Goldminenaktien sind im August deutlich stärker gestiegen als der Goldpreis. Hohe Margen und Milliardengewinne sprechen für die Branche. Anleger müssen mit starken Schwankungen rechnen.
Goldminenaktien sind im August deutlich stärker gestiegen als der Goldpreis. Hohe Margen und Milliardengewinne sprechen für die Branche. Anleger müssen mit starken Schwankungen rechnen.
Goldminenaktien haben im August einen kräftigen Sprung gemacht. Die Indizes MSCI Global Gold Miners und NYSE Arca Gold Bugs legten im vergangenen Monat um mehr als 30 Prozent zu. Darüber berichtete zuerst das „Handelsblatt“.
Das Wichtigste in Kürze
Auch die Jahresbilanz fällt für die Produzenten deutlich besser aus als für das Edelmetall. Trotz zweier kräftiger Rückschläge im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg und dem Ende eines Waffenstillstands liegen die Goldminenindizes seit Jahresbeginn knapp 20 Prozent im Plus. Der Goldpreis verzeichnet im selben Zeitraum lediglich einen Zuwachs von knapp zwei Prozent.
Dass Aktien von Goldproduzenten stärker steigen als der Goldpreis, ist kein ungewöhnliches Muster. Der Grund liegt in der Kostenstruktur der Unternehmen. Verkaufen sie ihr Gold zu einem höheren Preis, während ihre Ausgaben je geförderter Unze weitgehend stabil bleiben, wächst der Gewinn überproportional.
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Ein Beispiel macht den Effekt deutlich: Kostet die Förderung einer Unze Gold 1000 US-Dollar und liegt der Verkaufspreis bei 4000 Dollar, beträgt die Marge 3000 Dollar. Steigt der Goldpreis um 25 Prozent auf 5000 Dollar, erhöht sich die Marge auf 4000 Dollar. Der Goldpreis legt dann zwar um ein Viertel zu, der Gewinn steigt aber um mehr als ein Drittel.
Allerdings funktioniert dieser Hebel nur eingeschränkt, wenn gleichzeitig die Kosten steigen. Genau das ist derzeit der Fall. Laut Oliver Blagden, Minenanalyst beim Beratungsunternehmen Metals Focus, steigen die AISC bereits seit Jahren kontinuierlich. Das erste Quartal markierte demnach den 28. aufeinanderfolgenden Zeitraum mit höheren Kosten als im jeweiligen Vorjahr.
Ein wichtiger Faktor sind die Förderabgaben, die sogenannten Royalties. Dabei handelt es sich um Zahlungen an Staaten oder Inhaber von Abbaurechten. Weil der Goldpreis im vergangenen Jahr deutlich gestiegen ist, erhöhten sich diese Abgaben laut Blagden im ersten Quartal um 85 Prozent im Jahresvergleich. Sie machen etwa zwölf Prozent der gesamten AISC aus.
Auch Energie und Treibstoff belasten die Produzenten. Besonders stark traf die Entwicklung die australischen Minenunternehmen: Dort stiegen die Großhandelspreise für Diesel innerhalb eines Quartals um 96 Prozent.
Die steigenden Ausgaben haben die Ertragskraft der Branche bislang nicht entscheidend geschwächt. Im Gegenteil: Nach Berechnungen von Blagden erhöhten sich die durchschnittlichen Margen pro geförderter Unze im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 134 Prozent auf einen Rekordwert von 3076 US-Dollar.
Für das zweite Quartal lagen noch keine vergleichbaren Durchschnittswerte des WGC vor. Der Goldpreis sank in diesem Zeitraum zwar um rund 14 Prozent. Die großen Produzenten dürften dennoch weiterhin sehr profitabel gearbeitet haben.
Hohe Goldpreise führen nicht automatisch dazu, dass die Minen ihre Produktion schnell ausweiten können. Nach Angaben des World Gold Council stieg die weltweite Minenproduktion im zweiten Quartal 2026 im Jahresvergleich um zwei Prozent auf 965,6 Tonnen.
Neue Minen lassen sich nicht kurzfristig erschließen. Zwischen der Suche nach einem Vorkommen, Genehmigungen, Finanzierung und dem Produktionsbeginn liegen häufig viele Jahre.
Neben geopolitischen Risiken spielt auch die Nachfrage der Zentralbanken eine wichtige Rolle. Nach Angaben des World Gold Council kauften staatliche Institutionen im zweiten Quartal 2026 netto 288,9 Tonnen Gold – 62 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und der höchste Wert für ein zweites Quartal in der WGC-Datenreihe.
Der Verband sieht darin einen Hinweis auf die anhaltende Bedeutung des Edelmetalls als Reserveanlage. In einer Umfrage des WGC erwarteten 89 Prozent der befragten Zentralbanken, dass die weltweiten Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten steigen werden. Die Nachfrage ist allerdings nicht gleichmäßig: Käufe und Verkäufe können von Quartal zu Quartal erheblich schwanken.
Trotz der starken Fundamentaldaten sollten Anleger die Risiken nicht unterschätzen. Goldminenaktien reagieren nicht nur auf den Goldpreis, sondern auch auf Produktionskosten, Energiepreise, politische Rahmenbedingungen und mögliche Störungen im Minenbetrieb.
Die Kursschwankungen können deshalb erheblich sein. Selbst breit gestreute Goldminenindizes verloren im März rund 20 Prozent und im Juni etwa 15 Prozent an Wert. Solche Rückgänge zeigen, dass die Aktien trotz hoher Gewinnmargen kein schwankungsarmes Investment sind.
Für die weitere Entwicklung kommt es auf einen stabilen oder steigenden Goldpreis, die Entwicklung der Förderkosten und die Fähigkeit der Unternehmen, ihre Margen zu verteidigen, an.
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