4000 Euro monatlich aus Dividenden: Wie viel Kapital brauchen Sie dafür? Drei Strategien zeigen Chancen, Kosten und Risiken.
Wer im Ruhestand 4000 Euro im Monat aus Dividenden beziehen will, braucht ein großes Vermögen. Ein US-Vergleich zeigt, wie stark der Kapitalbedarf von der Rendite abhängt – und warum hohe Ausschüttungen riskant sein können.
Zwar ist es auf den US-Markt zugeschnitten und lässt sich nicht eins zu eins auf deutsche Anleger übertragen. Doch die Grundrechnung ist auch für deutsche Sparer interessant: Je höher die Rendite, desto weniger Kapital ist nötig, um denselben Betrag im Jahr zu erzielen. Gleichzeitig steigen mit der Rendite in der Regel auch die Risiken.
Die Ausgangsrechnung lautet: Man will 56.400 Dollar Jahreseinkommen beziehungsweise 4700 Dollar pro Monat erreichen. Beim aktuellen Wechselkurs entspricht das rund 48.500 Euro im Jahr oder 4040 Euro monatlich. Für die folgenden Berechnungen werden die Dollarbeträge entsprechend umgerechnet. Der Wechselkurs lag zuletzt bei etwa 1,17 Dollar je Euro.
Als konservative Variante nennt „247WallSt“ den Schwab U.S. Dividend Equity ETF (SCHD). Der ETF investiert in große US-Unternehmen mit einer Historie stabiler und steigender Dividenden. Zu den genannten größeren Positionen zählen unter anderem Qualcomm, Texas Instruments, Coca-Cola, Merck und Chevron.
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Der Artikel rechnet mit einer Dividendenrendite von 3,5 Prozent. Um damit auf ein jährliches Einkommen von 56.400 Dollar zu kommen, wären demnach rund 1,61 Millionen Dollar notwendig.
Umgerechnet sind das aktuell etwa 1,39 Millionen Euro.
Das ist mit Abstand der höchste Kapitalbedarf der drei Varianten. Dafür steht bei einem breit gestreuten Dividenden-ETF nicht allein die aktuelle Ausschüttung im Vordergrund. Anleger setzen auch auf langfristiges Dividendenwachstum und mögliche Kursgewinne.
Das ist ein entscheidender Punkt für Anleger, die ihr Vermögen im Ruhestand nicht einfach aufbrauchen wollen: Eine niedrige Anfangsrendite kann langfristig attraktiver sein, wenn die Ausschüttungen regelmäßig steigen.
Deutlich weniger Kapital wäre laut der Rechnung bei VICI Properties erforderlich. Das US-Unternehmen ist ein Immobilienkonzern, der unter anderem Casinos und Glücksspielimmobilien besitzt. Zu den Mietern gehören große Namen wie Caesars, MGM und das Venetian.
Die Aktie schüttet derzeit 0,45 Dollar je Quartal aus, also 1,80 Dollar im Jahr. Im Ausgangstext wird daraus eine Rendite von rund sieben Prozent abgeleitet.
Für die konkrete Rechnung setzt 247WallSt allerdings vorsichtiger eine Rendite von sechs Prozent an. Damit wären für 56.400 Dollar Jahreseinkommen rund 940.000 Dollar erforderlich.
Das entspricht beim aktuellen Wechselkurs etwa 808.400 Euro.
Der höhere laufende Ertrag hat allerdings einen Preis: Immobilienaktien und insbesondere REITs reagieren empfindlich auf Veränderungen der Zinsen. Steigen die Renditen von Staatsanleihen, können Anleger ihr Geld dort teilweise mit weniger Risiko anlegen. Das kann den Kurs von Immobilienaktien unter Druck setzen.
Genau das zeigt auch das Beispiel von VICI: Laut „247WallSt“ lag die Aktie zuletzt rund 14 Prozent unter ihrem Vorjahresniveau.
Weniger Kapital wäre bei Ares Capital (ARCC) notwendig. Das Unternehmen gehört zu den sogenannten Business Development Companies, kurz BDCs. Diese finanzieren vor allem mittelständische Unternehmen.
Der entscheidende Vorteil für Anleger ist die hohe Ausschüttung. Die reguläre Quartalsdividende beträgt 0,48 Dollar je Aktie. Bei einem Aktienkurs von rund 20 Dollar ergibt sich eine Rendite von knapp zehn Prozent. Aktuelle Marktdaten weisen für ARCC eine Forward-Dividendenrendite von rund 9,6 Prozent aus.
„247WallSt“ rechnet für das Beispiel etwas vorsichtiger mit 9,5 Prozent. Für die gewünschten 56.400 Dollar Jahreseinkommen wären damit rund 594.000 Dollar erforderlich.
Das sind umgerechnet etwa 510.840 Euro. Damit würde der Kapitalbedarf gegenüber der konservativen SCHD-Variante um mehr als 870.000 Euro sinken. Doch genau hier liegt der Haken: Eine derart hohe Ausschüttungsrendite gibt es nicht ohne Grund.
Bei ARCC gab es zuletzt mehrere Punkte, die Anleger im Blick behalten müssen. Im zweiten Quartal 2026 lag der sogenannte Core-EPS bei 0,47 Dollar und damit unter der Quartalsdividende von 0,48 Dollar. Gleichzeitig sank der Nettoinventarwert je Aktie von 19,90 Dollar Ende 2025 auf rund 19,40 Dollar.
Auch der Anteil notleidender Kredite stieg: Im zweiten Quartal 2026 seien 2,4 Prozent des Kreditvolumens von ARCC auf Kredite entfallen, bei denen die Zahlungen ausblieben.
Für Anleger bedeutet das: Eine Dividendenrendite von fast zehn Prozent sollte nicht mit einem sicheren Zins von zehn Prozent verwechselt werden. Die Ausschüttung kann gekürzt werden, während gleichzeitig der Aktienkurs fällt.
Hinzu kommt für deutsche Anleger ein weiterer Punkt: Wer US-Aktien oder US-ETFs kauft, trägt zusätzlich ein Währungsrisiko. Fällt der Dollar gegenüber dem Euro, kann das die Rendite für einen Anleger aus Deutschland schmälern.
Besonders interessant ist deshalb eine andere Zahl aus dem Vergleich: das Wachstum der Dividende.
Die Ausschüttung von VICI ist laut „247WallSt“ von 0,2875 Dollar je Quartal im Jahr 2019 auf 0,45 Dollar im Jahr 2026 gestiegen. Bei ARCC liegt die reguläre Quartalsdividende dagegen seit März 2023 bei 0,48 Dollar.
Das zeigt: Eine hohe Anfangsrendite ist nicht dasselbe wie ein wachsendes Einkommen. Wenn eine Dividende beispielsweise mit acht Prozent pro Jahr steigt, kann eine anfängliche Rendite von 3,5 Prozent nach einigen Jahren ein deutlich höheres Einkommen liefern. Bleibt eine Ausschüttung von 9,5 Prozent dagegen dauerhaft unverändert, verliert sie durch die Inflation real an Wert.
Für Anleger, die noch zehn oder 20 Jahre bis zum Ruhestand haben, kann deshalb das Dividendenwachstum wichtiger sein als die höchstmögliche aktuelle Ausschüttung.
Eine dritte Möglichkeit könnte für Anleger deswegen interessant sein: die Mischung aus allen drei Anlageklassen.
Bei einer gleichmäßigen Gewichtung von SCHD, VICI und ARCC käme man auf eine durchschnittliche Rendite von rund 6,5 Prozent. Damit wären für 56.400 Dollar jährliche Ausschüttungen rund 870.000 Dollar erforderlich. Das entspricht derzeit etwa 745.000 Euro.
Damit läge der notwendige Kapitalstock deutlich unter den rund 1,38 Millionen Euro der konservativen Variante – gleichzeitig wäre das Depot weniger stark von nur einer einzelnen Anlageform abhängig.
Die konkrete Rechnung stammt aus den USA und ist daher nicht ohne Weiteres auf Deutschland anwenden: Deutsche Anleger müssen unter anderem Kapitalertragsteuer, mögliche Quellensteuer auf US-Dividenden, den Sparer-Pauschbetrag und das Währungsrisiko berücksichtigen.
Auch sollte die Dividendenrendite nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist die Gesamtrendite aus Ausschüttungen und Kursentwicklung sowie die Frage, ob das Unternehmen seine Dividende langfristig aus den erwirtschafteten Erträgen finanzieren kann.
Das Grundprinzip bleibt trotzdem interessant: Wer im Ruhestand beispielsweise rund 4000 Euro im Monat aus Kapitalerträgen erzielen möchte, benötigt selbst bei einer relativ hohen Ausschüttungsrendite schnell einen sechs- bis siebenstelligen Betrag.
Bei sechs Prozent wären rein rechnerisch rund 805.000 Euro notwendig, bei 3,5 Prozent sogar rund 1,38 Millionen Euro. Bei einer Rendite von 9,5 Prozent würde der rechnerische Kapitalbedarf dagegen auf rund 509.000 Euro sinken.
Doch je höher die Rendite, desto genauer sollten Anleger prüfen, woher sie kommt – und welches Risiko sie dafür eingehen.
Hinweis: Die Euro-Beträge sind auf Basis eines Wechselkurses von rund 1 Euro = 1,168 US-Dollar berechnet und können sich mit dem Wechselkurs verändern. Die Berechnungen dienen der Veranschaulichung und stellen keine Anlageempfehlung dar.
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