Noch immer ist die Straße von Hormus blockiert. Die Zahl der Schiffe, die die Durchfahrt wagen, sinkt. Der Welthandel steht unter Druck.
Noch immer ist die Straße von Hormus blockiert. Die Zahl der Schiffe, die die Durchfahrt wagen, sinkt. Der Welthandel steht unter Druck.
Die Anzahl der Frachtschiffe, die die Straße von Hormus durchqueren konnten, ist am Mittwoch auf drei und damit auf einen mehrtägigen Tiefpunkt gefallen. Am Vortag haben noch zwölf Schiffe die Passage geschafft – der zehntägige Durchschnitt liegt bei 17 Schiffen. Das berichtet „Reuters“ und beruft sich auf vorläufige Schiffsverfolgungsdaten.
Das Wichtigste in Kürze:
Diese Daten lassen Schiffe, die ihr Schiffsortungssystem abschalten, außen vor. Im Zuge der seit mehreren Monaten anhaltenden Blockade ist diese Praxis bei Kapitänen beliebter geworden. Im Laufe der vergangenen Monate gingen immer wieder Berichte von Schiffen durch die Medien, die durch diesen Kniff die Straße von Hormus durchquert hatten und plötzlich irgendwo an einer ganz anderen Stelle außerhalb des Golfs auftauchten. So versuchen sie, die Angriffe des Irans zu umgehen.
„Reuters“ zufolge haben diesmal ein unbeladener Supramax-Frachter, ein Tanker für Erdölprodukte und ein Panamax-Tankschiff die Straße von Hormus durchquert. Kpler-Daten zeigen, dass der Öltanker und das Panamax-Schiff auf sogenannte „Dark Routes“ zurückgegriffen haben sollen. Sie haben ihre Schiffsortungssysteme zeitweise ausgeschaltet, konnten aber auf bestimmten Teilstrecken verfolgt werden.
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Vor der Blockade der Meerenge waren 60 Schiffe pro Tag die Norm gewesen.
Der Schiffsverkehr sei diese Woche wegen der Eskalation am Persischen Golf zurückgegangen. Unter anderem hatten aus dem Irak abgefeuerte Drohnen eine saudi-arabische Pipeline beschädigt und Saudi-Arabien hatte Ziele im Jemen bombardiert.
Gleichzeitig bauen die Huthi-Rebellen ihre Kontrolle über jemenitische Gebiete aus. Die Meerenge Bab al-Mandab hatte zumindest teilweise als Ersatz für die Straße von Hormus gedient, weil zum Beispiel Saudi-Arabien viel Öl per Pipeline ans Rote Meer und von dort aus per Schiff in Richtung Asien exportieren konnte. Seitdem diese Wasserstraße aber auch zunehmend blockiert ist, nimmt der Verkehr ab.
Die Zahl der Schiffe, die Bab al-Mandab durchquerten, sank von 24 am Dienstag auf 21. Die beiden Krisenherde setzen die Weltwirtschaft erheblich unter Druck.
„Sichere Seewege sind eine Grundlage unserer Versorgung“, erklärt der Verband deutscher Reeder (VDR). „Rund 90 Prozent des weltweiten Warenverkehrs werden über See transportiert, beim deutschen Außenhandel sind es rund 60 Prozent.“ Die Seefahrt könne zwar bei einem gestörten Seeweg noch Umgehungsrouten finden – „aber wenn immer mehr wichtige Routen gleichzeitig unsicher werden, werden diese Alternativen weniger, länger und teurer.“
Auf Deutschland wirken sich diese Krisen über deutlich steigende Energie- und Spritpreise aus. Mitte September haben deutsche Tankstellen Diesel-Rekorde gebrochen, vereinzelt wurden Literpreise von um die drei Euro gesichtet. Um diese Entwicklung umzukehren, reicht eine einfache Auflösung der Blockade längst nicht mehr aus. Es braucht auch danach noch Wochen, bis die Schiffe ihr geladenes Öl und Gas an ihr Ziel gebracht haben.