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Nexum-Börsengang gestoppt: Heiße Spur führt in die untergegangenen Imperien von Wirecard und Signa

Дата публикации: 03-09-2026 07:49:00

Nexum-Börsengang gestoppt: Die Deutsche Börse widerruft die Zulassung. Eine heiße Spur führt direkt zu den Imperien von Wirecard und Signa.

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Der Immobilienentwickler Nexum geht Mitte August aufs Parkett. Jetzt hat die Deutsche Börse die Zulassung widerrufen. Dahinter steckt eine heiße Spur, die in die untergangenen Imperien von Wirecard und Signa führt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frankfurter Wertpapierbörse hat Zulassung widerrufen
  2. Der Börsenmantel
  3. Der Milliardenplan
  4. Der Mann aus dem Signa-Reich
  5. Die Spur ins Wirecard-Umfeld
  6. Das Pfand

Auf der Website von Nexum ist die Welt bis vor wenigen Tagen in Ordnung. Ein neues Wohnquartier liegt im warmen Licht. Bäume spiegeln sich im Wasser, Kinder spielen zwischen modernen Häusern, auf den Balkonen wächst das Grün. Es gibt keine Bauzäune, keine Bagger, keinen Betonstaub. Nur die Zukunft. „A new category in residential development“, steht über dem Bild.

Nexum will nicht einfach Wohnungen bauen. Das Unternehmen verspricht eine neue Dimension des Wohnungsbaus: datengetrieben, schnell, risikoarm und skalierbar. Investition, Bau und Verkauf aus einer Hand. Dazu „strukturierte Governance“, was immer das ist, und Zugang zum Kapitalmarkt. Die Adressen passen zum Anspruch: Ludwigstraße in München, Jungfernstieg in Hamburg, Unter den Linden in Berlin, Goethestraße in Frankfurt.

Frankfurter Wertpapierbörse hat Zulassung widerrufen

Zwei Klicks weiter, im Bereich Investor Relations, endet die schöne Geschichte. Am 1. September 2026 erklärt Nexum in einer Pflichtmitteilung, dass die Frankfurter Wertpapierbörse die gerade erst erteilte Zulassung seiner Aktien zum Regulierten Markt widerrufen hat. Wirksam wird die Entscheidung mit Ablauf des 5. Oktober. Die Begründung der Börse ist knapp: Nexum habe Pflichten aus der Zulassung trotz Fristsetzung nicht erfüllt. Das ist der vorläufige Schlusspunkt unter einem Börsenkrimi, dessen Wurzeln tief in die Historie zusammengebrochener, teils krimineller Unternehmen wie dem Zahlungsdienstleister Wirecard und dem Immobilienkonzern Signa hineinreichen.

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Am 19. August hatte sich Nexum noch als „schnell wachsender“ Immobilienentwickler in einer offiziellen Mitteilung zur strategischen Neuausrichtung vorgestellt. Das Unternehmen verkündete eine Projektpipeline von mehr als einer Milliarde Euro und verwies auf ein Management mit 30 Milliarden Euro Transaktionserfahrung. 13 Tage später beschließt die Börse jetzt den Widerruf. Nexum behält sich Rechtsmittel dagegen vor. Doch die Erzählung vom neuen, kapitalmarktfähigen Immobilienkonzern ist zusammengebrochen. Gerade der Börsenzugang sollte Nexum von gewöhnlichen Projektentwicklern unterscheiden. Wie konnte das so schnell gehen? Um das zu verstehen, muss man die Geschichte rückwärts lesen.

Der Mantel

Nexum begann nicht mit einem Grundstück, sondern mit einer Pleite. Creditshelf war einmal eine Hoffnung der deutschen Fintech-Szene. Das 2018 an die Frankfurter Börse gebrachte Unternehmen vermittelte Kredite an Mittelständler. 2024 geriet es in ein Schutzschirmverfahren. Das operative Geschäft wurde verkauft. Übrig blieb eine Aktiengesellschaft mit Börsenzulassung. Ein Mantel ohne sein ursprüngliches Geschäft, aber mit einem entscheidenden Vermögenswert: dem Zugang zum Regulierten Markt.

Im Juni 2026 übernahm die Münchner First Capital AG 64 Prozent der Aktien der untergegangen Creditshelf. Weitere 23 Prozent sollten bis Ende des Jahres folgen. Dann ging alles schnell. Der Unternehmenszweck wurde geändert, ein neuer Aufsichtsrat gewählt, das Geschäft auf Wohnimmobilien ausgerichtet. Aus creditshelf wurde Nexum. Auch First Capital hatte keine lange Geschichte. Die Gesellschaft war im Oktober 2024 als Vorratsgesellschaft mit dem Namen „Blitz 24-911 AG“ gegründet worden. Im Herbst 2025 wurde daraus First Capital. Wenige Monate später kontrollierte die junge Gesellschaft den alten Börsenmantel.

Der Milliardenplan

Nexum wollte Projekte in den sieben größten deutschen Städten kaufen, möglichst mit vorhandener oder kurz bevorstehender Baugenehmigung. Damit sollten Planungsrisiken sinken und das Kapital schneller zurückfließen. Für 2027 stellte das Management mehr als 350 Millionen Euro Entwicklungsvolumen und über 40 Millionen Euro Umsatz in Aussicht. Mittelfristig sollten jährlich mehr als 500 Millionen Euro entwickelt, über 150 Millionen Euro umgesetzt und eine Ebitda-Marge von gut 20 Prozent erreicht werden. Vor allem eine Zahl machte Eindruck: mehr als eine Milliarde Euro Dealpipeline gebe es bereits, teilte Nexum stolz zum Börsengang mit.

Auf Nachfrage allerdings wird aus dieser Milliarde ein deutlich differenzierteres Bild: Nexum erklärte, zwei Wohnprojekte mit zusammen rund 70 Millionen Euro Entwicklungsvolumen seien „vertraglich in Exklusivität gesichert und mit Kapitalzusagen hinterlegt“. Die übrige Pipeline reiche von „qualifizierten Opportunitäten“ über fortgeschrittene Gespräche bis zu vertraglich gesicherten Vorhaben. Mit anderen Worten: 93 Prozent der beworbenen Pipeline waren nach Nexums eigener Auskunft eine luftige Spekulation.

Der Mann aus dem Signa-Reich

An der Spitze von Nexum steht Philipp von Erffa. Er führt nicht nur Nexum, sondern auch Mehrheitsaktionärin First Capital. Eigentümereinfluss und operative Führung laufen damit bei ihm zusammen, was zwar gegen keine Regel verstößt, aber Fragen aufwirft: Wer kontrolliert hier wen? Der Chef sich selbst? Von Erffa ist kein Neuling im Immobiliengeschäft. Seit 2015 hatte er verschiedene Positionen bei Signa bekleidet, dem später kollabierten Immobilienreich René Benkos. Er arbeitete im Transaction Management, stieg zum Investment Director und schließlich zum Managing Director und Head of Acquisitions & Sales auf. Die Tätigkeit führt zur Frage: Wie prüfte Nexum beim Neustart die früheren Karrieren seiner Führungskräfte und mögliche Interessenkonflikte?

Das Unternehmen reagiert auf eine entsprechende Frage grundsätzlich. Eine „pauschale Zurechnung“ früherer Tätigkeiten und Kontakte sei sachlich nicht gerechtfertigt. Governance und Compliance seien von Beginn an nach den Anforderungen einer börsennotierten Gesellschaft aufgebaut worden. Wer die Prüfung der Organmitglieder vornahm, welchen Umfang sie hatte und zu welchem Ergebnis sie kam, beantwortete Nexum nicht. Die Deutsche Börse dürfte es dennoch interessiert haben.

Die Spur ins Wirecard-Umfeld

Im Vorstand von nexum sitzt außerdem Claudia Vucak. Als Chief People & Legal Officer verantwortet sie Recht, Compliance, Governance, Organisation und Personal. Zuvor war sie Mitgründerin der Comvel Group, bekannt durch das Reiseportal weg.de. Mitgründer und langjähriger Geschäftsführer von Comvel ist Aleksandar Vucak. Sein Name findet sich im Abschlussbericht des Wirecard-Untersuchungsausschusses des Bundestags. Dort wird die frühere Wirecard-Mitarbeiterin Sabine Heinzinger mit der Aussage wiedergegeben, Vucak habe mehrere Beraterverträge mit Wirecard besessen und sei ihres Wissens ein langjähriger Vertrauter des flüchtigen früheren Wirecard-Vorstands Jan Marsalek gewesen. Der Bericht erwähnt eine gemeinsame Indienreise. Spielte Aleksandar Vucak beim Aufbau von Nexum oder First Capital eine Rolle? Sollte hier Geld von Marsalek untergebracht werden?

Nexum antwortet auf diese Frage, Herr Vucak habe „keine Funktion bei der Nexum Group AG“. Nicht beantwortet wird damit eine mögliche frühere oder indirekte Mitwirkung, eine Funktion bei First Capital oder frühere Geschäftsbeziehungen zu Philipp von Erffa. Auch bei der Eigentümerfrage bleibt Nexum vage. „Derzeit“ hielten weder Aleksandar noch Claudia Vucak Aktien an Nexum oder First Capital. Was früher war und ob es vielleicht Treuhandabreden, Darlehen, Optionen, Stimmbindungen oder anderen wirtschaftlichen Rechte gibt, dazu äußert sich das Unternehmen nicht. Auch das dürfte aber die Börse interessieren.

Das Pfand

Und dann sind da noch die 230.000 Aktien. Unmittelbar nach dem Einstieg von First Capital wurde die Verpfändung eines Pakets dieser Größe veröffentlicht. Es entspricht 23 Prozent des Grundkapitals. Nexum verweist auf Anfrage darauf, dass die Verpfändung als „Directors’ Dealing“ veröffentlicht worden sei. Das stimmt, beantwortet aber keine der wirtschaftlich entscheidenden Fragen: Wer nahm die Aktien als Sicherheit? Welche Forderung wurde besichert? Wie hoch war die Finanzierung? Wer hatte sie bereitgestellt und wofür wurde das Geld benötigt? All das bleibt offen und nährte offenbar das Misstrauen der Deutschen Börse.

Nun verliert die Aktie ihre Zulassung zum Regulierten Markt. Hat die Börse damit ein zweites Signa- oder gar Wirecard verhindern wollen? Zu dieser Frage will sich keiner der Beteiligten äußern. Es könnte immerhin sein, dass der „Tatort Börse“ damit aus Sicht von Anlegern ein Happy End erhalten hat. Auf der Website von Nexum hat sich das Bild verändert. Aktuell steht dort klein „Baustelle“ und darunter in großen Lettern „Hier entsteht etwas Neues“. Wer möchte, kann aber „Kontakt aufnehmen“ oder sich einloggen.

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