Scalable Capital plant beim neuen Altersvorsorgedepot mit ETF-Kosten von max. 0,15 Prozent p.a. – ein Vorstoß, der den Markt unter Druck setzt.
Preiskampf beim Altersvorsorgedepot: Scalable kündigt ETF-Kosten von max. 0,15 Prozent an. Warum dieser Vorstoß für Sparer am Ende bis zu 26.000 Euro Unterschied machen kann. Ein Kommentar.
Noch ist das eine Ankündigung, kein verbindliches Preisversprechen. Das endgültige Produkt muss die gesetzlichen Vorgaben erfüllen und zertifiziert werden. Der Vorstoß zeigt aber schon jetzt, welchen Preisdruck der neue Wettbewerb auf Banken, Versicherer und andere Anbieter ausüben könnte.
Der Gesetzgeber hat für das Standarddepot einen Kostendeckel von 1,00 Prozent pro Jahr festgelegt. Gemeint sind damit allerdings nicht die Kosten des ETFs, sondern die sogenannten Effektivkosten. Sie zeigen, um wie viele Prozentpunkte die Kosten die durchschnittliche jährliche Rendite eines Vertrags über die Laufzeit mindern.
Die 0,15 Prozent von Scalable lassen sich deshalb nicht direkt mit dem gesetzlichen Limit vergleichen. Trotzdem ist die Größenordnung bemerkenswert. Ob die gesamten Effektivkosten tatsächlich deutlich unter 1 Prozent liegen, lässt sich erst beurteilen, wenn die vollständigen Produkt- und Preisunterlagen vorliegen.
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Scalable handelt dabei nicht aus Nächstenliebe. Ein Altersvorsorgedepot ist ein attraktives Ankerprodukt: Wer seine staatlich geförderte Altersvorsorge über Jahrzehnte bei einem Anbieter führt, könnte dort auch weitere Finanzprodukte nutzen.
Für Scalable geht es deshalb um einen frühen Platz in einem neuen Markt. Das Standarddepot soll einfach aufgebaut sein und Standardeinstellungen bieten, damit sich Einsteiger nicht überfordert fühlen. Der Anbieter positioniert sich damit bereits vor dem offiziellen Start – und setzt die etablierten Anbieter unter Zugzwang.
Die niedrigen ETF-Produktkosten gelten nach der bisherigen Ankündigung für das Standarddepot. Bei der freien Anlagevariante können je nach Wertpapier andere Fondskosten anfallen.
Auch zu Ordergebühren gibt es bereits erste Angaben: Nach übereinstimmenden Berichten sollen einzelne Käufe und Verkäufe im kostenlosen Tarif 99 Cent kosten, im Prime-Tarif für 4,99 Euro im Monat dagegen nichts. Bis zum geplanten Start am 1. Januar 2027 können sich die Details zudem noch ändern.
Warum die Kosten trotzdem eine große Rolle spielen, zeigt eine einfache Modellrechnung.
Angenommen, ein Sparer zahlt 150 Euro im Monat ein und erhält die maximale Grundzulage von 540 Euro im Jahr. Für die Rechnung unterstellen wir eine konstante Rendite von 6 Prozent vor Kosten und eine Laufzeit von 30 Jahren. Bei monatlich 195 Euro Einzahlung ergibt sich:
Das ist keine Prognose und keine exakte Berechnung der gesetzlichen Effektivkosten. Tatsächliche Renditen schwanken, Kosten fallen nicht zwingend in dieser vereinfachten Form an, und auch Steuern sowie Auszahlungsregeln spielen später eine Rolle.
Die Rechnung macht aber deutlich, wie stark sich kleine Kostenunterschiede bei einem langfristigen Sparprozess auf das Endvermögen auswirken können.
Für Sparer ist dieser Wettbewerb grundsätzlich eine gute Nachricht. Und nur wenige Tage nach der Kostenankündigung fürs Altersvorsorgedepot legt Scalable heute nach: Kunden können ihr reguläres Depot direkt über KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude oder Grok verwalten.
Über den Chat lassen sich laut Unternehmensangaben Depotbestände analysieren, Watchlists erstellen, Preisalarme setzen und Wertpapierorders vorbereiten. Ausgeführt wird ein Kauf oder Verkauf aber erst, wenn der Kunde ihn selbst bestätigt. Vollständig autonom handeln die KI-Assistenten nicht.
Scalable nennt das Konzept „Agentic Investing“ und bezeichnet sich als erste Bank Europas mit diesem Angebot. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen dafür monatelang auch mit der BaFin gesprochen.
Für das Altersvorsorgedepot ist das noch keine offizielle Ankündigung. Aber es passt ins Bild: Wer schon beim Standardprodukt auf niedrige Kosten und einfache Bedienung setzt, dürfte auch bei der KI-Anbindung nicht lange zögern.
Ob Sparer ihre geförderte Altersvorsorge tatsächlich per Chat-Prompt steuern wollen, ist eine andere Frage. Bei einem staatlich geförderten Produkt dürften Sicherheits- und Regulierungsfragen ohnehin strenger ausfallen als beim freien Depot.
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