Die Türkei wickelt 131 Fonds ab. Fast eine hlabe Million Anleger sind betroffen. Nach mutmaßlicher Kursmanipulation ist unklar, wie viel Geld sie zurückerhalten.
Hunderttausende Menschen wollten ihre Ersparnisse vor der Inflation schützen. Jetzt werden ihre Fonds abgewickelt – und niemand weiß, wie viel Geld sie zurückbekommen.
Für viele Menschen in der Türkei sind Fonds ein Versuch, ihre Ersparnisse gegen die hohe Inflation zu schützen. Nun sitzen Anleger aber plötzlich auf Anteilen, die sie vorerst nicht verkaufen können.
Die türkische Finanzmarktaufsicht SPK lässt laut Tageschau 131 Fonds abwickeln und untersucht den Verdacht, dass Kurse einzelner Aktien künstlich nach oben getrieben wurden. Wie viel Geld die Betroffenen zurückerhalten, ist offen.
Das Wichtigste im Überblick:
Betroffen waren dem Bericht zufolge Aktien, von denen nur wenige frei gehandelt werden und deren Preise sich deshalb schon durch kleinere Käufe stark bewegen können.
Nach Einschätzung der Aufsicht ließen sich die Kursanstiege nicht mit den Geschäftszahlen der Unternehmen erklären. Ob die Kurse gezielt manipuliert wurden, wird derzeit ermittelt. Die Tagesschau berichtet von Festnahmen im Zusammenhang mit dem Fall.
Erst Ende August verschärfte die SPK die Regeln für Fondsanlagen. Fonds mussten daraufhin Bestände abbauen.
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Gleichzeitig wollten Anleger ihr Geld zurück. Weil sich manche Aktien nur schwer verkaufen ließen, konnten einzelne Fonds Auszahlungen nicht mehr wie vorgesehen leisten.
Nach Angaben von Reuters verkauften Fonds zudem auch leichter handelbare Anlagen, um Rückgaben zu bedienen. Das setzte weitere Aktienkurse unter Druck.
Die 131 betroffenen Fonds werden nun abgewickelt. Ihre Anlagen sollen verkauft und die Erlöse an die Anleger ausgezahlt werden. Wie viel Geld diese zurückerhalten, hängt von den erzielten Verkaufspreisen ab. Das Volumen der Fonds entspricht daher nicht der Schadenssumme.
Die SPK verlängerte die Frist für die Abwicklung von drei auf sechs Monate. So sollen die Anlagen möglichst günstig verkauft werden können. Die Aufsicht betont, dass das Verfahren auch früher abgeschlossen sein kann.
Finanzminister Mehmet Şimşek sieht laut „Tagesschau“ keine Gefahr für das gesamte türkische Finanzsystem. Die betroffenen Fonds machten rund ein Zehntel des Fondsmarkts aus.
Für die Anleger bleibt dennoch offen, wann sie wieder über ihr Geld verfügen können und wie hoch die Auszahlung ausfallen wird.
Die Fondskrise trifft ein Land, in dem Ersparnisse schon seit Jahren unter Druck stehen. Im August lagen die Verbraucherpreise nach offiziellen Angaben um 31,51 Prozent höher als ein Jahr zuvor.
Die Teuerung hat sich zwar gegenüber früheren Höchstständen abgeschwächt, bleibt aber hoch. Das erklärt, weshalb viele Türken nach Anlagen suchen, mit denen sie den Wert ihres Geldes erhalten können.
Der Internationale Währungsfonds sah dabei zuletzt Fortschritte. Die mutmaßlichen Manipulationen zeigen jedoch Schwächen bei der Aufsicht über Teile des Fondsmarkts. Ob das Eingreifen der Behörden Vertrauen zurückbringt, dürfte für viele Anleger davon abhängen, wie die Ermittlungen ausgehen und wie viel Geld sie zurückerhalten.