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Erst Putin, jetzt Trump: Experten warnen vor Deutschlands neuer Gas-Abhängigkeit unter Trump - über 90 Prozent US-LNGG

Дата публикации: 05-09-2026 06:49:00

Deutschland bezieht immer mehr LNG aus den USA. Russland zeigt, welche Risiken eine neue Gas-Abhängigkeit birgt.

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Deutschland hat seine Abhängigkeit von russischem Gas teuer bezahlt. Nun wächst die Bedeutung von US-LNG – und damit ein neues politisches Risiko für Europas Energieversorgung.

Ausgerechnet unter Donald Trump wird damit eine alte Frage wieder aktuell: Wie gefährlich ist es, wenn ein zentraler Energielieferant zugleich politische Macht über Europa ausüben kann?

Beim Flüssigerdgas (LNG) zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Mehr als 90 Prozent der Mengen, die direkt an deutschen LNG-Terminals ankamen, stammten aus den USA. Gemessen an allen deutschen Gasimporten machte das 10,3 Prozent.

Damit ist die Bedeutung amerikanischen Gases aber nur teilweise erfasst. Denn Deutschland bezieht zusätzlich Gas über Belgien und die Niederlande. Dort wird ebenfalls LNG aus Übersee angelandet, regasifiziert und anschließend per Pipeline weitertransportiert.

Auf europäischer Ebene wird das Gewicht der USA noch deutlicher. Laut Eurostat lieferten die Vereinigten Staaten im ersten Quartal 2026 bereits 57,4 Prozent aller LNG-Importe der Europäischen Union. Fallen größere Mengen aus, muss Europa stärker mit Abnehmern in Asien um verfügbare Lieferungen konkurrieren – mit entsprechendem Druck auf die Preise.

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Russland zeigt, was Abhängigkeit kostet

Wie teuer eine einseitige Gasversorgung werden kann, hat Deutschland gerade erst erlebt. Vor Russlands Angriff auf die Ukraine kamen rund 55 Prozent des deutschen Erdgases noch aus Russland.

Die günstigen Pipelineverträge hatten Haushalten und besonders energieintensiven Industrien lange Vorteile gebracht. Gleichzeitig fehlten aber Alternativen, als Moskau die Lieferungen reduzierte und begann, den Hahn zuzudrehen.

Die Folgen trafen die gesamte Volkswirtschaft. Destatis zufolge stiegen die Verbraucherpreise 2022 um durchschnittlich 7,9 Prozent, die Preise für Erdgas für Haushalte sogar um 64,8 Prozent.

Der Internationale Währungsfonds errechnete, dass die Produktion energieintensiver Branchen zwischen Ende 2021 und Ende 2022 um fast 20 Prozent einbrach. Deutschlands Gasimportpreise lagen zeitweise fast zehnmal so hoch wie im Durchschnitt des Jahres 2021.

Auch der Staat musste einspringen. Der Bund rettete den Gasimporteur Uniper und übernahm schließlich 99 Prozent des Unternehmens. Für Preisbremsen und weitere Maßnahmen gegen die Energiekrise stellte der Wirtschaftsstabilisierungsfonds einen Kreditrahmen von 200 Milliarden Euro bereit.

Die Erfahrung mit Russland zeigt damit vor allem eines: Gefährlich wird eine Abhängigkeit, wenn ein einzelner Lieferant für die Versorgung oder die Preisbildung zu wichtig wird. Bei den USA stellt sich dieses Risiko heute aber anders dar.

Trump hat einen anderen Hebel als Putin

Amerikanisches LNG stammt von mehreren privaten Unternehmen und wird auf einem internationalen Markt gehandelt. Washington kann Europa deshalb nicht so direkt von Lieferungen abschneiden, wie Moskau es über Gazprom und die großen Pipelines konnte. Politischer Einfluss ist damit aber nicht ausgeschlossen – er funktioniert nur anders.

Wie eng Energie und Politik inzwischen miteinander verknüpft sind, zeigt das Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. Darin hat die EU angekündigt, bis 2028 amerikanische Energieprodukte im Wert von 750 Milliarden Dollar beziehen zu wollen.

Zwar betont die EU-Kommission, dass über die konkreten Käufe private Unternehmen entscheiden. Dennoch macht die Vereinbarung deutlich, welches politische Gewicht Energielieferungen unter Trump haben.

Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob Washington Lieferungen tatsächlich beschränken könnte. Ebenso wichtig ist die Frage, ob schon politische Signale oder Eingriffe in den Exportmarkt ausreichen würden, um Europas Gaspreise spürbar zu bewegen.

„Reicht, wenn Trump eine Andeutung macht“

Ein vollständiger Lieferstopp gilt zwar als wenig wahrscheinlich. Doch dafür müsste Washington nicht einmal tatsächlich weniger Gas liefern. Schon die Erwartung knapperer US-Exporte könnte die europäischen Preise nach oben treiben.

Der Politologe Andreas Goldthau von der Universität Erfurt warnt im „Handelsblatt“:

„Es reicht, wenn Trump eine Andeutung in Richtung Gas-Exportstopp macht, und der europäische Gaspreis steigt genug, dass es für Industrie und Verbraucher schmerzhaft wird.“

Damit unterscheidet sich die neue Abhängigkeit deutlich von der früheren gegenüber Russland: Der Hebel liegt weniger in einem zentral gesteuerten Gashahn als in der Reaktion eines globalen Marktes auf politische Signale.

Ein zweites Szenario könnte sich aus der amerikanischen Innenpolitik ergeben. Sollte Washington stärker versuchen, die Gaspreise für Haushalte und Unternehmen in den USA niedrig zu halten, könnten Beschränkungen für Exporte politisch attraktiver werden.

Raffaele Piria vom Ecologic Institut hält einen kompletten Lieferstopp zwar für ein „viel zu dramatisches Szenario“. Er verweist gegenüber dem „Handelsblatt“ aber auf andere Möglichkeiten:

„Es wäre ein Leichtes für die US-Regierung, einzelne Exporteure unter Druck zu setzen, ihre Lieferungen nach Europa zu drosseln und keine neuen Exportlizenzen zu vergeben.“

Für Deutschland könnte bereits eine begrenzte Verknappung teuer werden. Fehlende Mengen müssten auf dem Weltmarkt ersetzt werden, wo europäische Käufer insbesondere mit der asiatischen Nachfrage konkurrieren.

Deutsche Gasspeicher erst zu 53 Prozent gefüllt

Hinzu kommt ein schwacher Puffer: Ende August sind Deutschlands Gasspeicher erst zu gut 53 Prozent gefüllt. Das Wirtschaftsministerium sieht derzeit keine akute Mangellage, doch ein kalter Winter oder neue Ausfälle könnten die Nachfrage nach LNG schnell erhöhen.

Die Lehre aus Russland lautet deshalb nicht, überhaupt keine Abhängigkeiten mehr zuzulassen. Das wäre bei Energieimporten unrealistisch.

Entscheidend ist, keinen einzelnen Lieferanten so wichtig werden zu lassen, dass politische Konflikte unmittelbar auf Preise, Industrie und Verbraucher durchschlagen.

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