Europas Gasspeicher sind ungewöhnlich leer. Asien zieht LNG ab, der TTF-Gaspreis steigt. Für Verbraucher wächst das Kostenrisiko.
Europa kämpft um LNG-Lieferungen, während Asien höhere Preise bietet. Deutschlands Speicher sind nur halb gefüllt – und der Gaspreis hat sich seit Kriegsbeginn mehr als verdoppelt.
Europas Gasversorgung wird vor dem Winter wieder zum Kostenrisiko. Störungen der LNG-Lieferungen durch die Straße von Hormus treffen auf eine steigende Nachfrage aus Asien. Dadurch muss Europa stärker um Flüssigerdgas konkurrieren. Deutschland trifft diese Entwicklung mit ungewöhnlich niedrigen Speicherständen: Mitte August waren die Anlagen nur etwa zur Hälfte gefüllt.
Das Wichtigste zur europäischen LNG-Lage:
Nach Berechnungen des Energiemarktforschers Montel, über die „Euronews“ berichtet, erhielt Europa zwischen Mai und Juli durchschnittlich rund 105 LNG-Ladungen pro Monat. Um die europäischen Speicher bis Anfang November auf annähernd 80 Prozent zu bringen, wären etwa 130 Ladungen monatlich nötig gewesen.
Das Defizit lässt sich nur schwer aufholen, analysieren die Experten. Für August, September und Oktober wären laut Montel jeweils mehr als 140 LNG-Ladungen nötig, um europaweit noch rund 80 Prozent zu erreichen. Ohne steigende europäische Gaspreise oder eine Normalisierung der Transporte durch die Straße von Hormus hält Montel das für unwahrscheinlich.
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Gasmarktexperte Joachim Endress von Montel warnt deshalb:
„Die anhaltenden Störungen der LNG-Lieferungen durch die Straße von Hormus bedeuten, dass der Druck auf den europäischen Gasmarkt mit dem nahenden Winter weiter zunimmt.“
Eine Versorgungskrise folgt daraus allerdings nicht automatisch. Das Bundeswirtschaftsministerium verweist darauf, dass neben den Speichern auch laufende Pipeline- und LNG-Importe, verfügbare Infrastruktur sowie das europäische Gasnetz entscheidend sind. Auch die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgung derzeit nicht als akut gefährdet.
Gleichzeitig verändert sich der weltweite LNG-Handel. Laut „Euronews“ haben sich die US-Lieferungen nach China, Japan, Südkorea, Taiwan und Indien zwischen März und Juli verdreifacht.
Im Juli gingen erstmals mehr US-LNG-Ladungen in diese fünf Märkte als nach Europa. Der Grund ist wirtschaftlich: Bieten asiatische Käufer höhere Preise, folgen die Tanker den höheren Erlösen.
Genau das kann für Europa teuer werden. Die Gaspreise am niederländischen TTF-Handelsplatz lagen zuletzt bei rund 64 Euro je Megawattstunde. Vor Beginn des Iran-Kriegs waren es noch etwa 30 Euro – der Großhandelspreis hat sich damit mehr als verdoppelt.
Das Vergleichsportal Verivox warnt deshalb auch vor steigenden Endkundenpreisen. Bei dauerhaft hohen Großhandelspreisen könnten Bestandskunden perspektivisch zehn bis 20 Prozent mehr zahlen.
Damit liegt das größere Risiko derzeit weniger in einer unmittelbaren Gasknappheit als im Preis. Ein kalter Winter, neue Lieferausfälle oder zusätzliche Nachfrage aus Asien könnten den Wettbewerb um LNG weiter verschärfen – und Europas ohnehin kleineren Sicherheitspuffer verteuern.