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„Operation wirtschaftlicher Ausgestoßener“: USA wollen „jede wirtschaftliche Lebensader“ des Iran kappen – mit Folgen für die Welt

Дата публикации: 27-08-2026 05:15:00

Trump verschärft den Wirtschaftskrieg gegen Iran. Wie teuer wird er, wer hält länger durch – und warum drohen Deutschland höhere Energiepreise?

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Die USA wollen Irans letzte Geldadern kappen. Doch Teheran kann über Öl und Hormus zurückschlagen. Wer hält den Wirtschaftskrieg länger durch und was kostet er Deutschland?

Auf den Radarschirmen vor der iranischen Küste zeigt sich bereits, wie tief der Konflikt in den Welthandel eingreift. Nun hat Washington den angekündigten „economic D-Day“, so betitelte Bessent die Operation zuvor in einem Gastbeitrag in der Financial Times, tatsächlich gestartet. US-Finanzminister Scott Bessent verkündete am Montag in Washington die „Operation Economic Outcast“ – die „Operation wirtschaftlicher Ausgestoßener“.

Ihr Ziel formulierte er maximal: Die USA wollten „jede wirtschaftliche Lebensader“ des iranischen Regimes durchtrennen, bis Teheran allein dastehe.

Der große Schlag fiel zunächst allerdings kleiner aus als die martialische Ankündigung vermuten ließ. Washington verhängte Sanktionen gegen rund 60 Personen, Unternehmen und Schiffe und weitete die Möglichkeit für Sekundärsanktionen auf fünf Wirtschaftsbereiche aus.

Was die USA jetzt konkret planen:

  • Sekundärsanktionen ausweiten: Irans Handelspartner stärker unter Druck setzen.
  • Fünf Branchen ins Visier nehmen: Krypto, Technologie, Gold, Luftfahrt und Schifffahrt.
  • Dollarzugang kappen: Sanktionshelfer aus dem US-Finanzsystem ausschließen.
  • Rund 60 Ziele sanktionieren: Unternehmen, Personen und Schiffe treffen.
  • Drittstaaten Fristen setzen: Iran-Geschäfte beenden – oder US-Sanktionen riskieren.
Bessent kündigt „Operation Economic Outcast“ gegen Iran an

Staaten und Unternehmen, die weiter mit Iran Geschäfte machen, sollen Fristen zum Ausstieg erhalten und riskieren andernfalls den Ausschluss vom amerikanischen Finanzsystem. Welche Länder Washington konkret im Visier hat und wie lange diese Fristen laufen, ließ Bessent öffentlich offen.

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Der „economic D-Day“ ist damit vorerst weniger ein einmaliger Vernichtungsschlag als der Start eines länger angelegten wirtschaftlichen Belagerungsrings.

Ins Visier gerät demnach vor allem auch China. Die Chinesen kaufen mehr als 80 Prozent des iranischen Öls, das noch auf dem Seeweg exportiert wird. Will Washington Teherans wichtigste Devisenquelle wirklich kappen, muss es deshalb vor allem chinesische Raffinerien, Banken und Händler unter Druck setzen – und riskiert damit einen neuen Sanktionskonflikt mit Peking.

Mit der „Operation wirtschaftlicher Ausgestoßener“ beginnt nun eine neue Phase des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Militärisch besitzen die USA die größere Feuerkraft. Ökonomisch ist ihre Überlegenheit jedoch noch deutlicher.

Washington kann Irans letzte Geldadern angreifen

Das mächtigste Instrument der USA ist nicht eine weitere klassische Sanktion gegen eine iranische Firma. Es sind die Sekundärsanktionen. Washington kann ausländische Banken und Unternehmen faktisch vor die Wahl stellen: Iran oder das amerikanische Finanzsystem.

Betroffen sein könnten chinesische Raffinerien, Banken, Wechselstuben, Tanker, Versicherer, Häfen, Registerstaaten und Firmen, über die iranische Zahlungen oder Ölgeschäfte verschleiert werden. Hinzu kommen Kryptowährungen und Schattenbanken. Wer mit dem Iran handelt, könnte damit selbst den Zugang zu Dollarzahlungen oder amerikanischen Kapitalmärkten riskieren.

Das funktioniert, weil der US-Markt für fast jedes größere internationale Unternehmen wichtiger ist als der Iran. Die Schwachstelle der Strategie heißt allerdings China. Geht Washington gegen kleine chinesische Raffinerien vor, bleibt der Konflikt beherrschbar. Zielt es auf große Banken oder Staatskonzerne, droht aus dem Iran-Konflikt ein amerikanisch-chinesischer Wirtschaftskonflikt zu werden.

Für Teheran könnte der Schaden dennoch enorm sein. Irans Ölexporte nach China lagen 2025 noch bei durchschnittlich rund 1,4 Millionen Barrel täglich, im August waren es Reuters zufolge nur noch rund 534.000. China ist damit der mit Abstand wichtigste Abnehmer und nimmt nahezu das gesamte iranische Öl auf, das noch auf dem Seeweg exportiert wird.

Gleichzeitig prognostiziert der Internationale Währungsfonds für 2026 einen Wirtschaftseinbruch von 5,4 Prozent und eine Inflation von 68,9 Prozent. Weniger Öldevisen bedeuten weniger Geld für Importe, Subventionen, Militär und Wiederaufbau – und zusätzlichen Druck auf den Rial.

Für Amerika ist die Sanktion billig – der Ölkrieg aber nicht

Die finanziellen Sanktionen selbst sind für Washington vergleichsweise günstig. Teuer wird es dort, wo die USA ihr Vorhaben militärisch absichern müssen – etwa beim Schutz von Tankern und der Kontrolle der Schifffahrt rund um die Straße von Hormus.

Wie viel davon allein auf den Schutz der Schifffahrt und die Operationen rund um die Straße von Hormus entfällt, weist das Pentagon allerdings nicht gesondert aus. Klar ist: Die aufwendige militärische Absicherung der Schifffahrt rund um Hormus dürfte einen erheblichen Teil der laufenden Einsatzkosten verursachen.

Hinzu kommt ein zweiter Preis, den nicht das Pentagon zahlt, sondern die Bevölkerung: den für Energie. Brent-Öl kostet derzeit rund 93 Dollar je Barrel. Die amerikanische Energiebehörde EIA verwendet als Faustregel, dass ein Anstieg des Rohölpreises um zehn Dollar langfristig ungefähr 24 Cent je Gallone auf den Benzinpreis aufschlagen kann. Für Trump ist das politisch heikel – gerade vor den Kongresswahlen im November.

Irans Gegenwaffe ist der Ölpreis

Und der Iran kennt diese Schwachstelle. Mohsen Rezaei, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, droht laut Reuters: „Wenn der Wirtschaftskrieg andauert, wird kein einziger Tropfen Öl exportiert werden – weder durch die Straße von Hormus noch aus dem Persischen Golf.“ Damit versucht Teheran, aus einem amerikanisch-iranischen Konflikt ein Problem für jeden Energieimporteur auf der Welt zu machen.

Die Commonwealth Bank of Australia beschreibt das Dilemma so:

„Sollten die US-Maßnahmen wie beabsichtigt wirken, stellt Irans Fähigkeit, mit verstärkter Gewalt zu reagieren, ein wachsendes Risiko für die Energiemärkte dar.“

Je erfolgreicher Washington den Iran also wirtschaftlich stranguliert, desto größer kann für Teheran der Anreiz werden, Tanker, Häfen oder die Energieinfrastruktur seiner Nachbarn zu bedrohen.

Der Faktor Zeit arbeitet gegen beide Seiten

Ökonomisch können die USA diesen Kampf deutlich länger durchhalten. Ihre Volkswirtschaft ist um ein Vielfaches größer, die USA fördern selbst große Mengen Öl, und Sanktionen lassen sich theoretisch jahrelang aufrechterhalten.

Der Iran besitzt diesen Komfort nicht. Inflation, Währungsverfall, zerstörte Infrastruktur und wegbrechende Öleinnahmen treffen das Land gleichzeitig. Aber daraus folgt nicht zwangsläufig, dass das Regime schnell kollabiert.

Das Land lebt seit Jahrzehnten mit Sanktionen. Schattenhandel, Schmuggel, informelle Zahlungssysteme und staatliche Repression können das politische Überleben verlängern, selbst wenn der Lebensstandard der Bevölkerung stark fällt.

Umgekehrt arbeitet die Zeit aber auch gegen Washington. Rosemary Kelanic vom Forschungsinstitut Defense Priorities warnt gegenüber „The Hill“:

„Mit der Zeit werden die weltweiten Vorräte weiter aufgezehrt.“

Solange durch Hormus weniger Öl fließe als vor dem Krieg, werde der Puffer kleiner, „bevor die Preise nach oben springen“.

Der Unterschied ist deshalb entscheidend: Amerika kann den Wirtschaftskrieg ökonomisch wohl länger durchhalten. Iran setzt darauf, dass steigende Energiepreise und wachsender Druck auf die Verbündeten Washington früher politisch zum Einlenken zwingen.

Deutschland spürt den Iran-Krieg an der Tankstelle

Für Deutschland wirkt der Konflikt zunächst weniger bedrohlich, als es die Lage in Hormus vermuten lässt. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes kamen 2025 lediglich 6,1 Prozent der deutschen Rohölimporte aus dem Nahen Osten. Aus Iran selbst importierte Deutschland kein Rohöl. In der EU lag der Anteil des Nahen Ostens allerdings bereits bei 13 Prozent.

Doch diese Zahlen unterschätzen das Risiko. Denn Öl wird global gehandelt. Fällt saudisches, irakisches oder emiratisches Öl aus, steigt der Preis auch für norwegisches oder amerikanisches Rohöl. Besonders empfindlich ist Europa derzeit beim Diesel: Reuters berichtet, dass europäische Dieselpreise seit Kriegsbeginn um mehr als 70 Prozent gestiegen sind. Auch Flüssiggas hat sich verteuert, weil Lieferungen aus Katar gestört sind.

Für Deutschland bedeutet ein langer Wirtschaftskrieg daher höhere Kosten für Transport, Industrie und Heizung – und neuen Inflationsdruck. Er könnte zugleich Zinssenkungen erschweren und die ohnehin schwache Konjunktur weiter belasten.

Die „Operation wirtschaftlicher Ausgestoßener“ entscheidet deshalb nicht nur über den Iran. Washington besitzt den längeren finanziellen Atem. Teheran besitzt jedoch einen Hebel, mit dem es jeden weiteren Monat des Konflikts für den Rest der Welt teurer machen kann.

Wer diesen Abnutzungskrieg gewinnt, hängt am Ende weniger davon ab, wer zuerst kein Geld mehr hat – sondern davon, wessen politische Schmerzgrenze zuerst erreicht ist.

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