Am 6. Mai 2025 wurde Karsten Wildberger als Digitalminister vereidigt und führt damit das erste Ministerium der Bundesrepublik mit alleinigem Fokus auf Digitalisierung. Ein Jahr später zieht Europas größter Open-Source-Branchenverband Bilanz.
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Am 6. Mai 2025 wurde Karsten Wildberger als Digitalminister vereidigt und führt damit das erste Ministerium der Bundesrepublik mit alleinigem Fokus auf Digitalisierung. Ein Jahr später zieht Europas größter Open-Source-Branchenverband Bilanz. Die Open Source Business Alliance (OSBA) – Verband für digitale Souveränität sieht im Ministerium die richtigen Ansätze:
Digitale Souveränität wird als grundlegend für Sicherheit und Innovation ernst genommen. Gleichzeitig fordert der Verband mehr Konsequenz in der Umsetzung. Die Weichen müssen klar Richtung Open Source gestellt werden, um echte digitale Souveränität zu erreichen. Derzeit scheint die Bundesregierung noch zu oft in den bestehenden Abhängigkeiten verharren zu wollen.
OSBA-Vorstandsvorsitzender Peter Ganten kommentiert:
„Karsten Wildberger stellt die richtigen Fragen und oft sind wir uns bei den Antworten einig. Weniger Abhängigkeit von monopolartigen Strukturen mit proprietären Lösungen und mehr Transparenz durch Open Source. Was fehlt, ist eine eindeutige Festlegung, die allen Klarheit gibt und dadurch gemeinsames Handeln vereinfacht: also eine konsequente Strategie, die digitale Souveränität nicht nur als Ziel benennt, sondern mit den richtigen Maßnahmen durchsetzt.Der politische Moment ist da, denn selten war der Ruf aus Politik und Gesellschaft lauter, endlich eine sichere und zukunftsweisende digitale Umgebung zu schaffen, die uns von Erpressbarkeit und Überwachung durch fremde Regierungen befreit. Dieses Fenster müssen wir jetzt nutzen. Mein Appell: Trauen Sie sich, Herr Minister! Der Weg ist klar, die Werkzeuge auch. Die Open-Source-Branche steht mit ihrer Expertise bereit.“
Geopolitische Verwerfungen und zunehmende Cyberbedrohungen zeigen, dass sich an der digitalen Souveränität Europas entscheidet, ob die europäischen Staaten innovativ, unabhängig und sicher in die Zukunft gehen. Wer die Infrastrukturen kontrolliert, von denen Verwaltung, Wirtschaft und öffentliche Daseinsvorsorge abhängen, hat strategische Macht über Preise, Datenzugriffe und im Krisenfall über die Funktionsfähigkeit des Staates selbst. Das Digitalministerium wird so zu einem der relevantesten Ressorts dieser Legislaturperiode.
Entscheidend ist nun, wie digitale Souveränität und Zukunftsfähigkeit des Staates konkret erreicht werden soll.
Digitale Souveränität ist auch durch das Digitalministerium in der breiten politischen Debatte angekommen. Je prominenter der Begriff wird, desto mehr Akteure beanspruchen ihn für sich, mit unterschiedlichsten Definitionen – von technologischer Unabhängigkeit, dem Schutz europäischer Daten, bis zur Bevorzugung europäischer Konzerne gegenüber amerikanischen.
Open Source wird im Rahmen des Deutschland-Stacks als strategische Komponente ernstgenommen. Dass der IT-Planungsrat die Open-Source-Standards des Sovereign Cloud Stack (SCS) verbindlich in den Deutschland-Stack integriert hat, ist ein konkreter Fortschritt. Die öffentliche Verwaltung setzt damit auf interoperable, transparente und anbieterneutrale Standards für Cloud-Infrastrukturen. Das ist der richtige Weg.
Auch bei der Beschaffung tut sich etwas: Die neuen EVB-IT-Musterverträge, vom IT-Planungsrat im November 2025 beschlossen, erleichtern die Vergabe von Open-Source-Software durch die Verwaltung strukturell. Der angekündigte IT-Planungs- und Beschaffungsvorbehalt geht noch weiter: Das Digitalministerium würde dadurch ein Vetorecht bei IT-Vorhaben anderer Ministerien erhalten und sollte das konsequent nutzen, um Abhängigkeiten abzubauen und den Einsatz von Open Source in den Bundesbehörden voranzutreiben.
Die nächsten zwölf Monate werden zeigen, ob aus richtigen Signalen eine kohärente Strategie wird. Die Open-Source-Branche in Deutschland hat die Kompetenz, die Erfahrung und die Bereitschaft, diese Transformation aktiv mitzugestalten.