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E-Autos boomen – doch Deutschland drohen Milliardenverluste

Дата публикации: 17-09-2026 15:46:00

Die Rufe nach Steuern für E-Autos wächst. Europäische Länder haben bereits eine Steuer für Elektroautos eingeführt. In Deutschland könnte sie bald folgen.

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Mit den Spritpreisen steigt auch das Interesse an Elektroautos. Doch Elektromobilität lässt nicht nur schädliche CO2-Emissionen sinken, sondern auch die Steuereinnahmen.

„Die Leute gehen weg von Benzin und Diesel“, meint Jens Boysen-Hogrefe, Steuer- und Verkehrsexperte am Kieler Institut für Weltwirtschaft (KfW) im DW-Gespräch. „Der durch die hohen Spritpreise ausgelöste Boom der E-Autos nimmt die Antriebswende vorweg, die sowieso schon geplant war.“

E-Auto-Boom erreicht immer mehr Regionen

Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) stieg der Absatz von E-Autos in Europa im ersten Quartal dieses Jahres um fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Vorreiter ist Norwegen, wo mittlerweile 95 Prozent aller neu zugelassenen PkWs elektrisch fahren (siehe Grafik).

In Ländern im asiatisch-pazifischen Raum ohne China waren die Wachstumsraten laut „Global Outlook 2026“ der IEA noch beeindruckender: 2025 stieg der Absatz dort in einigen Regionen um bis zu 80 Prozent, in Lateinamerika waren es 75 Prozent.

Kraftfahrzeug Neuzulassungen

Kraftfahrzeug Neuzulassungen Deutsche Welle / Eurostat
„Fossiles System ertragreich für den Staat“

Der Boom der Elektromobilität löst allerdings in Berlin, und insbesondere im Finanzministerium, nicht nur Begeisterung aus. Denn beim Aufladen eines E-Autos fallen keine Energiesteuern, sondern nur geringe Stromsteuern an.

Bisher wird ein Liter Diesel in Deutschland mit 47,04 Cent besteuert, ein Liter Benzin mit 65,45 Cent. Hinzu kommen noch eine CO2-Abgabe und die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent. Bei einem Benzinpreis von 2,10 Euro beträgt der Abgabenanteil laut ADAC 1,14 Euro, also mehr als die Hälfte des Preises.

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Das bisherige fossile System mit Energiesteuern, LKW Maut und CO2-Abgabe sei sehr ertragreich für den Staat, so Steuerexperte Boysen-Hogrefe.„ Der Finanzminister hat nicht viel davon, wenn Leute E-Autos fahren, im Gegenteil.“

Energiesteuer adé

Seine Prognose: „Wenn der Switch zum E-Auto kommt und sich am Steuersystem nichts ändert, wird das System Straße für den Bund zu einem Verlustgeschäft.“

Es geht um Milliardenverluste: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Einnahmen aus der Energiesteuer auf Diesel und Benzin von 37 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf 33 Milliarden Euro im vergangenen Jahr gesunken.

Bereits im Jahr 2022 hatte eine Untersuchung des Wissenschaftlichen Beirates beim Bundesminister für Digitales und Verkehrauf die Einnahmeausfälle hingewiesen. Bis 2050 würden die Einnahmen aus der Energiesteuer auf fünf Milliarden Euro abschmelzen, prognostiziert der Beirat.

„Zuwarten“ ist keine Option

„Die Antriebswende hat fiskalische Auswirkungen, über die bisher kaum diskutiert wird“, heißt es in dem Gutachten. „Die zu erwartenden Steuerausfälle addieren sich zu der kostenintensiven Förderung der Elektrofahrzeuge, beispielsweise über Kaufprämien, die derzeit noch zur Durchsetzung der Antriebswende notwendig ist.“

In Deutschland wurde die Kaufprämie für Elektroautos in Höhe von mehreren tausend Euro zwar Ende 2023 eingestellt. Doch bis 2035 sind E-Autos von der Kfz-Steuer befreit, außerdem gibt es steuerliche Vorteile für Unternehmen, wenn sie in E-Autos investieren.

Steuereinnahmen aus Diesel und Benzin seit 2016

Steuereinnahmen aus Diesel und Benzin seit 2016 Deutsche Welle / Statistisches Bundesamt (Destatis)

Der Ratschlag der Verkehrswissenschaftler lautete: „Ein Zuwarten der Entscheidung über zukünftige Maßnahmen bis zu einem Stand, an dem das Defizit zum Handeln zwingt, verbaut die meisten Handlungsoptionen, weil deren Vorlaufzeit sich über mehrere Legislaturperioden zieht.“

Die Warnungen der Wissenschaftler verhallten ungehört. Für Boysen-Hogrefe könnte sich nun der „fiskalische Druck erhöhen“. Wenn weiter massenhaft E-Autos gekauft würden, „kann die Regierung darauf nicht nur mit Achselzucken reagieren“.

Vorreiter Norwegen und Großbritannien

Andere Länder haben bereits mit neuen Abgaben auf die Entwicklung reagiert. In Großbritannien gibt es ab April 2028 eine Abgabe auf E-Autos. Die sogenannte „Electric Vehicle Excise Duty“ (eVED) erhebt drei 3 Pence (0,35 Eurocent) je Meile (1,6 km) auf reine E-Autos, und 1,5 Pence auf Plug-in-Hybride.

In Neuseeland und Island wird bei Elektroautos seit 2024 einmal jährlich der Tacho für Kilometerabgaben abgelesen. Und in der Schweiz werden E-Auto-Fahrer ab 2030 zur Kasse gebeten: entweder mit einer nach Gewicht gestaffelten Abgabe von durchschnittlich 5,4 Rappen (5,7 Eurocent) pro Kilometer oder mit einer Steuer von 22,8 Rappen pro Kilowattstunde auf den Fahrstrom an der Ladesäule.

Vorreiterland Norwegen hat die Mehrwertsteuerbefreiung für E-Autos seit diesem Jahr eingeschränkt. Außerdem gibt es eine gewichtsabhängige Kauf- beziehungsweise Zulassungsabgabe und Mautgebühren.

Rettungsanker Mautgebühren?

Auch in Deutschland plädieren viele Experten für eine PkW-Maut, um die Einnahmeausfülle der Energiesteuer zu kompensieren und gleichzeitig die Straßennutzung der Fahrzeuge stärker zu berücksichtigen.

„Die empfohlene Politikoption ist eine entfernungs- und verkehrsabhängige Maut“, heißt es der jüngst erschienenen Studie der Universität Münstermit dem Titel „Antriebswende und Straßenverkehrsabgaben: Prognosen und Strategien“.

Die Wissenschaftler scheinen zu ahnen, dass ihre Empfehlungen zur Unzeit kommen. „Geht man realistischerweise davon aus, dass die Politik diesen Schritt scheut, empfiehlt sich die Vignettenlösung“, lautet ihre Empfehlung. Autofahrer zahlen dabei für die Straßennutzung, indem sie für bestimmte Zeiträume eine Pauschale zahlen und dies durch einen Aufkleber (Vignette) an der Windschutzscheibe nachweisen. „Sollte auch diese auf unüberwindbare politische Widerstände stoßen, bleibt als Lösung eine Erhöhung der Kfz-Steuer.“

Von Astrid Prange de Oliveira

„Effekt wird nach Auslaufen der Förderung verpuffen“

Die Debatte

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