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Wegen „geopolitischer Unruhen“: Niederländische Zentralbank verlegt 86 Tonnen Gold aus den USA und Kanada nach London, Deutschland hält an New York fest

Дата публикации: 06-09-2026 06:12:00

Die Niederlande verlagern Gold aus den USA. Deutschland hält 1236 Tonnen in New York – trotz wachsender Debatte über Risiken.

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Jetzt holen die Niederlande Gold aus Nordamerika nach London. Deutschland hält dagegen an New York fest – obwohl die Debatte über Zugriff und geopolitische Risiken damit wächst.

Gold ist das unbeweglichste aller Reservegüter – und gerade deshalb verrät jede Bewegung viel über Vertrauen. Wenn eine Zentralbank tonnenweise Barren über den Atlantik verschiebt, ist das kein gewöhnlicher Depotwechsel. Es ist eine Entscheidung darüber, wo ein Staat im Ernstfall auf sein Vermögen zugreifen können will.

Die niederländische Zentralbank DNB hat laut der Nachrichtenagentur AFP rund 86 Tonnen Gold aus den USA und Kanada nach London verlagert. Zwischen März und August 2026 sank der Anteil des niederländischen Goldes in New York von 31,3 auf 18,5 Prozent. Rechnerisch liegen dort jetzt noch rund 113 Tonnen. Londons Anteil stieg dagegen auf 32,1 Prozent der insgesamt 612,4 Tonnen niederländischen Goldes.

Als Grund nennt sie zunehmende „geopolitische Unruhen“ und den Wunsch, die Reserven in einer Krise schneller einsetzen zu können.

Das Wichtigste zum Gold-Abzug aus den USA:

  • Niederlande verlagern 86 Tonnen: Die Zentralbank verschiebt Gold aus den USA und Kanada nach London. Grund sind geopolitische Risiken und der schnellere Zugriff im Krisenfall.
  • Deutschland hält an New York fest: Ende 2025 lagerten dort 1236 Tonnen deutsches Gold – rund 37 Prozent der gesamten Bundesbank-Reserve.
  • Debatte über Krisenzugriff wächst: Kritiker bezweifeln nicht die Existenz der Barren, sondern fragen, ob Deutschland in einer schweren politischen Krise jederzeit darauf zugreifen könnte.
  • Andere Länder ziehen Konsequenzen: Frankreich hat seine letzten 129 Tonnen aus New York abgezogen. Italien hält dagegen weiterhin mehr als 1000 Tonnen Gold in den USA.
London soll Gold schneller verfügbar machen

Der entscheidende Punkt ist nicht allein Sicherheit. London gehört zu den wichtigsten Handelsplätzen für physisches Gold. Dort eingelagerte Barren lassen sich vergleichsweise leicht verkaufen, verleihen oder für andere Finanzgeschäfte einsetzen.

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Deshalb wurde der niederländische Bestand nicht vollständig physisch über den Atlantik transportiert. Nach Angaben der DNB wurden knapp 59 Tonnen in Nordamerika verkauft und entsprechendes Gold in London gekauft. Mehr als 27 Tonnen wurden aber tatsächlich transportiert. So begrenzte die Zentralbank Sicherheits- und Transportrisiken.

Es ist zudem nicht der erste niederländische Rückzug. Bereits 2014 reduzierte die DNB ihren New Yorker Anteil von rund 51 auf etwa 31 Prozent.

Auch in Deutschland wächst die Gold-Debatte

Deutschland hat ebenfalls Gold zurückgeholt. Zwischen 2013 und 2016 ließ die Bundesbank 300 Tonnen von New York nach Frankfurt bringen, weitere 374 Tonnen kamen aus Paris. Das 2013 beschlossene Lagerstellenkonzept war damit früher als geplant umgesetzt.

Doch 2026 ist die Frage einer weiteren Rückholung wieder aktuell. Im Januar berichtete die ARD über Forderungen nach einer neuen Risikobewertung. Kapitalmarktstratege Stefan Riße sprach sich für eine Verlagerung nach Deutschland aus. Ifo-Präsident Clemens Fuest warnte dagegen: Eine Rückholung mitten in politischen Spannungen könne den Konflikt mit Washington zusätzlich verschärfen.

Die Bundesbank selbst sieht keinen Anlass für einen Abzug. Vorstandsmitglied Burkhard Balz erklärte im März gegenüber der „Welt am Sonntag“, es gebe keine Hinweise darauf, dass das deutsche Gold bei der Federal Reserve unsicher sei. Das Lagerstellenkonzept werde regelmäßig überprüft. New York bleibe zudem wichtig, weil Gold dort rasch in Dollar-Liquidität umgewandelt werden könne.

Beanstandungen gab es bislang nicht. Kritiker verweisen jedoch auf einen anderen Punkt: Eine Kontrolle kann bestätigen, dass Gold vorhanden ist – sie garantiert nicht automatisch, dass es in einer schweren politischen Krise jederzeit ohne Verzögerung verlagert werden könnte.

Ende 2025 lagerten nach Angaben der Bundesbank 1236 Tonnen Gold in New York – rund 37 Prozent der deutschen Reserven. 1710 Tonnen befanden sich in Frankfurt, weitere rund 404 Tonnen in London.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel wies Forderungen nach einer weiteren Verlagerung im Mai zurück.

„Ich habe keinen Zweifel daran, dass das Gold sicher bei der Federal Reserve in New York gelagert ist“, sagte er.

Zudem verwies Nagel auf den besonderen Rechtsstatus der deutschen Reserven. Die USA würden sich selbst erheblich schaden, sollten sie diesen Status infrage stellen und damit das Vertrauen der Finanzmärkte beschädigen.

Auch andere europäische Staaten setzen weiter auf New York. Die Banca d’Italia weist 1061,5 Tonnen oder 43,29 Prozent ihrer 2452 Tonnen Gold in den USA aus. Auch Schweden lagert einen Teil seiner insgesamt 125,7 Tonnen umfassenden Goldreserve bei der Federal Reserve Bank of New York. Die schwedische Riksbank begründet die Verteilung ihrer Bestände auf mehrere Länder ausdrücklich mit Risikostreuung.

Wie viel ausländisches Gold insgesamt in New York liegt, veröffentlicht die Fed nicht nach einzelnen Staaten. Ihre Statistik weist für Juli 2026 jedoch Gold ausländischer Zentralbanken, Regierungen und internationaler Organisationen aus, das umgerechnet rund 5750 Tonnen entspricht.

Sollte Deutschland weiteres Gold zurückholen, dürfte das dauern. Die niederländische Aktion benötigte rund sechs Monate, wurde allerdings überwiegend über Verkauf und Neukauf abgewickelt. Deutschlands physische Rückführung von 300 Tonnen erstreckte sich dagegen über mehrere Jahre. Genau deshalb müssen Zentralbanken heute nicht zwangsläufig jeden Barren transportieren: Auch über Verkauf und Neukauf lässt sich der Lagerort einer Goldreserve verändern.

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