Die Ukraine greift weiter russische Infrastruktur an. Jetzt trifft es zwei weitere Raffinerien. Damit trifft die Ukraine nicht nur Russland.
Die Ukraine greift weiter russische Infrastruktur an. Jetzt trifft es zwei weitere Raffinerien. Damit trifft die Ukraine nicht nur Russland.
Zwei weitere Ölraffinerien, die dem russischen Ölriesen Rosneft gehören, mussten wegen ukrainischer Drohnenangriffe die Verarbeitung einstellen. Ein Werk in der russischen Stadt Saratow musste am 11. September den Betrieb einstellen, die zweite Raffinerie (gelegen in Sysran) folgte am Dienstag darauf. Das berichtete „Reuters“ und berief sich auf Brancheninsider. Das hat auch Folgen für Deutschland.
Das Wichtigste in Kürze:
Beide Raffinerien waren bereits mehrfach das Ziel solcher Angriffe, nachdem Russland 2022 in größere Teile der Ukraine einmarschiert war. In der Raffinerie in Sysran gab es demzufolge größere Schäden an der Hauptanlage zur Rohöldestillation. Allein die Reparaturen dafür sollen mindestens einen Monat lang dauern.
Die Saratow-Raffinerie hatte gerade erst umfangreiche Reparaturen beendet und stand nach einem vorherigen Angriff nur kurz vor der Wiederaufnahme ihres Betriebs. Mehrere Wochen lang war sie stillgelegt. Jetzt muss Kreml-Chef weiter auf ihre Ölprodukte verzichten.
Zusammen haben beide Raffinerien eine Verarbeitungskapazität von 290.000 Barrel Öl pro Tag. Ein Barrel entspricht 159 Litern. Verglichen mit der Gesamtkapazität mag das nicht viel ins Gewicht fallen: Ende 2025 hatte Russland auf dem Papier eine Raffineriekapazität für Öl über 6,6 Millionen Barrel pro Tag. Allerdings nutzt das Land diese Kapazität nur selten voll aus.
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Außerdem sind viele Raffinerien unter Beschuss, nicht nur die zwei in Sysran und Saratow. Laut dem Thinktank Carnegie Politika war Russlands täglicher Output an verarbeitetem Öl von März 2026 bis Mai von circa 5,2 Millionen Barrel pro Tag auf 4,5 Millionen Barrel gefallen. Jeder Verlust an Raffineriekapazität heißt auf dem Papier auch finanzielle Einbußen für Russlands Wirtschaft.
Die Ukraine macht sich das zunutze und fährt nach wie vor ihre Drohnenkampagne gegen eine Vielzahl russischer Infrastrukturanlagen. Pipelines, Raffinerien, Pumpstationen – das Ziel dahinter ist es, die Einnahmen des Kremls zu beschneiden. Üblicherweise macht Russland hier das meiste Geld.
Im Zuge dieser ukrainischen Angriffe hat Kreml-Chef Wladimir Putin schon zu Maßnahmen gegriffen, die noch vor einigen Jahren undenkbar wirkten: Russland musste seine Exporte zurückfahren und im August sogar Treibstoff zurückkaufen, den es vorher exportiert hatte. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Russland seine Exportbeschränkungen für Diesel, die eigentlich Ende September auslaufen sollten, auch den Oktober über aufrechterhalten will. Das umfasst neben Diesel auch Flugzeugtreibstoff und Benzin.
So berichtete es die russische Zeitung „Vedomosti“ nach einem Treffen unter dem Vorsitz von Vizepremierminister Alexander Novak. Eine offizielle Bekanntmachung vonseiten der Regierung dazu gibt es aber noch nicht.
Problematisch daran: Russland war auch nach 2022 noch ein wichtiger Lieferant für Industrienationen wie China oder Indien. Sobald diese Ölmengen fehlen, müssen sich Käuferländer überlegen, woher sie das Öl stattdessen beziehen – und kaufen möglicherweise verstärkt von Lieferanten, die für Deutschland und die EU wichtig sind.
Weniger Öl auf dem Weltmarkt bei gleichbleibendem oder wachsendem Bedarf bedeutet zwangsläufig teureres Öl für den Rest der Käufer. Vor allem, weil die Krise in Russland von einer zweiten globalen Krise verstärkt wird: der Blockade am Persischen Golf. Diese entzieht dem Markt zusätzlich große Mengen Gas und Öl.
In Deutschland macht sich diese Krisenmischung durch Rekord-Treibstoffpreise bemerkbar. Der Liter Diesel kostete am Donnerstag im bundesweiten Schnitt 2,471 Euro und übertraf den bisherigen Rekord – so zeigten es Zahlen des ADAC. Verschiedene Medien berichteten von einer Tankstelle, die den Liter Diesel für um die drei Euro anbot.
Neuverträge für Gas und Strom werden ebenfalls teurer. Gas zieht den Strom dabei mit, weil Gaskraftwerke oftmals ausschlaggebend für die Preisgestaltung beim Strom sind.
Verbraucher haben bei all diesen Teuerungen gewisse Hebel, um Geld zu sparen. Beim Tanken zum Beispiel ist der Zeitpunkt der nächsten Tankladung ein entscheidender Faktor – Tankstellen dürfen nach wie vor nur einmal am Tag die Preise heben, und zwar um zwölf Uhr.
Mit diesen fünf Tipps sparen Sie jetzt an der Zapfsäule.
1. Vormittags tanken. Idealerweise zwischen 10 und 11 Uhr. Der günstigste Zeitpunkt ist direkt vor der 12-Uhr-Erhöhung. Die Preise sind dann am niedrigsten, weil sie seit dem Vorabend nur noch gefallen sein können.
2. Abends ab 20 Uhr als Alternative. Wer nicht bis zum nächsten Tag warten will, kann stattdessen ab 20 Uhr tanken. Die Ersparnis gegenüber dem Mittagspreis beträgt dann durchschnittlich 4,8 Cent pro Liter.
3. Preisvergleich nutzen. Da alle Tankstellen gleichzeitig um 12 Uhr erhöhen, aber unterschiedlich schnell danach senken, gibt es nachmittags größere Preisunterschiede als früher.
4. Nicht in Panik geraten. Der 12-Uhr-Sprung sieht dramatisch aus, ist aber kein Zeichen für eine Preisexplosion. Es ist die gebündelte Tageserhöhung, die früher über den ganzen Tag verteilt war.
5. Autobahntankstellen meiden. Der Autobahn-Aufschlag liegt im Schnitt bei 20 bis 30 Cent über dem Preis abseits der Autobahn. Bei 50 Litern sind das 10 bis 15 Euro Unterschied.
Bei Gas und Strom ist etwas mehr Initiative gefragt – und zwar sollten Gas- und Stromkunden ihre Verträge prüfen und entscheiden, ob es sich lohnt, in einen Tarif mit Preisgarantie zu wechseln. Die kosten generell mehr als Grundtarife oder flexible, dafür aber verhindern Verbraucher so, dass internationale Krisen wie die russischen Treibstoff-Restriktionen ihren Vertrag plötzlich teurer machen. Sie sollten die aktuellen Angebote am Markt vergleichen und wechseln, wenn Sie so Geld sparen können.
Wie geht es weiter? Die ganze Krise könnte sich zusätzlich verschärfen, denn jetzt hat auch ein US-Senator Restriktionen von Diesel aus den Vereinigten Staaten ins Gespräch gebracht.
Das könnte zu einer zusätzlichen Verknappung von verfügbarem Material sorgen – obwohl die Preise auch so schon drastisch steigen. Umso gravierender wäre das, weil die USA im Zuge des Irankriegs in vielen Fällen als Öllieferant für Länder eingesprungen sind, die eigentlich Öl aus Russland oder vom Persischen Golf bezogen haben.
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