IG-Metall-Chefin Christiane Benner kritisiert die Pläne für Werksschließungen und Stellenabbau bei Volkswagen scharf. Vom Management fordert sie tragfähige Zukunftskonzepte statt reiner Sparmaßnahmen.
IG-Metall-Chefin Christiane Benner kritisiert die Pläne für Werksschließungen und Stellenabbau bei Volkswagen scharf. Vom Management fordert sie tragfähige Zukunftskonzepte statt reiner Sparmaßnahmen.
Der geplante Abbau von bis zu 50.000 Arbeitsplätzen und die mögliche Schließung von vier deutschen Fabriken belasten das Verhältnis zwischen Arbeitnehmern und Konzernleitung schwer. In einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bezeichnete Benner das Vorhaben von VW-Chef Oliver Blume als „beispiellosen Angriff auf die Belegschaft“.
Sie betonte, dass die Beschäftigten mit einem jährlichen Verzicht von 1,5 Milliarden Euro bereits erhebliche Sparbeiträge leisten würden. Weil die Kostenziele in Werken wie Emden trotz Einschnitten erreicht wurden, sei der Frust über die neuen Forderungen in der Belegschaft nun riesig.
Die Arbeitnehmervertreterin verweist auf das Beispiel der Konzerntochter Porsche, wo trotz Stellenabbaus eine Beschäftigungssicherung bis 2035 vereinbart wurde. Laut Benner sorgt dieser Unterschied innerhalb des Konzerns für Irritationen: „Mitarbeiter der Marke VW reiben sich verwundert die Augen, was anscheinend noch möglich ist.“ Die Gewerkschafterin sieht die Ursachen der Krise vor allem in strategischen Fehlern der Konzernführung. Dazu gehörten ein verspäteter Fokus auf günstige E-Autos, das Ignorieren von Warnzeichen aus China sowie Versäumnisse bei der Software- und Batteriefertigung.
Besonders das hohe Gehalt des VW-Chefs zieht die Kritik der Gewerkschaft auf sich. Gegenüber der „FAZ“ erklärte Benner im Interview: „Für neun Millionen Euro Gehalt pro Jahr erwarte ich bessere Ideen als nur: mehr Leute rausschmeißen.“ Die IG Metall fordert stattdessen, die interne Bürokratie abzubauen, Synergien zwischen den Marken effektiver zu nutzen und die Modellkomplexität zu verringern. Forderungen nach einer Abschaffung der 35-Stunden-Woche erteilte Benner eine Absage und verwies darauf, dass Betriebe wie ZF in Krisen die Arbeitszeit sogar absenken müssten.
Bis zur kommenden Aufsichtsratssitzung am 4. September wollen die Arbeitnehmervertreter ein gemeinsames Zielbild erarbeiten, wobei Werksschließungen für sie weiterhin ausgeschlossen bleiben. Für den 21. September kündigte die IG Metall zudem einen bundesweiten Aktionstag gegen den Kahlschlag in der Autoindustrie an. Zur Standortsicherung zieht die Gewerkschaft auch Joint Ventures zur Fertigung chinesischer Hersteller in deutschen Werken in Betracht. Positiver gestimmt zeigte sich Benner bezüglich der Rettung des Standorts Osnabrück, deren Verhandlungen sich trotz Bedenken des Großaktionärs Katar auf einem guten Weg befänden.
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