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Die Straße von Hormus soll irrelevant werden: Warum Trumps Plan gegen Irans wichtigsten Öl-Hebel an der Realität scheitern kann

Дата публикации: 22-08-2026 15:13:00

Die USA erklären Hormus für „irrelevant“. Ein Blick auf Pipelines, Ölströme und LNG zeigt, wie ambitioniert dieser Plan ist.

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US-Finanzminister Bessent erklärt die Straße von Hormus plötzlich für „irrelevant“. Dahinter steckt ein Strategiewechsel – doch die Pipeline-Pläne haben einen entscheidenden Haken.

„In den kommenden zwei Jahren wird die Meerenge irrelevant. Sie wird nur noch ein weiteres Gewässer sein.“

Bessent rechnet damit, dass künftig ein großer Teil der Energie, die heute noch durch Hormus transportiert wird, stattdessen über „unterirdische Pipelines“ fließt.

Die Bemerkung fällt ausgerechnet in eine Phase neuer Spannungen: Nach Angaben von Reuters bleibt der Schiffsverkehr stark eingeschränkt, während der Iran eine Wiederöffnung weiterhin an Zugeständnisse Washingtons knüpft. Der Ölpreis reagiert entsprechend nervös.

Das Wichtigste in Kürze:

  • USA sind selbst kaum von Hormus abhängig: Nur rund zwei Prozent ihres Ölverbrauchs kamen 2024 über die Meerenge.
  • Asien trägt das größere Risiko: 84 Prozent des durch Hormus transportierten Rohöls und Kondensats gingen 2024 nach Asien.
  • Saudi-Arabien und die Emirate können Öl teilweise über Pipelines umleiten. Genau darauf setzt Bessents Argument.
  • Beim Flüssigerdgas funktioniert eine Umleitung kaum: Rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels lief zuletzt durch Hormus, vor allem aus Katar.
Straße von Hormus: Washington verändert seine Iran-Strategie

Bemerkenswert ist also vor allem der neue Ton in Washington. Noch am 30. März sagte Bessent in einem Interview mit Fox News, die USA würden langfristig die Kontrolle über die Meerenge zurückgewinnen und die freie Schifffahrt gewährleisten – notfalls mit amerikanischen oder multinationalen Eskorten.

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Wenige Monate später klingt die Botschaft deutlich anders: Statt Hormus unbedingt kontrollieren zu müssen, soll die Meerenge langfristig an strategischer Bedeutung verlieren.

Der Zeitpunkt dieses Kurswechsels dürfte kaum Zufall sein. Der Iran versucht derzeit, die Sperrung von Hormus als Verhandlungshebel gegenüber Washington einzusetzen. Bessents demonstrative Gelassenheit lässt sich deshalb auch als Versuch verstehen, diesen Trumpf rhetorisch zu entwerten.

Die Botschaft an Teheran: Selbst wenn der Iran die Meerenge heute blockieren kann, soll dieses Druckmittel künftig immer weniger Wirkung entfalten.

USA selbst sind kaum abhängig von der Meerenge

Dass Washington eine solche Linie überhaupt vertreten kann, liegt auch an der veränderten amerikanischen Energieversorgung. Die USA decken einen großen Teil ihres Bedarfs aus eigener Förderung und aus dem Nachbarland Kanada. 2025 förderten die USA nach Angaben ihrer Energiebehörde EIA durchschnittlich 13,6 Millionen Barrel Rohöl pro Tag – mehr als jedes andere Land und so viel wie nie zuvor.

Auch bei den Importen dominiert inzwischen Nordamerika. Von den insgesamt rund 6,2 Millionen Barrel Rohöl, die die USA 2025 täglich aus dem Ausland bezogen, kamen 3,9 Millionen aus Kanada – knapp zwei Drittel. Aus den Golfstaaten waren es dagegen lediglich 490.000 Barrel pro Tag.

Beim Erdgas ist die Abhängigkeit vom Persischen Golf noch geringer. Die USA produzierten 2025 durchschnittlich rund 107,7 Milliarden Kubikfuß trockenes Erdgas pro Tag. Zugleich exportierten sie allein 15,1 Milliarden Kubikfuß LNG täglich. Damit gehören sie selbst zu den wichtigsten Versorgern des Weltmarkts. LNG aus Katar oder anderen Golfstaaten spielt für die direkte amerikanische Gasversorgung praktisch keine Rolle.

Entsprechend gering ist inzwischen die unmittelbare Bedeutung von Hormus für die amerikanische Ölversorgung. In der ersten Hälfte 2025 importierten die USA laut EIA nur rund 400.000 Barrel Rohöl und Kondensat pro Tag aus den Golfstaaten durch die Meerenge. Das entsprach sieben Prozent der entsprechenden US-Importe und rund zwei Prozent des amerikanischen Verbrauchs an flüssigen Erdölprodukten. Die Einfuhren aus der Region sind damit auf den niedrigsten Stand seit 40 Jahren gefallen.

Für Asien bleibt Hormus dagegen zentral

Für China, Indien, Japan und Südkorea sieht die Rechnung völlig anders aus. In der ersten Hälfte 2025 gingen 89 Prozent des durch Hormus transportierten Rohöls und Kondensats nach Asien. Allein die vier großen Abnehmer China, Indien, Japan und Südkorea standen zusammen für 74 Prozent dieser Transporte durch die Meerenge.

Das verändert auch die politische Risikoverteilung. Eine Blockade von Hormus wäre für die USA keineswegs folgenlos: Öl wird global gehandelt, steigende Preise treffen auch amerikanische Verbraucher und Unternehmen. Zudem gehören Japan und Südkorea zu den engsten Verbündeten Washingtons. Die unmittelbare Gefahr, physisch von wichtigen Energielieferungen abgeschnitten zu werden, liegt heute aber wesentlich stärker in Asien als in den USA.

Bessents Botschaft lässt sich vor diesem Hintergrund auch als Aufforderung zu einer neuen Lastenteilung lesen: Washington will offenbar nicht dauerhaft allein den militärischen Schutz einer Handelsroute garantieren, von der andere Volkswirtschaften deutlich stärker abhängig sind. Gleichzeitig soll dem Iran die Gewissheit genommen werden, mit Hormus dauerhaft über ein wirksames Druckmittel gegenüber den USA zu verfügen.

Die neue Strategie hat damit zwei Ebenen: Kurzfristig versucht Washington, Irans Hebel politisch zu entwerten. Langfristig sollen alternative Transportwege dafür sorgen, dass dieser Hebel auch wirtschaftlich tatsächlich schwächer wird.

Doch genau hier liegt der entscheidende Haken: Die Infrastruktur, die Hormus ersetzen könnte, reicht bislang bei Weitem nicht aus.

Pipelines helfen – ersetzen Hormus aber nicht

Ganz unrealistisch ist Bessents Zwei-Jahres-Frist zumindest beim Öl nicht. Die Vereinigten Arabischen Emirate bauen bereits eine zweite Pipeline Richtung Fujairah, die ihre Exportkapazität an Hormus vorbei verdoppeln soll. Das Projekt wurde 2025 begonnen, war im Mai 2026 nach Angaben des staatlichen Ölkonzerns ADNOC zur Hälfte fertig und soll 2027 in Betrieb gehen. Wegen der Hormus-Krise wurde der Bau inzwischen beschleunigt.

Auch Saudi-Arabien prüft einen weiteren Ausbau. Nach Reuters-Informationen könnte die Kapazität der Ost-West-Verbindung zum Roten Meer um ein bis zwei Millionen Barrel pro Tag steigen. Das Projekt befindet sich allerdings noch in einem frühen Stadium. Gespräche mit Nachbarstaaten wie Kuwait laufen, und Branchenkreise rechnen für einen größeren Ausbau mit Kosten in Milliardenhöhe und einer Bauzeit von mehreren Jahren.

Damit wirkt Bessents Prognose, Hormus werde schon innerhalb von zwei Jahren weitgehend bedeutungslos, zumindest sehr ehrgeizig. Er spricht davon, künftig 50 bis 70 Prozent der heute durch die Meerenge transportierten Energie über Pipelines umzuleiten. Allein 2025 passierten jedoch knapp 20 Millionen Barrel Öl pro Tag Hormus. Die Internationale Energieagentur beziffert die derzeit verfügbare Umgehungskapazität lediglich auf etwa 3,5 bis 5,5 Millionen Barrel täglich. Neue Leitungen können diese Lücke verkleinern, aber wohl nicht innerhalb von zwei Jahren vollständig schließen.

Beim LNG ist Bessents Zeitplan noch schwerer vorstellbar. Für die mehr als 112 Milliarden Kubikmeter Flüssigerdgas, die 2025 vor allem aus Katar durch Hormus verschifft wurden, existiert nach Angaben der Internationalen Energieagentur bislang keine alternative Exportroute. Eine neue Gasleitung allein würde zudem nicht genügen: Außerhalb der Meerenge wären auch neue Verflüssigungsanlagen und Exportterminals

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