Benzin und Diesel bleiben teuer. Iran, China und Ukraine verschärfen den Ölmarkt – und an deutschen Tankstellen droht weiterer Preisdruck.
Fast 100 Dollar fürs Barrel, Rekordpreise an der Zapfsäule: Drei Krisen treffen gleichzeitig auf einen angespannten Ölmarkt. Für Autofahrer wächst das Risiko eines neuen Preisschubs.
In Deutschland zahlten Autofahrer zuletzt im Schnitt rund 2,18 Euro für Super E10 und 2,23 Euro für Diesel. Anfang September erreichte E10 laut ADAC mit 2,215 Euro sogar einen neuen nominalen Tagesrekord. Und es könnte noch teurer werden: Gleich mehrere Faktoren sprechen dafür.
Warum die Spritpreise weiter steigen könnten:
Der wichtigste Preistreiber bleibt der Krieg der USA mit Iran. Neue amerikanische Angriffe auf iranische Tanker und iranische Drohungen gegen die Schifffahrt haben die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus erneut erhöht.
Über die Meerenge laufen in normalen Zeiten große Teile der Ölexporte aus Saudi-Arabien, Irak, Kuwait und anderen Golfstaaten. Aktuell ist der Schiffsverkehr massiv eingeschränkt.
Nach vorläufigen Daten des Analysehauses Kpler passierten am Dienstag nur sechs Frachtschiffe die Straße von Hormus – halb so viele wie im Durchschnitt der vergangenen zehn Tage. Am Samstag waren es sogar nur zwei.
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Bereits im Juli hatte Kpler einen Einbruch der täglichen Durchfahrten um rund 70 Prozent gegenüber der vorherigen Waffenruhe registriert. Hinzu kommt ein Problem für den Ölmarkt: Viele Tanker schalten ihre Ortungssysteme zeitweise ab. Wie viel Öl die Meerenge tatsächlich passiert, lässt sich deshalb derzeit nur schwer bestimmen – und genau diese Unsicherheit treibt die Risikoprämie im Ölpreis zusätzlich nach oben.
Die Internationale Energieagentur hatte bereits im August festgestellt, dass die weltweite Ölförderung deutlich unter dem Vorjahresniveau lag. Allein im Golf waren demnach zeitweise mehr als acht Millionen Barrel Produktion pro Tag ausgefallen. Zwar können Produzenten teilweise auf alternative Pipelines und Häfen ausweichen. Ein vollständiger Ersatz für Hormus ist das jedoch nicht.
Der zweite Faktor ist komplizierter – und für den Ölmarkt besonders brisant. Denn Chinas Ölnachfrage wächst längst nicht mehr automatisch. Elektroautos ersetzen immer mehr Verbrenner, die schwache Konjunktur bremst den Güterverkehr und hohe Preise drücken zusätzlich auf den Verbrauch. Das Forschungsinstitut des staatlichen Ölkonzerns Sinopec erwartet für 2026 sogar einen Rückgang des chinesischen Ölverbrauchs um 8,9 Prozent.
Ausgerechnet diese Schwäche des weltgrößten Ölimporteurs hat bislang mit verhindert, dass die Preise trotz der Ausfälle im Nahen Osten noch stärker steigen. Doch dieser Puffer könnte jetzt immer kleiner werden.
Nach Daten des Analysehauses Kpler stiegen Chinas Rohölimporte auf dem Seeweg im August bereits wieder leicht auf 7,14 Millionen Barrel täglich, nach 6,93 Millionen im Juli. Und dieses Niveau liegt noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau.
In den drei Monaten vor dem Iran-Krieg importierte China auf dem Seeweg durchschnittlich 11,41 Millionen Barrel pro Tag. Reuters spricht deshalb sinngemäß von einer „Nachfrage-Opec“: Allein durch seine Kaufzurückhaltung kann Peking den Weltmarkt spürbar entlasten.
Möglich war das vor allem dank großer Vorräte. Kpler schätzt Chinas Rohölbestände auf rund 1,17 Milliarden Barrel. Raffinerien konnten deshalb ihre Lager anzapfen, statt zusätzliches Öl auf dem Weltmarkt zu kaufen. Doch dieser Puffer schrumpft nun, da der Krieg weiter anhält.
Zugleich erwartet Kpler eine höhere Raffinerieauslastung, während die Bestände bei Benzin und Diesel sinken. Hinzu kommt: Iranisches Öl ist für China schwerer verfügbar, weshalb das Land stärker bei anderen Lieferanten wie Russland einkauft. Damit steigt dort die Konkurrenz um verfügbare Mengen – und das kann die Preise zusätzlich nach oben treiben, insbesondere wenn auch Indien und andere große Abnehmer mehr russisches Öl benötigen.
Für den Weltmarkt liegt darin das Risiko: China braucht keinen neuen Ölboom, um die Preise nach oben zu treiben. Schon eine Rückkehr der Importe in Richtung des Vorkrisenniveaus würde zusätzliche Nachfrage auf einen ohnehin angespannten Markt bringen und den nächsten Preisschub auslösen – bis hin zu deutschen Tankstellen.
In diesen Krisencocktail mischt sich zudem der Ukraine-Krieg. Ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien haben Verarbeitungskapazitäten beschädigt und verschärfen damit die Knappheit vor allem bei Diesel und anderen Ölprodukten. Gleichzeitig fehlen wegen des Iran-Kriegs auch im Nahen Osten Raffineriekapazitäten.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur liegen die weltweiten Raffineriedurchläufe deutlich unter dem Vorjahresniveau. Das erklärt, warum besonders Diesel teuer bleiben kann, selbst wenn sich der Rohölpreis stabilisiert.
Reuters berichtete zuletzt von außergewöhnlich hohen Raffineriemargen für Diesel und Benzin in Europa. Zusätzlich verschärfen niedrige Lagerbestände und regional auch das Niedrigwasser am Rhein die Lage.
Für deutsche Autofahrer bedeutet das: Ein Rückgang des Ölpreises allein reicht derzeit nicht zwingend für eine schnelle Entlastung. Erst wenn sich Transportwege, Raffinerien und Produktmärkte gleichzeitig entspannen, dürfte auch die Zapfsäule dauerhaft reagieren.
Ganz machtlos sind Autofahrer den hohen Preisen allerdings nicht ausgeliefert. Besonders wichtig ist inzwischen die Uhrzeit: Seit 1. April 2026 dürfen Tankstellen ihre Kraftstoffpreise nur noch einmal täglich erhöhen – um 12 Uhr. Preissenkungen bleiben jederzeit möglich.
Nach einer Auswertung des ADAC von mehr als 14.000 Tankstellen ist deshalb kurz vor 12 Uhr der günstigste Zeitpunkt zum Tanken. Direkt nach Mittag verteuerte sich Super E10 im Untersuchungszeitraum durchschnittlich um 14,6 Cent je Liter, Diesel sogar um 18,4 Cent. Wer einen 50-Liter-Tank füllt, kann allein durch den richtigen Zeitpunkt mehrere Euro sparen.
Mindestens ebenso wichtig ist die Wahl der Tankstelle. Preisvergleichs-Apps zeigen oft innerhalb weniger Kilometer deutliche Unterschiede.
Besonders teuer ist Bequemlichkeit auf der Autobahn: Eine bundesweite ADAC-Auswertung ergab 2026, dass Super E10 und Diesel an Autobahntankstellen im Schnitt rund 33 Cent je Liter mehr kosteten als abseits der Autobahn. Bei 50 Litern sind das etwa 16,50 Euro Aufpreis.
Wer eine nahe gelegene Ausfahrt nutzt und vorher die Preise vergleicht, kann deshalb trotz hoher Ölpreise spürbar sparen. Bei Benzinern kommt ein weiterer Hebel hinzu: Ist das Auto für Super E10 freigegeben, ist der Kraftstoff laut ADAC im Schnitt rund sechs Cent je Liter günstiger als Super E5.
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„Warum kann man in Spanien oder Polen günstiger tanken?“
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