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Hormus ist dicht? Die Schattenlogistik der Golfstaaten bringt trotz US-Blockade und Drohungen aus Teheran weiter Öl auf den Weltmarkt

Дата публикации: 28-08-2026 08:27:00

Trotz Blockade fließt weiter Öl aus dem Golf. Der Iran und Nachbarstaaten setzen auf eine ausgeklügelte Schattenlogistik.

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Hormus ist dicht – fast. Der Iran steht unter US-Druck, und Teheran droht durchfahrenden Schiffen. Trotzdem fließt weiter Öl – dank einer ausgeklügelten Schattenlogistik. Und auch das Risiko lohnt sich noch.

Die Straße von Hormus ist nur noch ein Schatten ihrer früheren Bedeutung für den Ölhandel. Zwar stieg die Zahl der Durchfahrten laut aktuellen Daten von Kpler in der vergangenen Woche leicht um 2,5 Prozent auf 121. Doch die Zahl der Passagen beladener Schiffe brach zugleich um 27 Prozent ein, während die Durchfahrten sanktionierter Schiffe von neun auf 16 zunahmen. Der Gesamtverkehr täuscht damit über die Verschiebung hinweg: Der reguläre Handel verliert weiter an Bedeutung, während sanktionierte und schwerer nachvollziehbare Transporte zunehmen.

Zwischen iranischen Küstengewässern, omanischen Ankerplätzen und Häfen außerhalb der Meerenge hat sich eine Schattenlogistik etabliert: Tanker verschwinden von den Ortungssystemen, Ladungen wechseln auf offener See das Schiff, kleine Shuttle-Tanker übernehmen die gefährlichsten Etappen.

Unabhängige Analysten schätzen, dass trotz der Blockade noch rund drei bis fünf Millionen Barrel Öl pro Tag durch Hormus gelangen – deutlich weniger als die mehr als 20 Millionen Barrel vor dem Krieg, aber weit entfernt vom vollständigen Stillstand.

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Die „Schattenlogistik von Hormus“: ein loses System auf See

Was früher vor allem der Umgehung von Sanktionen diente, wird nun zum Modell für eine ganze Region, deren wichtigste Ölroute nur noch eingeschränkt funktioniert. So entsteht die Schattenlogistik von Hormus als loses Netzwerk auf See und alternativen Exportwegen.

Kleine oder mittelgroße Tanker übernehmen riskante Kurzstrecken, Ladungen wechseln vor Oman oder Fujairah an der Ostküste der Vereinigten Arabischen Emirate das Schiff.

Der Iran verbindet solche Methoden mit seiner seit Jahren erprobten eigenen Schattenflotte und versucht zugleich, selbst zu bestimmen, wer die Meerenge passieren darf. So bleibt die Meerenge trotz Blockade durchlässig – allerdings nur für jene Schiffe, die sich in diesem schwer durchschaubaren Konstrukt bewegen können.

Die Emirate teilen die gefährliche Strecke auf

Am weitesten perfektioniert haben diese Arbeitsteilung offenbar die Vereinigten Arabischen Emirate. Adnoc, der staatliche Ölkonzern des Landes, lässt Tanker im Persischen Golf laden und die riskante Passage durch Hormus teilweise ohne AIS-Signal, also ohne das automatische Ortungssystem, das Position und Kurs eines Schiffs übermittelt, zurücklegen.

Außerhalb der Meerenge wird das Rohöl dann per Schiff-zu-Schiff-Transfer auf andere Schiffe umgepumpt, die den langen Weg etwa nach Asien übernehmen. Bloomberg zufolge bietet Adnoc dieses Modell inzwischen sogar für irakisches Rohöl aus Basra an.

Das Prinzip verteilt das Risiko. Ein großer Tanker muss nicht mehr vom irakischen oder emiratischen Terminal bis China durchfahren. Stattdessen wird die gefährlichste Passage zu einer Art Shuttle-Strecke.

Chinesische Staatsreedereien wie Cosco und die Tankerreederei China Merchants Energy Shipping meiden Hormus inzwischen selbst und übernehmen Öl bevorzugt außerhalb des Golfs, etwa nach Umladungen vor Fujairah oder omanischen Häfen.

Saudi-Arabien improvisiert

Auch Saudi-Arabien improvisiert. Mitte August beluden drei Supertanker jeweils rund zwei Millionen Barrel in Ras Tanura und Juaymah, zwei wichtige saudische Ölterminals am Persischen Golf. Aramco, der staatliche Ölkonzern Saudi-Arabiens, bietet zugleich Ladungen zur Übernahme vor Fujairah oder Sohar, eine omanische Hafenstadt am Golf von Oman, an.

Auf der anderen Seite der Arabischen Halbinsel läuft eine zweite Umgehung: Öl aus Yanbu, eine saudische Hafenstadt am Roten Meer, wird mit Shuttle-Tankern nach Ain Sukhna in Ägypten gebracht, dort entladen und über das ägyptische SUMED-System, eine Pipelineverbindung vom Roten Meer zum Mittelmeer, transportiert. Damit lässt sich auch der von den Huthi bedrohte Bab al-Mandab, die Meerenge zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden, umgehen.

Iran lässt Schiffe verschwinden – und Öl seine Herkunft wechseln

Irans Modell geht noch weiter. Kpler registrierte schon zwischen März und Mai fast 94 Prozent der Hormus-Passagen außerhalb der von der IMO, der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation der Vereinten Nationen, vorgesehenen Fahrspuren.

Rund 41 Prozent entfielen auf „dunkle“ oder nicht eindeutig rekonstruierbare Routen. Dabei fahren sanktionierte Tanker, iranische Schiffe und reguläre Handelsschiffe zunehmend durch dieselben Korridore.

Iran-Spezialist Farzin Nadimi und die Schifffahrtsexpertin Noam Raydan vom Washington Institute sehen dahinter eine Strategie. Teheran schaffe eine neue Navigationsordnung: Unsicherheit über Minen und Angriffe mache die Route auf omanischer Seite gefährlich, während Iran Schiffe in von ihm kontrollierte Fahrwasser lenke und Genehmigungen, Kontrollen und Gebühren durchsetzen wolle.

Es geht damit nicht nur darum, Öl hinauszubringen. Iran versucht zugleich, aus Hormus dauerhaft politischen Einfluss zu gewinnen.

Irans Exporte: seit Jahren erprobte Sanktionslogistik

Für die eigenen Exporte kommt die seit Jahren erprobte Sanktionslogistik hinzu. Iranisches Öl wird auf dem Weg nach China umgeladen, seine Herkunft verschleiert und laut Reuters häufig als malaysisches oder zuletzt auch indonesisches Rohöl deklariert.

Abgerechnet wird vielfach in Yuan über schwer durchschaubare Handelsketten. Dennoch wirkt die US-Blockade: Kpler schätzt Chinas iranische Ölimporte im August bislang auf 534.000 Barrel täglich, nach 823.000 im Juli.

Jask ist Irans wichtigste Landroute um Hormus

Der strategisch interessanteste Ausweg führt jedoch tatsächlich über Land. Die rund 1000 Kilometer lange Goreh-Jask-Pipeline transportiert Rohöl aus der Provinz Buschehr quer durch Südiran nach Jask am Golf von Oman. Dort liegt der Exportpunkt bereits östlich der Straße von Hormus. Satellitenbilder, die S&P Global ausgewertet hat, zeigen zwischen März und Juli mindestens sechs Tanker am dortigen Verladepunkt.

Die Anlage ist auf deutlich größere Mengen ausgelegt als derzeit verschifft werden. Die Pipeline wurde für bis zu eine Million Barrel täglich konzipiert, doch Terminal, Pumpstationen und Logistik erreichen diese Größenordnung bislang nicht dauerhaft.

Energieberater Iman Nasseri von FGE NexantECA sieht darin genau den strategischen Zweck der Anlage. Das Jask-Terminal sei geschaffen worden, um Iran einen Exportweg jenseits von Hormus zu eröffnen. „Und jetzt nutzen sie ihn“, sagte Nasseri gegenüber S&P Global.

Die Landoption über den Irak

Daneben existiert eine weit weniger saubere Landoption über den Irak. Das US-Finanzministerium hat Netzwerke dokumentiert, die iranisches mit irakischem Öl mischen und anschließend mit gefälschten Herkunftspapieren vermarkten.

Eine Untersuchung des Combating Terrorism Center in West Point beschreibt auch kleine Mengen iranischen Öls, die per Tanklastwagen oder improvisierten Leitungen in den Irak gelangen. Für Millionen Barrel täglich taugt diese Route jedoch nicht. Einen funktionsfähigen iranischen Großexportkorridor bis zur türkischen Mittelmeerküste gibt es bislang nicht.

Zeitweise profitiert der Iran von Hormus-Blockade

Entscheidend ist deshalb nicht eine einzelne Ausweichroute, sondern das Zusammenspiel vieler verschiedener Transportwege und Umgehungsstrategien. Der Atlantic Council, ein US-Thinktank für Außen- und Sicherheitspolitik, weist darauf hin, dass iranische Schatten-Tanker zeitweise sogar von der Krise profitierten. Während regulären Schiffen das Risiko zu hoch wurde, konnten einzelne iranische Schiffe mit größerer Gewissheit passieren.

Warum sich der riskante Öltransport rechnet

Dass sich die riskanten Transporte durch Hormus für Rohölhändler dennoch rechnen können, erklärte TotalEnergies-Chef Patrick Pouyanné am Montag auf einer Energiekonferenz im norwegischen Stavanger. Sein Konzern gehöre derzeit zu den größten Händlern von Öl aus dem Irak und Katar.

„Ich kann Ihnen sagen, dass heute Rohöl sehr diskret, nicht öffentlich, durch die Straße von Hormus transportiert wird“, sagte Pouyanné laut Reuters.

Entscheidend sei der enorme Preisabschlag, den Produzenten inzwischen gewähren müssten:

„Rohöl wird für 50 oder 60 Dollar pro Barrel verkauft, nicht zum Brent-Preis, weil die Produzenten verzweifelt versuchen, ihr Öl auf den Markt zu bringen.“

Brent kostete zu diesem Zeitpunkt mehr als 90 Dollar je Barrel.

Dieser Abschlag ist nach Pouyannés Rechnung groß genug, um selbst die stark gestiegenen Transportkosten auszugleichen.

„Es kostet ungefähr 20 Millionen Dollar, einen VLCC (Anm. d. Red.: ein Großtanker, der rund zwei Millionen Barrel Rohöl aufnehmen kann) durch Hormus und zurück zu bewegen“, sagte er.

Auf die gesamte Ladung verteilt, entstehen damit zusätzliche Kosten von etwa zehn Dollar je Barrel. Kauft ein Händler das Rohöl beispielsweise für 60 Dollar und zahlt weitere zehn Dollar für den riskanten Transport, kann das Geschäft bei einem Brent-Preis von mehr als 90 Dollar weiterhin attraktiv sein.

Das erklärt, warum trotz der stark eingeschränkten Passage noch einzelne Rohölladungen durch Hormus gelangen – und warum sich dafür weiterhin Reeder finden.

Bei Benzin, Diesel und anderen raffinierten Ölprodukten funktioniert diese Rechnung dagegen kaum. Sie werden meist mit kleineren Tankern transportiert, sodass sich die hohen Kosten der Passage auf weniger Barrel verteilen. Pouyanné bezifferte den zusätzlichen Transportaufschlag hier auf rund 50 Dollar je Barrel.

„Deshalb verlässt kein einziger Tanker mit Produkten Hormus“, sagte er laut Reuters.

Pouyannés Rechnung zeigt damit auch, warum sich die Krise bei Rohöl und Ölprodukten unterschiedlich auswirkt: Einzelne Rohölladungen können die Meerenge trotz hoher Risiken noch profitabel passieren. Bei Diesel oder Benzin werden die zusätzlichen Transportkosten dagegen schnell zu hoch.

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