Strom ist in Deutschland besonders teuer. Nur drei Länder verlangen mehr – doch der Kaufkraftvergleich verändert das Ranking deutlich.
Deutschland hat die viertteuersten Strompreise der Welt. Eine Analyse von Verivox zeigt, wie groß der Abstand zum internationalen Preisniveau ist. Fünf Tipps, wie Sie Strom sparen können.
35,6 Cent pro Kilowattstunde: So viel zahlten deutsche Haushalte im Durchschnitt im zweiten Quartal 2026 für ihren Strom. Noch vor fünf Jahren lag der Preis hierzulande bei 31,8 Cent pro Kilowattstunde. Damit ist der Strompreis in Deutschland seit 2021 um rund zwölf Prozent gestiegen.
Deutsche Haushalte zahlen mehr als doppelt so viel wie der durchschnittliche Haushalt in den G20-Staaten. Dort kostet die Kilowattstunde im Schnitt 16,3 Cent. Auch wichtige Handelspartner wie Großbritannien (32,4 Cent), Frankreich (23,3 Cent) und die USA (18,3 Cent) haben teilweise deutlich niedrigere Strompreise.
Gegenüber China (6,7 Cent) und Indien (6,3 Cent) ist die Kilowattstunde in Deutschland nominal sogar mehr als fünfmal so teuer. Die niedrigsten Strompreise gibt es in Kuba. Dort kostet eine Kilowattstunde umgerechnet gerade einmal 0,51 Cent.
,regionOfInterest=(502,424)&hash=71a6adaa80f6ebbfedd5042899f51c934b5255cfbc7a33b4ef9e8123427f0ff3)
Deutlich greifbarer wird der Preisunterschied bei einer Jahresrechnung. Bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden ergeben sich bei einem Strompreis von 35,6 Cent pro Kilowattstunde rechnerische Kosten von rund 1246 Euro im Jahr. Würde derselbe Verbrauch zum durchschnittlichen G20-Strompreis von 16,3 Cent abgerechnet, wären es lediglich rund 571 Euro. Deutsche Haushalte würden also rund 675 Euro mehr im Jahr zahlen.
ANZEIGE
ANZEIGE
Allerdings handelt es sich dabei nur um eine rechnerische Gegenüberstellung. Tatsächliche Stromrechnungen unterscheiden sich je nach Tarif, Anbieter, Grundpreis und Verbrauch.
Warum Strom in Deutschland so teuer ist, zeigt ein Blick auf die Zusammensetzung des Haushaltsstrompreises. Die eigentliche Stromproduktion macht laut Verivox-Energieexperte Thorsten Storck nur rund ein Drittel des Endpreises aus. Der deutlich größere Teil entfällt auf Netzentgelte sowie Steuern, Abgaben und Umlagen.
„Die Strompreise in Deutschland gehören zu den höchsten weltweit. Das liegt auch daran, dass die Stromproduktion selbst nur etwa ein Drittel des Strompreises für Haushalte ausmacht. Zwei Drittel entfallen auf Stromnetzgebühren sowie Steuern, Abgaben und Umlagen.“
Allerdings verändert sich das Bild, wenn nicht nur der nominale Preis betrachtet wird, sondern auch die Kaufkraft der Verbraucher.
Nominal gehört Deutschland zu den Ländern mit den höchsten Strompreisen der Welt. Doch berücksichtigt man die unterschiedliche Kaufkraft, verändert sich das Bild deutlich. Hohe Strompreise in wohlhabenden Ländern fallen dann weniger stark ins Gewicht, während Strom in Ländern mit geringerer Kaufkraft relativ teurer ist.
An der Spitze liegen Sierra Leone mit 96,6 Cent pro Kilowattstunde und Ruanda mit 93,7 Cent. Deutschland kommt kaufkraftbereinigt auf 50,1 Cent pro Kilowattstunde und landet damit auf Platz 24. Der Kaufkraftvergleich relativiert die deutsche Spitzenposition also deutlich – Deutschland gehört aber auch dann noch zu den Ländern mit hohen Stromkosten.