Malwettbewerb, Vorgarten oder Sport: Ob ein Preisgeld versteuert werden muss, hängt von den Umständen ab. Entscheidend ist oft die 256-Euro-Grenze.
Ein Preisgeld ist nicht gleich ein Preisgeld: Steuerexperte Stefan Heine erklärt die Regeln – vom Malwettbewerb im Kinderzimmer bis nach zum Nobelpreis in Stockholm.
Wettbewerbe gibt es in unserer Welt genügend: Für Kinder und Erwachsene, mal kreativ oder auch handwerklich. Nur: Was muss in der Steuererklärung angegeben werden? Grundsätzlich ist die 256-Euro-Grenze der wichtigste Wert für Hobby-Preisgelder.
Stefan Heine ist Fachanwalt für Steuerrecht und CEO von smartsteuer. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Völlig egal, um welches Preisgeld es sich handelt: Solange das Preisgeld nur gelegentlich anfällt und nicht mit einem Beruf zusammenhängt, zählt es zu den sogenannten sonstigen Einkünften. Dafür gilt eine Freigrenze von 256 Euro pro Kalenderjahr. Bleibt der Gewinn darunter, bleibt er steuerfrei.
Wichtig ist der Unterschied zum Freibetrag: Wer die 256 Euro überschreitet – etwa durch mehrere kleine Preisgelder im selben Jahr –, versteuert den gesamten Betrag, nicht nur den Teil darüber.
Das gilt nicht nur für Geldauszahlungen, sondern auch für Sachpreise: Wird von einem Gartencenter für den schönsten Vorgarten etwa ein 300-Euro-Einkaufsgutschein ausgelobt, ist der genauso zu versteuern wie bei einem Preisgeld in bar. Anders ist das bei Gewinnspielen: Ist Glück im Spiel – und kein Können, wie bei einem Wettbewerb – entfällt die Versteuerung meist.
Übrigens ist auch die Abgabe einer Steuererklärung nicht ans Alter gekoppelt. Sollte Ihr Kind bei einem Malwettbewerb einen Preis gewinnen, dessen Wert über der Freigrenze 256 Euro liegt, muss der Gewinn in der Steuererklärung angegeben werden.
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Hängt das Preisgeld dagegen mit einer beruflichen Tätigkeit zusammen, sieht es anders aus: Gewinnt eine Fotografin einen Wettbewerb mit ihren Bildern oder überzeugt ein Autor mit seiner Kurzgeschichte, zählt das als reguläres Einkommen. Es fließt in die Einkommensteuererklärung ein wie jedes andere Honorar auch, bei Selbstständigen oft zusätzlich über die Umsatzsteuer.
Eine der bekanntesten Ausnahmen ist der Nobelpreis. Die rund elf Millionen schwedischen Kronen – circa eine Millionen Euro – Preisgeld fließen an mögliche deutsche Gewinner komplett steuerfrei. Der Grund: Der Nobelpreis wird nicht für eine einzelne Leistung, sondern als Würdigung eines Lebenswerks verliehen. Die mit dem Nobelpreis einhergehende Vorbildfunktion ist quasi so besonders, dass hier von einer Besteuerung abgesehen wird.
So verhält es sich auch mit erfolgreichen Athlet der Olympischen und Paralympischen Spiele. Die Preisgelder für Medaillen – 30.000 Euro für Gold, 20.000 Euro für Silber, 10.000 Euro für Bronze – bleiben steuerfrei. Der Gesetzgeber würdigt damit sportliche Höchstleistungen der deutschen Teilnehmenden. Anders sieht es beispielsweise für die Fußballer bei Weltmeisterschaften aus: Hier müssen mögliche Prämien versteuert werden.
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