Armenien bezieht viel Gas aus Russland. Jetzt aber will das Land diversifizieren. Russland reagiert mit einem Lieferstopp.
Armenien bezieht viel Gas aus Russland. Jetzt aber will das Land diversifizieren. Russland reagiert mit einem Lieferstopp.
Gazprom Armenien hat die Lieferungen russischen Gases nach Armenien zwischen dem 15. September und dem 25. September ausgesetzt. Als Grund gab der lokale Ableger des russischen Megakonzerns Gazprom Reparaturarbeiten an einer Pipeline an. Nur kurz zuvor hatte Armenien angekündigt, seine Gaseinfuhren diversifizieren zu wollen. Der Fall erinnert an Nord Stream.
Das Wichtigste in Kürze:
Konkret hatte der armenische Premierminister Nikol Paschinjan am 11. September erklärt, dass Armenien seine Abhängigkeit von Russland in Sachen Erdgasimporte verringern wolle. Im Jahr 2025 betrug der russische Anteil an diesen Importen um die 82 Prozent, die Gesamtmenge belief sich auf um die 2,7 Milliarden Kubikmeter. „Oilprice.com“ berichtete, dass das auch an den aktuell steigenden Spannungen zwischen Armenien und Russland liegt. Jetzt sucht das kleinere Land nach alternativen Gasquellen.
Der schon erwähnte Lieferstopp folgte drei Tage nach Paschinjans Ankündigung. Gazprom Armenien begründete das mit „geplanten Wartungs- und Reparaturarbeiten in der Russischen Föderation“. Die Unterbrechung war angeblich nicht im Vorfeld angekündigt worden, aber Gazprom Armenien hatte versichert, dass die inländischen Reserven und „zusätzliche Gaslieferungen“ aus dem Iran einen Versorgungsengpass innerhalb Armeniens verhindern können. Im Vorjahr hatten ähnliche Reparaturen stattgefunden.
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Eine bilaterale Übereinkunft, nach der Armenien einen Preisabschlag auf russisches Gas erhält, soll Ende des Jahres auslaufen.
Noch an dem Tag, an dem Russland diese Unterbrechung angekündigt hatte, kursierten in Aserbaidschan Berichte, wonach größere Gasmengen aus Aserbaidschan an Armenien geliefert werden könnten. Allerdings befinden sich beide Länder gerade erst im Friedensprozess nach kriegerischen Auseinandersetzungen. Aserbaidschan fordert zum Beispiel, dass Armenien auf bestimmte territoriale Ansprüche verzichtet.
Darüber hinaus ist unklar, ob und in welchem Umfang Aserbaidschan nach Armenien liefern kann. Laut der Heinrich-Böll-Stiftung produzierte das Land im Jahr 2023 um die 49 Milliarden Kubikmeter Erdgas und 30,2 Millionen Tonnen Erdöl, bis 2027 sollen sich die Gaslieferungen nach Europa mehr als verdoppeln. Hier spielt die als „Southern Gas Corridor“ bekannte Pipeline-Kombination von Aserbaidschan über Georgien und die Türkei bis Griechenland eine wichtige Rolle.
Für die EU heißt das: Armenien tritt im Grunde mit einigen europäischen Ländern in Wettbewerb um aserbaidschanisches Gas. Auch Ungarn und die Slowakei haben sich schon an Aserbaidschan gewandt, weil die beiden Länder auch lange von Russland abhängig waren und im Zuge von EU-Sanktionen umschwenken müssen. Zur Erklärung: Bis Ende 2027 verbietet die Europäische Union stufenweise verschiedene russische Gasimporte, bis am Ende gar keine Gaseinfuhren aus Russland mehr erlaubt sind.
Weil Aserbaidschan wegen der internationalen Abkehr von Russland zunehmend als Gas-Hoffnungsträger behandelt wird, könnte der Bedarf am Ende größer sein als die Exportkapazitäten des Landes hergeben. Zumal der Eigenbedarf im Land auch noch steigt.
Deutschland selbst wäre nur indirekt betroffen. Die Bundesrepublik ist seit einigen Jahren deutlich umgeschwenkt und bezieht viel Gas aus Norwegen und den USA.
Der Fall Armenien erinnert an die Vorkommnisse um die Nord-Stream-1-Pipeline. In den Monaten vor ihrer Zerstörung hatte der Kreml die Lieferungen russischen Gases drastisch gedrosselt und das mit Reparaturarbeiten begründet. Später widersprachen sich die Aussagen aus Russland allerdings. Am 25. September wird sich zeigen, ob Russland diese Maßnahme gegen Armenien wie versprochen wieder zurücknimmt.