Die US-Großbank JPMorgan kann den Ölpreis nicht mehr verlässlich prognostizieren. Sinkender Verbrauch und Lagerbestände federn die Lieferausfälle ab.
Die Ölpreise steigen – doch die US-Großbank JPMorgan kann den weiteren Verlauf nicht mehr verlässlich modellieren. Noch federn sinkender Verbrauch und Lagerbestände die Lieferausfälle ab.
Die US-Großbank JPMorgan hat ihr klares Basisszenario für die Ölmärkte aufgegeben.
„Wir wissen einfach nicht, wie wir den Ausgang modellieren sollen“, schreiben Analysten der Bank laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Analysten hatten zu Beginn des Konflikts angenommen, dass bestimmte wirtschaftliche Belastungsgrenzen die US-Regierung zu einer Kursänderung bewegen könnten. Inzwischen seien mehrere dieser Grenzen überschritten worden, ohne dass eine klare Ausstiegsstrategie erkennbar sei.
Demnach liegt der globale Ölverbrauch derzeit rund 4,4 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig sind die weltweiten Bestände an Rohöl und raffinierten Produkten seit Beginn des Konflikts um etwa 555 Millionen Barrel gesunken. Das entspricht laut JPMorgan nur rund einem Drittel des Lagerabbaus, den die Bank ursprünglich prognostiziert hatte.
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Der Markt hat den Angebotsausfall damit bislang stärker über einen geringeren Verbrauch als über einen massiven Abbau der Lagerbestände aufgefangen. Das hat den Preisanstieg gedämpft.
JPMorgan warnt jedoch, dass sich die Lage im weiteren Jahresverlauf verschärfen könnte. Sollten die Lieferunterbrechungen im Nahen Osten anhalten, könnten die noch verfügbaren Lagerbestände zunehmend in Anspruch genommen werden.
Als wichtige Puffer nennt die Bank unter anderem Bestände in China, Europa und Japan. Solange diese Reserven ausreichen, können sie einen Teil der Lieferausfälle abfedern. Mit zunehmender Dauer des Konflikts könnte dieser Puffer jedoch schrumpfen.
JPMorgan hat für September einen sogenannten fairen Wert von rund 90 Dollar je Barrel berechnet. Dabei handelt es sich um eine modellbasierte Bewertung, nicht um eine verbindliche Prognose. Der tatsächliche Marktpreis liegt höher, weil die Märkte zusätzlich eine Risikoprämie für mögliche weitere Lieferausfälle einpreisen. Unter den aktuellen Angebots- und Nachfragebedingungen wäre ein niedrigerer Preis aus Sicht des Modells plausibel – doch die Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Konflikts treibt die Notierungen nach oben.
Eine konkrete Prognose für den weiteren Verlauf gibt die Bank angesichts der geopolitischen Unsicherheit derzeit nicht ab.