US-Präsident Trump hatte eine klare Erwartung an den neuen Fed-Chef: niedrigere Zinsen. Doch nun stehen die Zeichen auf Ärger.
US-Präsident Trump hatte eine klare Erwartung an den neuen Fed-Chef: niedrigere Zinsen. Doch nun stehen die Zeichen auf Ärger.
Es waren – für einen Notenbanker – klare Worte, die Fed-Chef Kevin Warsh bei seiner Rede beim Treffen mit seinen Kollegen aus der ganzen Welt in Jackson Hole wählte: „Wir müssen zuversichtlich sein, dass sich die zugrunde liegende Inflation klar und mit ausreichender Geschwindigkeit auf unser Ziel zubewegt. Andernfalls haben wir noch Arbeit vor uns.“ Die Verantwortung für „65 Monate anhaltender, erhöhter Inflation“ liege bei der Zentralbank.
Für Laien klingt das erst einmal selbstverständlich und nicht besonders aufregend. Schließlich ist es doch die Aufgabe einer Notenbank, die Inflation im Griff zu halten. Anleger horchten allerdings auf und reagierten prompt: Gold verlor als Reaktion auf Warshs Rede über drei Prozent und fiel wieder unter die Marke von 4500 Dollar. Auch Bitcoin gab deutlich nach. Der Dollar wiederum wertete gegenüber dem Euro stark auf. Ein Euro kostet knapp 1,158 Dollar. Letzte Woche lag der Preis noch bei fast 1,17 Dollar. Ein Cent mehr oder weniger klingt vielleicht wenig. Aber auf dem Devisenmarkt sind das Welten.
Der Grund für die heftigen Reaktionen: Die Märkte hörten aus Warshs Worten ein klares Bekenntnis zu einer Zinserhöhung heraus, womöglich schon bei der nächsten Fed-Sitzung Mitte September. Laut dem Fed-Watch-Tool der CME-Group gehen nun rund 60 Prozent der Marktteilnehmer von einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte aus. Am Vortag waren es gerade einmal 35 Prozent.
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Damit zeichnet sich ein neuer Konflikt mit US-Präsident Donald Trump ab. Mehr als deutlich forderte er Warshs Vorgänger Jay Powell immer wieder dazu auf, die Zinsen zu senken. Und mehr als deutlich wiederholte Trump diese Erwartungen bei der Suche nach einem Nachfolger für Powell an der Notenbank-Spitze. Der Grund: Niedrige Zinsen helfen der Wirtschaft, weil sie Kredite günstiger machen. Insbesondere in der aktuellen Lage ist Trump daran interessiert. Im November stehen Zwischenwahlen an.
Bisher enttäuschte Warsh den Präsidenten nicht. Zwar bekannte er sich immer wieder zur Preisstabilität. Doch obwohl die Inflation hoch ist, ließ die Fed den Leitzins unangetastet. Nun kann Warsh fast nicht mehr anders, als etwas zu unternehmen: „Mit seiner Rede hat er sich in eine Lage manövriert, in der ein Verzicht auf eine Zinserhöhung im September, sofern sich die Datenlage nicht wesentlich verbessert, zu einem großen Glaubwürdigkeitsverlust führen könnte“, kommentierte George Curtis, Portfoliomanager bei TwentyFour Asset Management.
Es bleibt aber eine Restunsicherheit, ob es wirklich zu einer Zinserhöhung kommt. Wenige Tage vor der Sitzung werden neue Inflationszahlen veröffentlicht. Zeigen sie an, dass sich die Lage entspannt, kann die Fed weiter abwarten. Auf die Möglichkeit weist auch Curtis in seinem Kommentar hin („Datenlage“).
Vor allem ist offen, ob Warsh wirklich die Konfrontation mit Trump riskiert. Denn zum Timing sagte Warsh nichts. Er betonte lediglich, dass die Fed Arbeit vor sich habe. „Wäre dies eine Rede von Jerome Powell gewesen, hätte die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September bei 100 Prozent gelegen“, sagt Steven Blitz, US-Chefökonom von TS‑Lombard. „Aber es war eine Rede von Kevin Warsh.“ Auch Christoph Balz von der Commerzbank ist skeptisch: „Warsh wiederholte, dass die Inflation nun schon 65 Monate zu hoch sei. Aber warum wurden dann die Zinsen nicht auf der letzten Sitzung angehoben?“, schrieb der Experte in seiner Analyse.
Bis zur nächsten Fed-Sitzung dürfte die Nervosität an den Märkten entsprechend hoch bleiben. Jeder neue Konjunktur- und Inflationsindikator wird in den kommenden Wochen analysiert, um die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts neu zu taxieren. Das Meeting im September wird zeigen, ob die US-Notenbank unter ihrem neuen Vorsitzenden bereit ist, den Worten auch unpopuläre Taten folgen zu lassen, oder ob im Vorfeld der Zwischenwahlen am Ende doch das Weiße Haus den geldpolitischen Takt vorgibt.