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VW-Krise: Jetzt entlädt sich der Frust der Mitarbeiter

Дата публикации: 24-08-2026 05:37:00

„Mehr als kritisch“, so beschreibt Oliver Blume die Lage bei Volkswagen. Der Konzernchef will den Sparkurs verschärfen. Ein Abbau von Zehntausenden Jobs wird befürchtet. Turbulente Tage stehen bevor.

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„Mehr als kritisch“, so beschreibt Oliver Blume die Lage bei Volkswagen. Der Konzernchef will den Sparkurs verschärfen. Ein Abbau von Zehntausenden Jobs wird befürchtet. Turbulente Tage stehen bevor.

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Gleich neun außerordentliche Betriebsversammlungen stehen bei Volkswagen in den kommenden Tagen auf dem Programm. Es geht um nichts weniger als die Zukunft des Konzerns und der VW-Standorte.

Mitarbeiter sind sauer

Vorab zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) aus Mitarbeiterumfragen. Dort können Angestellte ihre Fragen an den Vorstand einbringen.

Und diese Fragen zeigen: Die Stimmung ist schlecht.

  • „Die Mitarbeiter und deren Familien der Volkswagen AG sind verunsichert und verängstigt wegen der desaströsen Kommunikation nach außen durch den Vorstand. Wann endet diese Art und Weise der Kommunikation? Wann beginnt wieder gemeinsames Handeln, um das Unternehmen wieder erfolgreich zu gestalten?“
  • „Die wichtigste Frage überhaupt: Müssen wir Angst um unseren Arbeitsplatz haben???“
  • „Welche Perspektiven und 'intelligenten Lösungen' hat der Vorstand für die Standorte?“. Konzernchef Blume hatte vor einigen Wochen von „intelligenteren Lösungen“ als Standortschließungen gesprochen.
Warum ist die Lage so angespannt? 

Der Konzern kämpft mit hohen Kosten und einem schwierigen Umfeld. „Die Lage ist mehr als kritisch“, sagte VW-Konzernchef Oliver Blume jüngst in einem Interview, das im Intranet des Unternehmens veröffentlicht wurde und der dpa vorliegt.

Blume zufolge verdient VW zu wenig, um damit die Zukunft finanzieren zu können. Bisherige Einsparungen reichten nicht aus. „Wir sind überdimensioniert. Das macht uns oft zu langsam und zu kompliziert“, beschrieb der VW-Boss das Problem. 

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Er verwies auf die ernste Lage der Branche. „Es ist keine VW-Krise, sondern eine Krise der gesamten Automobilbranche.“ Als große Herausforderungen nannte er US-Zölle, den Einbruch des chinesischen Marktes mit massivem Preisverfall, geopolitische Konflikte wie im Persischen Golf, der immer härtere Wettbewerb in Europa und massive Regulierungen. 

Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen „Zielbild 2030“ für den Konzern zu arbeiten und den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen. 

Krise und große Sorgen - Was ist bei VW los?

Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, spricht vor Journalisten. Johannes Neudecker/dpa
Was wird in den kommenden Tagen erwartet? 

Dem Betriebsrat reichen die „oberflächlichen Infos“ der Konzernleitung nicht aus. Deshalb hat die Arbeitnehmervertretung zu Betriebsversammlungen geladen, bei denen der Vorstand der Belegschaft Rede und Antwort stehen soll.

Bis Ende August sind neun Veranstaltungen geplant, darunter Versammlungen in Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal. Die erste Betriebsversammlung steht am Dienstag, den 25. August, in Wolfsburg an. Tags darauf folgen Emden und Zwickau, den Abschluss macht am 31. August Hannover. 

Zum Auftakt am Dienstag in der Wolfsburger Konzernzentrale soll Blume gemeinsam mit Markenchef Thomas Schäfer zur Belegschaft sprechen.

Die beiden weiteren Termine, die Blume und Schäfer gemeinsam absolvieren, sind mit Zwickau und Emden an zwei der vier Standorten, die möglicherweise auf der Kippe stehen.

An diesem Montag soll außerdem Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) das VW-Werk in Hannover besuchen.

Blume beschwor den Zusammenhalt in der Belegschaft. „Alle müssen mitziehen“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

„Wir haben den größten Transformationsplan in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns aufgesetzt.“ Die nächsten Jahre seien entscheidend, „wer im Rennen bleibt und wer an die Spitze fährt“.

Drohen Werksschließungen?

Die Sorgen in der Belegschaft sind groß. „Für Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm können wir heute keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre darstellen“, sagt Blume jüngst. „Zusätzlich müssen wir in Europa Überkapazitäten von mehr als 500.000 Fahrzeugen pro Jahr abbauen.“

Aber: „Eine Entscheidung über konkrete Werksschließungen ist nicht getroffen“, betonte er in dem Interview aus dem VW-Intranet. „Werksschließungen sind immer die teuerste und letzte Lösung. Sollte sich trotz aller Anstrengungen zeigen, dass eine Nachfolgebelegung nicht möglich ist, dann geht es darum, neue Perspektiven zu schaffen.“

Krise und große Sorgen - Was ist bei VW los?

Das VW-Logo steht auf dem Markenhochhaus im Volkswagen-Stammwerk in Wolfsburg. Julian Stratenschulte/dpa
Um wie viele Arbeitsplätze geht es?

Die genaue Zahl ist noch unklar, aber massive Einschnitte werden erwartet. Der VW-Konzernchef verwies darauf, dass es seit Ende 2024 die Verständigung gibt, bei Volkswagen, Audi, Porsche und Cariad bis 2030 rund 50.000 Stellen in Deutschland abzubauen - sozialverträglich, freiwillig und vor allem über Altersteilzeit.

Die bereits geplanten Einsparungen reichten allerdings nicht aus. „Die häufig genannte Zahl von rund 50.000 Stellen weltweit ist dabei keine fixe Zielgröße“, erklärte Blume. „Sie errechnet sich aus unserem Kostenziel im Vergleich zum Wettbewerb und gibt eine Orientierung, wie groß unser Handlungsbedarf ist.“ 

Wie reagieren Betriebsrat, Gewerkschaft und Politik? 

Die Positionen vom Betriebsrat und der IG Metall sowie der niedersächsischen Landesregierung und Oberbürgermeistern aus VW-Standorten ist auffallend einheitlich: Sie alle fordern den Vorstand auf, möglichst schnell für Klarheit zu sorgen. Drastische Schritte wie die Schließung von Werken gelte es in jedem Fall zu vermeiden.

Niedersachsens Regierungschef Lies sagte, alle Anteilseigner und der Vorstand müssten das Ziel verfolgen, Industriestandorte in Deutschland und Niedersachsen zu stabilisieren. Er erwarte, dass Volkswagen sich mit möglichen anderen Wachstumsfeldern befasse, wenn die Automobilproduktion an einem Standort nicht fortgeführt werden könne.

„Nichts anderes ist akzeptabel.“ Lies sprach etwa von Rüstung, humanoiden Robotern und Drohnen. Auch könnten Automodelle, die in China entwickelt und gebaut würden, auch in Deutschland gebaut werden.

dpa

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