Ein gescheiterter Ölhandel mit Venezuela kostet den polnischen Konzern Orlen rund 424 Millionen US-Dollar (367 Millionen Euro). Die im Voraus gezahlten Millionen flossen als Krypto-Token ab, doch das Rohöl kam nie an.
Ein gescheiterter Ölhandel mit Venezuela kostet den polnischen Konzern Orlen rund 424 Millionen US-Dollar (367 Millionen Euro). Die im Voraus gezahlten Millionen flossen als Krypto-Token ab, doch das Rohöl kam nie an.
Nach Berichten der „Financial Times“ fädelten die Schweizer Tochtergesellschaft des polnischen Ölkonzerns und ein 25-jähriger Händler aus Hongkong das Geschäft im November 2023 auf einer Jacht in Abu Dhabi ein. Für den Kauf von sechs Millionen Barrel venezolanischen Rohöls der Sorte Merey 16 vereinbarten die Parteien ein Volumen von 345 Millionen Dollar. Orlen überwies innerhalb von fünf Tagen eine Anzahlung von 230 Millionen Dollar, ohne dafür Bankgarantien oder Sicherheiten einzufordern.
Aufgrund von US-Sanktionen gegen die staatliche venezolanische Ölgesellschaft PDVSA durfte kein Geld über das klassische Dollarsystem fließen. Die Verantwortlichen tauschten die Millionenbeträge deshalb in den Krypto-Token Tether (USDT) um, der physisch auf USB-Sticks übergeben wurde.
Allein im Januar 2024 brachte ein Kurier einen solchen Datenträger mit rund 60 Millionen Dollar in ein Hotel in Caracas. Nach Informationen von „Yahoo“ gingen bei den Transaktionen über Dubai hohe Summen verloren, darunter 50 Millionen Dollar, die nun vor einem Gericht in den Vereinigten Arabischen Emiraten blockiert sind.
Das im Voraus bezahlte Rohöl erreichte die polnischen Käufer jedoch nie. Die eigens für den Transport gecharterten Tanker lagen stattdessen monatelang leer vor der Küste Venezuelas und verursachten zusätzliche Liegegebühren von 72 Millionen US-Dollar.
Der staatliche venezolanische Ölkonzern PDVSA erklärte gegenüber Reuters, man habe „keine Ladungen an Orlen oder seine Vermittler zugeteilt, weil nicht gezahlt worden war“. Die Krypto-Zahlungen kamen somit offenbar nie beim tatsächlichen Verkäufer an.
In Polen hat der Fall inzwischen weitreichende juristische Konsequenzen für die ehemaligen Führungskräfte. Die Staatsanwaltschaft in Warschau erhob am 7. August Anklage gegen drei ehemalige Orlen-Manager wegen der veruntreuten Gelder im Wert von rund 1,5 Milliarden Zloty. Den beschuldigten Personen drohen wegen des Vorwurfs der mangelnden Vermögensfürsorge Haftstrafen von bis zu 25 Jahren.