Europa mitten während der Fahrt nach Asien abgebogen sind, weil die dortigen Abnehmer sie auf dem Weg aufgekauft hatten.
Allerdings soll es Anzeichen geben, dass einige asiatische Länder auf LNG-Lieferungen verzichten – weil sie auf Kohle zurückgreifen können.
„Länder wie China und Japan haben mehr Kohle verfeuert und ihre überschüssigen LNG-Mengen auf dem Weltmarkt weiterverkauft“, gibt Syme an.
Schon früher im Sommer hatten internationale Medien vom asiatischen Schwenk hin zur Kohle berichtet. Dabei gilt es zu beachten, dass LNG nur einen geringen Teil in der globalen Energieversorgung ausmacht. In Deutschland zum Beispiel sind es bis zu 3,5 Prozent am Primärenergieverbrauch.
Trotz der wiederholten Entwarnungen von der Bundesnetzagentur wurde vor einigen Tagen bekannt, dass der Gaskonzern „Securing Energy for Europe GmbH“ sich einmischt und neues Gas nachkaufen will. Das passiert zu einem Zeitpunkt, zu dem Gas im Großhandel wesentlich teurer ist als noch vor einigen Monaten. Eine Anweisung an Sefe oder den Trading Hub Europe ist eine der letzten Maßnahmen, die die Regierung noch hat, um die Gasspeicher zu füllen. Sefe gab aber an, dass dies aus eigenen wirtschaftlichen Überlegungen heraus geschah, nicht auf Anweisung aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE).
Es wird einige Monate dauern, bis sich die höheren Großhandelspreise bei den Verbrauchern durchschlagen. Sobald es so weit ist, werden aber sowohl neue Gas- als auch Stromverträge spürbar teurer. Die Energieunternehmen raten daher dazu, etwas teurere Garantieverträge abzuschließen. Vorher ist aber immer ein ausführlicher Vergleich gefragt.
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