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Riester übertragen: Darum kann der alte Vertrag besser sein

Дата публикации: 31-08-2026 15:51:00

Riester-Vertrag übertragen oder behalten? Guthaben, Zulagen, Kosten und Garantien entscheiden über den Wechsel ins neue Altersvorsorgedepot.

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2027 startet die neue geförderte Altersvorsorge. Wer riestert, muss seinen Vertrag aber nicht aufgeben. Ein Wechsel kann Vorteile bringen – doch gerade mit guten Altverträgen sollte man genau rechnen.

Für Millionen Riester-Sparer stellt sich ab 2027 eine wichtige Frage: Was passiert mit dem bestehenden Vertrag? Das neue Altersvorsorgedepot soll höhere Renditechancen bieten und die private Altersvorsorge flexibler machen. Doch ein Wechsel ist nicht automatisch die bessere Lösung.

Das Bundesfinanzministerium stellt klar: Bestehende Riester-Verträge können mit der bisherigen Förderung weitergeführt werden. Alternativ kann das angesparte Riester-Vermögen auch ins neuen Altersvorsorgedepot übertragen werden. Bereits erhaltene staatliche Förderungen müssen bei einem zulässigen Wechsel nicht zurückgezahlt werden.

Größeres Guthaben macht Wechsel interessanter

Eine wichtige Rolle spielt das bereits angesparte Kapital. Das Verbraucherportal „Finanztip“ kommt in einem Vergleich zu dem Ergebnis:

„Je höher Dein Guthaben, desto eher lohnt sich der Wechsel zum Altersvorsorgedepot.“

In der Modellrechnung unterstellt das Portal für das Altersvorsorgedepot eine durchschnittliche Rendite von sechs Prozent jährlich, für alte Riester-Verträge zwei Prozent.

Finanztip nennt allerdings keine konkrete Riester-Sparsumme, ab der sich der Wechsel ins Altersvorsorgedepot lohnt. Ob sich der Wechsel lohnt, hänge demnach zusätzlich von den künftigen Einzahlungen, der Förderung und den Kosten ab.

Familien sollten besonders genau rechnen

Für Familien kann der alte Riester-Vertrag durchaus attraktiv bleiben. Dort gibt es eine Grundzulage von 175 Euro sowie eine Kinderzulage von 185 Euro für vor 2008 geborene Kinder und 300 Euro für später geborene Kinder. Voraussetzung für die volle Riester-Förderung ist allerdings ein bestimmter Mindesteigenbeitrag.

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Das neue System funktioniert anders: Bis zu einem Eigenbeitrag von 360 Euro gibt es 50 Prozent staatlichen Zuschuss, für weitere Einzahlungen bis 1800 Euro sind es 25 Prozent. Für jedes kindergeldberechtigte Kind gibt es eine Zulage von bis zu 300 Euro im Jahr, abhängig von der Höhe der eigenen Einzahlung.

Gerade bei geringem Einkommen und mehreren Kindern kann deshalb der alte Vertrag vorteilhaft sein. „Finanztip“ nennt Geringverdiener mit Kindern ausdrücklich als Gruppe, für die sich die alte Förderung lohnen kann.

Wann Riester sinnvoll ist und wann der Wechsel lohnt
  • Mehr als 300 Euro eigener Beitrag pro Jahr: Laut Experten spricht das eher für das Altersvorsorgedepot, weil die Förderung dort höher ausfallen kann.
  • Hohes Riester-Guthaben vorhanden: Ein Wechsel kann sich auch schon vorher lohnen. Denn je größer das Guthaben, desto stärker wirkt ein Renditevorteil des neuen Depots. „Finanztip“ nennt als Beispiel einen Sparer mit 15.000 Euro Riester-Guthaben, bei dem sich der sofortige Wechsel rechnen kann.
  • Kinderzulagen fallen weg: Dann kann das Altersvorsorgedepot wegen seiner höheren Renditechancen attraktiver werden.
  • Weniger als 300 Euro im Jahr: Dann kommt es vor allem auf Einkommen und Kinderzahl an. Gerade Geringverdiener mit mehreren Kindern können von der alten Riester-Förderung profitieren.
  • Kinder noch kindergeldberechtigt: Die hohen Kinderzulagen können dafür sprechen, zunächst beim Riester-Vertrag zu bleiben.

Entscheidend sind deshalb nicht nur die staatlichen Zulagen, sondern das Zusammenspiel aus Guthaben, Eigenbeitrag, Kinderzulagen, Rendite, Kosten und Laufzeit.

Auch Garantien können verloren gehen

Das neue Altersvorsorgedepot eröffnet zwar mehr Spielraum für Aktien und ETFs. Dafür müssen Sparer bei Varianten ohne Garantie auch Verluste zwischenzeitlich oder zum Rentenbeginn hinnehmen. Möglich sind daneben Produkte mit 80- oder 100-Prozent-Garantie.

Wer dagegen einen bestehenden Riester-Vertrag mit einer garantierten lebenslangen Rente besitzt, sollte genau prüfen, welchen Vorteil er mit dem Wechsel aufgibt. Der neue Auszahlungsplan kann zwar mehr Flexibilität bieten, ersetzt aber nicht zwingend die lebenslange Rentenzahlung.

Verbraucherschützer warnen vor neuen Kosten

Auch der Blick auf die Gebühren ist wichtig. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erwartet zwar für viele Sparer Vorteile durch günstige Kapitalmarktanlagen. Gleichzeitig warnt er davor, dass Banken und Versicherer auch beim neuen System teure Produkte und Policen verkaufen könnten.

Das neue Modell beseitigt das Kostenproblem also nicht automatisch. Beim Standardprodukt soll die Effektivkostenbelastung zwar bei höchstens einem Prozent liegen. Welche konkreten Angebote tatsächlich auf den Markt kommen und wie teuer sie sind, zeigt sich aber erst mit dem Start.

Wechsel muss nicht sofort erfolgen

Ein weiterer Punkt spricht gegen einen übereilten Schritt: Wer heute einen Riester-Vertrag besitzt, muss nicht am 1. Januar 2027 wechseln. Das Guthaben kann auch später in ein Altersvorsorgedepot übertragen werden.

Wer sein Riester-Guthaben später für eine selbst genutzte Immobilie einsetzen will, sollte beim Wechsel genau prüfen, ob das neue Altersvorsorgedepot diese Möglichkeit überhaupt bietet. Finanztip erwartet, dass insbesondere günstige Angebote auf die Wohnriester-Funktion verzichten könnten.

Unterm Strich gibt es deshalb keine pauschale Empfehlung für oder gegen den Übertrag. Wer einen alten Riester-Vertrag besitzt, sollte vor dem Wechsel vor allem Guthaben, Zulagen, Kosten, Garantien und die geplante Verwendung des Geldes vergleichen. Erst danach zeigt sich, welches System tatsächlich die bessere Altersvorsorge bietet.

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