Die USA haben so viel Öl aus der nationalen Reserve gezogen wie kaum ein anderes Land. Üblicherweise lagern viele Milliarden Barrel an Öl in Salzkavernen. Genau das wird gerade zum Problem.
Die USA haben so viel Öl aus der nationalen Reserve gezogen wie kaum ein anderes Land. Üblicherweise lagern viele Milliarden Barrel an Öl in Salzkavernen. Genau das wird gerade zum Problem.
Wegen der Hormus-Krise ziehen die USA Rekordmengen an Öl aus der wichtigen nationalen Reserve. Mittlerweile soll sich die eingelagerte Menge nur noch auf 289,7 Millionen Barrel belaufen – der niedrigste Füllstand seit November 1982. Das klingt nach einer größeren Menge, aber wegen einer physikalischen Besonderheit der Lager ist diese Ölmenge schon jetzt ein Problem.
Die Erdölreserve der USA im Überblick:
Die Strategic Petroleum Reserve (SPR), die eiserne Ölreserve der USA, liegt in rund 60 unterirdischen Salzkavernen, aufgeteilt auf vier Standorte in Texas und Louisiana. Insgesamt dürften die USA 714 Millionen Barrel einlagern – so viel ist genehmigt. Die künstlich vergrößerten Hohlräume sind in der Mehrheit riesengroß, können bis zu 90 Meter breit und 600 Meter hoch sein. Eine dieser länglichen Höhlen hätte genug Platz, um das Empire State Building darin unterzubringen.
Das Problem dabei: Für gewöhnlich sorgt das eingelagerte Öl selbst dafür, dass die Kavernen überhaupt halten. Wenn die USA das Öl ablassen, ohne Ersatz einzuführen, würde der geologische Druck des darüberliegenden Erdreichs die Salzhöhlen einstürzen lassen. Das Gesamtvolumen an Flüssigkeit muss durchgehend bei eben den 714 Millionen Barrel bleiben.
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Neben den 293 Millionen Barrel Öl befinden sich viele Millionen Barrel Salzsole in den Höhlen, die dazu dient, das Öl herauszudrücken. Ein Betrieb unterhalb der Schwelle von 300 Millionen Barrel führt in „unbekanntes und gefährliches Terrain“, warnt das Nachrichtenportal „Fortune“.
Die SPR ist nach Angaben des U.S. Energieministeriums die größte nationale Notfallreserve an Rohöl der Welt. Sie wurde eingerichtet, um die Effekte von Versorgungsengpässen bei Erdölprodukten abzumildern. So soll der Staat in der Lage sein, seine Verpflichtungen der im Rahmen des internationalen Energieprogramms zu erfüllen. Die SPR wirke als „Abschreckungsmittel gegen Lieferstopps“ bei Ölimporten und dient als „wichtiges außenpolitisches Instrument“.
Im März 2026 hatten die USA gemeinsam mit anderen Ländern beschlossen, insgesamt 400 Millionen Barrel Öl aus ihren Reserven freizugeben. Das sollte den durch die Hormus-Krise entstandenen Druck vom Ölmarkt nehmen. Notwendig war das, weil durch die Blockade an der Straße von Hormus wichtige Öl- und Gasexporte nicht mehr aus dem Persischen Golf herauskamen. Diese Blockade hatte sich zwar Ende Juni kurzzeitig gelockert, aber das hielt nicht lange an. Ende August passieren nach wie vor nur wenige Schiffe die Straße von Hormus.
Die USA haben in der Hormus-Krise viel Öl an Länder verkauft, die sonst keines mehr bekommen hätten. Dadurch haben sie allerdings große Teile ihrer Reserve aufgezehrt; vor einigen Wochen kursierten bereits Berichte, dass Washington an eine spezielle Grenze gestoßen ist. Das wichtige Öl-Handelshub in der US-Stadt Cushing arbeite knapp über dem operativen Limit, das notwendig ist, um die Pipelines überhaupt betreiben zu können.
Hier liegt das Limit nicht bei 300 Millionen Barrel, sondern 20 Millionen. „Wenn die Lagerbestände in Cushing unter 20 Millionen Barrel fallen, sind sie faktisch leer; man kratzt dann nur noch den Bodensatz aus – ein weitgehend unbrauchbarer Schlamm“, berichtet „CNN“. Wenn Cushing leerläuft, würden „seltsame Dinge“ am Ölmarkt geschehen.
Die Energy Information Agency (EIA) gibt dazu an, dass eine Lagereinrichtung in einem solchen Fall nicht mehr in der Lage sein könnte, ihre Produkte auszuliefern, obwohl die Tanks faktisch nicht ganz leer sind.
Für Deutschland spielt das eine wichtige Rolle, weil wichtige Öl-Importe aus den USA kommen. Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) haben die USA im Jahr 2025 16,4 Prozent aller deutschen Rohöl-Importe gestellt. Nur Norwegen hat mit 16,6 Prozent mehr beigetragen.
Wenn die Reserven der USA also derart schrumpfen, dass die Pipelines nicht mehr laufen, betrifft das auch Deutschland – ganz zu schweigen von den vielen anderen Handelspartnern.