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Huthi sollen Hafenstadt Mokka im Jemen erobert haben – der Ölpreis steigt auf fast 110 US-Dollar.

Дата публикации: 12-09-2026 17:04:00

Die Huthi sollen Mokka nahe Bab al-Mandab erobert haben. Öl und Gas verteuern sich. Was der Konflikt für Sprit, Heizöl und Gas in Deutschland bedeutet.

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Die Huthi-Miliz kontrolliert offenbar die strategisch wichtige Hafenstadt Mokka im Jemen. Die Gefahr für eine weitere wichtige Schifffahrtsroute wächst. Öl und Gas verteuern sich bereits.

Die Huthi-Miliz soll nach Angaben aus jemenitischen Militärkreisen und Augenzeugenberichten die strategisch wichtige Hafenstadt Mokka an der Westküste des Jemens eingenommen haben. Mokka liegt unmittelbar nördlich der Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden und damit dem Indischen Ozean verbindet. Die Meerenge ist rund 70 Kilometer von der Hafenstadt entfernt.

Aus Huthi-nahen Kreisen hieß es zudem, die Miliz habe Gebiete in direkter Nähe zur Meerenge sowie die Inseln Hanisch und Zuqar erreicht. Die Angaben widersprechen sich allerdings: Aus Kreisen der international anerkannten jemenitischen Regierung wurde erklärt, sie seien weiterhin unter der Kontrolle verbündeter Widerstandskräfte. Die verbreiteten Aufnahmen aus Mokka konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Hanisch-Inseln und deren größte Insel Zuqar

Die strategisch wichtigen Hanisch-Inseln und deren größte Insel Zuqar im Norden der Inselgruppe gehören zu Jemen und liegen im Roten Meer nahe der Meerstraße Bab el-Mandeb. commons.wikimedia.org

Die bisher in Mokka stationierten, regierungstreuen Nationalen Widerstandskräfte zogen sich nach Angaben ihres Kommandeurs Tarek Saleh südlich der Stadt zurück.

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Karte des Huthi-Gebiets im Jemen und Mokka

Karte des Huthi-Gebiets im Jemen und Mokka dpa
Warum Bab al-Mandab für Öl und Gas wichtig ist

Die Bedeutung der Meerenge geht weit über den Jemen hinaus. Bab al-Mandab ist neben der Straße von Hormus ein wichtiges Nadelöhr des weltweiten Seehandels. Durch die Route verkehren unter anderem Tanker mit Rohöl und Flüssiggas sowie Containerschiffe.

Bab al-Mandab und die Straße von Hormus sind allerdings nicht zwei parallele Ausfahrten desselben Seewegs. Die Straße von Hormus liegt zwischen Iran und Oman und verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Bab al-Mandab liegt dagegen am südlichen Ende des Roten Meeres zwischen Jemen und dem Horn von Afrika.

Lage von Hormus, Bab al-Mandab und Mokka

Lage von Hormus und Bab al-Mandab: Die Hafenstadt Mokka liegt südlich von Bab el-Mandeb. U.S. Energy Information Administration (EIA)/ChatGPT

Seit der weitgehenden Einschränkung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus werden alternative Exportwege wichtiger. Saudi-Arabien kann beispielsweise Öl über Pipelines vom Persischen Golf zum Hafen Yanbu (Rotes Meer) transportieren. Von dort aus führen die Seewege unter anderem über Bab al-Mandab weiter in Richtung Asien. Wird, wie jetzt, aber auch Bab al-Mandab unsicher, geraten diese Ausweichmöglichkeiten selbst unter Druck.

Die Huthi hatten in der Vergangenheit wiederholt Schiffe im Roten Meer angegriffen, teilweise versenkt oder gekapert. Die Kontrolle über weitere Küstenabschnitte könnte es ihnen erleichtern, den Schiffsverkehr zu bedrohen oder zu stören.

Ölpreise steigen deutlich: 110 Dollar für ein Barrel Brent

An den Energiemärkten sind die Folgen der aktuellen Entwicklungen bereits zu spüren. Die Ölpreise stiegen in der Nacht zum Freitag deutlich. Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent mit Lieferung im November erreichte zeitweise fast 110 US-Dollar.

Im frühen Handel beruhigte sich die Entwicklung zunächst etwas. Zuletzt kostete ein Barrel Brent 107,40 Dollar und damit weniger als am Vorabend. Seit Jahresbeginn liegt Brent damit laut den Agenturangaben fast 80 Prozent im Plus. Der Preis bleibt allerdings unter dem Kriegszwischenhoch von etwas mehr als 126 Dollar je Barrel, das im April erreicht worden war.

Doch nicht nur Rohöl ist betroffen:

  • Europäisches Erdgas hat sich ebenfalls deutlich verteuert.
  • Die Frachtraten für Öltanker sind stark gestiegen.
  • Raffinerieprodukte wie Diesel verteuern sich noch stärker – zusätzlich belastet durch die Folgen des Krieges zwischen Russland und der Ukraine.
  • In den USA stieg der durchschnittliche Dieselpreis nach Angaben des Analyseportals GasBuddy erstmals auf 6 Dollar je Gallone (3,785 Liter).

Der Rohstoffökonom Hamad Hussain von Capital Economics sagte der Finanznachrichtenagentur Bloomberg, die Marktteilnehmer schienen inzwischen mit einem schwereren und längeren Iran-Krieg zu rechnen. Eine rasche Waffenruhe oder eine Normalisierung der Energieflüsse aus dem Nahen Osten sei derzeit nicht in Sicht. Durch die mögliche Einnahme der Hafenstadt Mokka verschärft sich die Lage insgesamt noch einmal.

Wird Öl jetzt noch teurer?

Das Risiko weiterer Preissteigerungen ist damit gestiegen. Ob die Preise tatsächlich dauerhaft weiter klettern, hängt aber nicht allein von der Einnahme Mokkas ab. Entscheidend ist vor allem, ob die Huthi den Schiffsverkehr an Bab al-Mandab tatsächlich beeinträchtigen.

Eine Eroberung ist noch keine Blockade

Solange Schiffe die Meerenge weiterhin sicher passieren können, bleibt der unmittelbare Einfluss auf die Ölversorgung begrenzt. Kommt es zu Angriffen, Umleitungen oder einer dauerhaften Sperrung, steigen dagegen Transportkosten, Versicherungsprämien und Lieferzeiten.

Zwei Engpässe erhöhen den Druck

Ist die Straße von Hormus bereits stark eingeschränkt und wird zugleich Bab al-Mandab unsicher, stehen weniger verlässliche Wege für Energieexporte zur Verfügung. Das kann den Risikoaufschlag auf Rohöl und Gas weiter erhöhen.

Die Dauer entscheidet

Je länger die Unsicherheit anhält, desto größer wird der Druck auf die Preise. Eine Waffenruhe, gesicherte Seewege oder zusätzliche Lieferungen könnten die Märkte dagegen wieder entlasten.

Was bedeutet das für Verbraucher in Deutschland?

Für Verbraucher in Deutschland kommt es darauf an, wie stark die höheren Weltmarktpreise an die heimischen Märkte weitergegeben werden. Das geschieht nicht sofort und nicht eins zu eins.

Benzin und Diesel

Steigende Rohölpreise erhöhen den Kostendruck bei Raffinerien und Tankstellen. Auch höhere Frachtraten können die Preise beeinflussen. Benzin und Diesel könnten deshalb weiter teurer werden, wenn der Ölpreis hoch bleibt oder zusätzliche Lieferprobleme auftreten.

Der Preis an der Zapfsäule hängt allerdings nicht nur vom Rohöl ab. Auch der Dollarkurs, Steuern, Raffineriemargen und die Nachfrage spielen eine Rolle. Ein Anstieg des Brent-Preises um einen bestimmten Prozentsatz führt daher nicht automatisch zum gleichen prozentualen Anstieg beim Tanken.

Heizöl

Beim Heizöl ist der Zusammenhang mit dem Rohölpreis besonders direkt. Hält der Preisauftrieb an, kann sich das Nachfüllen des Tanks für Haushalte verteuern. Wie stark die Kosten steigen, hängt jedoch auch vom Zeitpunkt des Einkaufs und von den regionalen Preisen ab.

Erdgas und Heizen

Auch die europäischen Gaspreise sind gestiegen. Für deutsche Haushalte bedeutet das ein erhöhtes Risiko für höhere Heizkosten. Ein unmittelbarer Anstieg der Gasrechnung folgt daraus aber nicht automatisch. Viele Versorger kaufen Gas langfristig oder in Tranchen ein. Zudem hängt der Endkundenpreis vom jeweiligen Vertrag, dem Beschaffungszeitpunkt und den Netzentgelten ab.

Bei Haushalten mit variablen Tarifen oder anstehenden Vertragswechseln können Marktbewegungen schneller ankommen als bei Kunden mit längerfristiger Preisbindung.

Transport und Waren

Eine anhaltende Störung der Schifffahrt könnte nicht nur Energie verteuern. Höhere Frachtraten und längere Transportwege können auch die Kosten für Waren erhöhen. Besonders betroffen wären Lieferketten, die auf den Seehandel durch das Rote Meer angewiesen sind.

Für Deutschland ist deshalb vor allem eine Kombination aus höheren Energie- und Transportkosten relevant. Ob daraus ein breiter Preisschub entsteht, hängt davon ab, wie lange die Störungen andauern und ob Unternehmen die zusätzlichen Kosten weitergeben.

Bürgerkrieg im Jemen flammt wieder auf – Chronik der Ereignisse

Die Kämpfe an der jemenitischen Westküste sind nach einer längeren Phase relativer Ruhe erneut eskaliert. Saudi-Arabien warf den Huthi in der Vergangenheit vor, Ölanlagen und zivile Ziele im Königreich angegriffen zu haben. Die Huthi kündigten Ende Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien an und erklärten, seitdem saudische Öltanker im Roten Meer sowie Ölanlagen angegriffen zu haben.

Die Huthi selbst beschuldigten Saudi-Arabien, binnen 24 Stunden mehr als 60 Luftangriffe auf mehrere Provinzen im Jemen geflogen zu haben. Die Angaben der Konfliktparteien lassen sich unabhängig nur schwer überprüfen.

Nach einer von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenruhe im Jahr 2022 waren die Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und den Huthi weitgehend zum Erliegen gekommen. Die jüngsten Gefechte haben diese Feuerpause praktisch beendet.

Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP wurden seit dem erneuten Aufflammen der Kämpfe mehr als 500 Menschen getötet. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) meldete zudem fast 20.000 Vertriebene.

Der Vorsitzende des von Saudi-Arabien unterstützten Präsidialrats des Jemen, Raschad al-Alimi, forderte die internationale Gemeinschaft auf, beim Schutz der Küste zu helfen. Die Huthi-Führung erklärte dagegen, die Lage in Mokka habe sich nach den Kämpfen stabilisiert, und bot Kämpfern, die ihre Waffen niederlegten, eine Amnestie an.

Die weitere Entwicklung im Jemen könnte damit auch für die Energieversorgung außerhalb der Region entscheidend werden. Je größer die Gefahr für die Schifffahrt an Bab al-Mandab und in der Straße von Hormus, desto höher ist der Druck auf Öl, Gas und Transportkosten.

Mit dpa und AFP

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