Der Kreml will das Russlandgeschäft von Nestlé enteignen. Es ist längst nicht die erste Enteignung gegenüber westlichen Unternehmen.
Der Kreml will das Russlandgeschäft von Nestlé enteignen. Es ist längst nicht die erste Enteignung gegenüber westlichen Unternehmen.
Am Freitag (18. September) teilte Nestlé mit, das Unternehmen wolle alle Optionen prüfen, um seine Rechte in Russland zu wahren. Die Meldung kam nach einem Beschluss aus dem Kreml, die Kontrolle über das Russlandgeschäft des Schweizer Lebensmittelherstellers zu ergreifen. Seit Russlands Versuch, 2022 die Ukraine zu übernehmen, hat die Regierung in Moskau wiederholt solche Schritte gegen westliche Unternehmen unternommen.
Das Wichtigste in Kürze:
Am Donnerstag (17. September) hatte Russland per Präsidialdekret verkündet, mehrere Russland-Sparten westlicher Unternehmen enteignen zu wollen. Nestlé war einer davon – und gab an, jetzt die Lage zu prüfen.
„Nestlé ist entschlossen, alle erforderlichen Schritte zu unternehmen, um seine Rechte zu wahren und die Kontinuität des Geschäftsbetriebs im Interesse aller Stakeholder – insbesondere der Mitarbeitenden – zu gewährleisten“, zitiert „Reuters“ aus einer Unternehmensmeldung.
Auf Anfrage von FOCUS wollte Nestlé keine Angaben dazu machen, welche Maßnahmen das sind. Allerdings gab ein Sprecher an, dass die Werke in Russland weiter produzieren.
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Für den europäischen Markt erwartet Nestlé keine Auswirkungen. Zuletzt hatte der Konzern 2021 Umsatzzahlen für den russischen Teil seiner Geschäfte veröffentlicht. Diese hatten damals zwei Prozent des Konzernumsatzes ausgemacht.
Während viele andere westliche Unternehmen sich aus Russland zurückgezogen hatten, blieb Nestlé trotz des Kriegs vor Ort. Das begründete der Konzern damit, dass er lebensnotwendige Waren bereitstelle, und man die sonst den russischen Bürgern vorenthalten würde. Allerdings hatte er auch angegeben, dass er Importe und Exporte aller nicht-essenziellen Waren nach Russland und aus Russland hinaus gestoppt habe.
Trotzdem hatte Nestlés Weiterarbeit in Russland heftige Kritik auf sich gezogen. Die Ukraine zum Beispiel hatte dem Lebensmittelkonzern vorgeworfen, den russischen Aggressor zu „füttern“.
Solche Enteignungen finden in Russland seit mehreren Jahren verstärkt statt. Ab Februar 2022 hatte der Kreml zum Beispiel Dutzende geliehener Flugzeuge zunächst enteignet, später jedoch versucht, sie rechtmäßig zu kaufen.
Mehr noch: Unternehmen, die Russland verlassen wollten, hatte der Kreml vor immer höhere Hürden gestellt. 2024 hatte Russland festgelegt, dass ausländische Unternehmen, die das Land verlassen, eine Zahlung in Höhe von bis zu 35 Prozent ihrer russischen Vermögenswerte an das Finanzministerium leisten mussten. Im Westen war diese Zahlung schnell als „Exit-Tax“ bekannt.
Nach der Kreml-Entscheidung hat die Nestlé-Aktie 1,88 Prozent eingebüßt und sank auf 76,86 Schweizer Franken (umgerechnet etwa 81,20 Euro). Bei einem vergleichbaren Fall, der den deutsch-japanischen Konzern DMG Mori betroffen hatte, waren am Ende vom Bund Kompensationszahlungen in Millionenhöhe geflossen.
Konkret hatte DMG Mori um die 102 Millionen Euro als Entschädigung dafür erhalten, dass Russland eine Produktionsstätte in Ulyanovsk enteignet hatte. Ob die Schweiz das in Nestlés Fall ähnlich macht, wird sich zeigen. Neben Nestlé traf die Kreml-Entscheidung auch die französische Supermarktkette Auchan.