Russlands Wirtschaft ächzt unter einem Milliarden-Defizit. Auf Länderebene fehlt das Geld ebenfalls. Putin will Schulden aufschieben und erlassen.
Russlands Wirtschaft leidet unter einem hohen Haushaltsdefizit. Auf Länderebene fehlt das Geld ebenfalls. Putin muss jetzt massenhaft Schulden erlassen.
Russlands Verschuldung im Überblick:
Putin sieht die Verantwortung für die finanzielle Stabilität der Regionen bei der Zentralregierung und beim Finanzministerium. Seine Anweisung kommt ausgerechnet in einer Zeit, in der der Kreml selbst mit einer gewaltigen Haushaltslücke kämpft. Die Föderale Schatzkammer gibt auf ihrer Website an, dass das konsolidierte Haushaltsdefizit Russlands im ersten Halbjahr 55,8 Milliarden Euro betragen hat. Allein für Juni soll das Defizit bei mehr als fünf Milliarden Euro liegen.
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Zwei Drittel dieser Verbindlichkeiten bestehen aus zinsgünstigen Darlehen der Zentralregierung. Der Rest ist mit deutlich höheren Zinssätzen verbunden, angeheizt von den noch immer sehr hohen Leitzinsen der Zentralbank. Moskau wählt zwei Optionen: Schulden erlassen und die Rückzahlung aufzuschieben.
Der Plan läuft bereits an. Seit Jahresbeginn hat die Regierung in Moskau Kredite im Wert von 5,3 Milliarden Euro erlassen, verteilt auf 76 Regionen.
„Im Grunde können die Regionen ihre Schulden nicht zurückzahlen, weshalb die Zentralregierung sie ihnen erlässt“, zitiert „Moscow Times“ den Ökonomen Wjatscheslaw Schirjajew. „Sie sind nicht in der Lage, ihren Verpflichtungen nachzukommen, und Moskau beschließt, auf das Geld zu verzichten.“
Schirjajew bezeichnet solche Schuldenerlasse als eine Form des versteckten Zahlungsausfalls.
Darüber hinaus hat der Kreml die Rückzahlung von rund einer Milliarde Euro von 2026 auf 2030 verschoben – und weitere Aufschübe dieser Art sind geplant. Ein Drittel der zwischen 2027 und 2029 fälligen Schuldenrückzahlungen wird stattdessen zwischen 2031 und 2033 fällig. Diese Verzögerungen sorgen dafür, dass die regionalen Behörden um die 3,1 Milliarden Euro mehr Spielraum haben.
Allerdings müssen sie diesen Spielraum entsprechend nutzen. Angesichts der massiven und 2026 sogar aufgestockten Ausgaben für die Kriegswirtschaft sieht es eher danach aus, als würden die russischen Regionen das Geld stattdessen in Munition, Panzer und die Auszahlung von Kriegsversehrten und Hinterbliebenen von Gefallenen stecken.
Laut Janis Kluge, Ökonom bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), sind die russischen Kriegsausgaben im ersten Quartal 2026 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um mehr als 30 Prozent auf 60,8 Milliarden Euro gestiegen. Und das, obwohl Russland eigentlich vorhatte, diese Ausgaben eher zu senken.
Zum Vergleich: Wegen neuer Ölsanktionen, dem starken Rubel und einer abkühlenden Wirtschaft lagen die Steuereinnahmen im selben Quartal bei 85,9 Milliarden Euro. Die Kriegswirtschaft frisst mehr als zwei Drittel von Russlands Haushaltseinnahmen auf. Kein Wunder, dass die lokalen Regierungen versuchen, das Geld zusammenzuhalten, wo sie nur können. Zum Beispiel wurden in mehreren Regionen die Schmerzensgelder, die Familien mit verwundeten oder getöteten Soldaten erhalten, drastisch heruntergeschraubt.
Vor genau diesen Geldproblemen warnen Ökonomen schon seit mehreren Jahren. Mehrfach hat Russland seine eiserne Reserve angezapft, um neues Geld zu bekommen. Die Regierung in Moskau streicht Investitionen, schraubt Subventionen zurück und fordert die Banken auf, billigere Kredite zu vergeben. Bislang testet Putin alle Sparmaßnahmen bis auf die eine, die tatsächlich nachhaltiges Wachstum versprechen könnte: den Krieg aufzugeben und die Milliarden wieder in andere Bereiche investieren.