Inflation senkt die Kaufkraft bis zur Rente. So berechnen Sie, was 100 Euro künftig wert sind und wie viel mehr Sie sparen müssen.
Mit dem Iran-Krieg zieht die Inflation in Deutschland wieder an. Wer privat fürs Alter vorsorgt, muss das berücksichtigen. Denn bis zu Ihrem Renteneintritt wird die Kaufkraft des Euro noch sinken.
Nach vorläufigen Zahlen liegt die aktuelle Inflation in Deutschland bei fast drei Prozent. Besonders die Energiepreise haben wegen des Iran-Krieges und der damit verbundenen Einschränkungen der Straße von Hormus angezogen. Auch Erdgas und Ölprodukte wie Benzin und Diesel sind teurer geworden. Die Inflationsrate beschreibt dabei, wie stark die Preise eines durchschnittlichen Warenkorbes in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen sind.
Umgekehrt lässt sich daraus aber auch berechnen, wie stark die Kaufkraft eines Euro gesunken ist. Bei drei Prozent Inflation in einem Jahr können Sie etwa für 100 Euro danach nur noch Waren im Wert von heute rund 97 Euro kaufen. Würde die Inflation auf fünf Prozent steigen, läge der Wertverfall von 100 Euro bei rund 4,76 Euro im ersten Jahr. Bei nur einem Prozent Inflation wären es 99 Cent.
Ohne Zinsen verliert Ihr Guthaben real an Wert. Eine Geldanlage kann diesen Kaufkraftverlust ausgleichen. Denn jeder Euro, der keine Rendite erwirtschaftet, lässt Ihre gesamte Kaufkraft sinken. Eine sinnvolle Geldanlage muss entsprechend nach Steuern und Gebühren so viel Rendite pro Jahr einbringen, um die Inflationsrate auszugleichen. Aktuell wären das also rund drei Prozent.
In gleichem Maße müsste auch Ihr Gehalt steigen. Ein Durchschnittsverdiener bekommt derzeit etwa 4800 Euro brutto pro Monat. Wenn sich Ihr Gehalt in einem Jahr nicht erhöht, sinkt die Kaufkraft dieser Summe bei drei Prozent Inflation um rund 139 Euro. Sinngemäß bedeutet das, dass Sie in einem Jahr mit eben 139 Euro weniger auskommen müssten als heute.
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Inflation ist aber noch in einem dritten Bereich wichtig: der privaten Altersvorsorge. Fast jeder hat eine Rentenlücke. Sie beschreibt die Differenz zwischen der gesetzlichen Rente und der Summe, die wir monatlich für unseren angestrebten Lebensstil brauchen. Diese Lücke können Sie etwa mit einer Betriebsrente oder privatem Vermögen schließen. Als Faustregel hat sich etabliert, dass Sie zum Rentenbeginn das 300-Fache Ihrer Rentenlücke angespart haben sollten.
Brauchen Sie also 500 Euro Zusatzrente pro Monat aus Ihrem Vermögen, müsste dieses 150.000 Euro betragen. Das gilt aber eben in heutiger Kaufkraft. Wenn Sie kommendes Jahr in Rente gehen und die 500 Euro dann dieselbe Kaufkraft wie heute haben sollen, brauchen Sie bei drei Prozent Inflation drei Prozent mehr Vermögen. Das wären also bereits 4500 Euro mehr.
Diese Summe steigt mit jedem Jahr an. Wie stark, hängt von der durchschnittlichen Inflation ab. In der Tabelle können Sie sehen, wie stark die Kaufkraft von 100 Euro dabei über die Jahre abnimmt. Bei einem Prozent Inflation pro Jahr bleiben Ihnen selbst im Jahr 2075 noch 61,41 Euro. Doch schon bei zwei Prozent Inflation halbiert sich der Wert des Euro etwa bis zum Jahr 2060. Drei Prozent Inflation halbieren den Wert schon bis 2050 und bei fünf Prozent Inflation würde dies bereits 2040 passieren.
Berücksichtigen Sie die Inflation deshalb bei Ihrer Altersvorsorge. Sie erhöht Ihr nominales Sparziel. Dafür benötigen Sie drei Angaben: Ihr Vermögensziel in heutiger Kaufkraft, die angenommene Inflationsrate und die Jahre bis zur Rente. Daraus ergibt sich folgende Formel:
Benötigte Summe = Vermögensziel * [ ( 1 + Inflationsrate ) hoch Jahre bis zur Rente]
Beispiel: Sagen wir, Sie brauchen 150.000 Euro in heutiger Kaufkraft, gehen 2040 in Rente und rechnen bis dahin mit durchschnittlich drei Prozent Inflation pro Jahr. Sie bräuchten dann:
150.000 Euro * [ (1 + 0,03) hoch 14 ] = 227.000 Euro
Gehen Sie von nur einem Prozent Inflation aus, wären es etwa 172.000 Euro. Beim EZB-Ziel von zwei Prozent Inflation müssten Sie etwa 198.000 Euro ansparen.
Das ist allerdings auch noch nicht der richtige Wert. Die Faustregel des 300-Fachen der Rentenlücke geht davon aus, dass Sie sich 25 Jahre die benötigte Zusatzrente auszahlen können. Diese Summe unterliegt in diesem Zeitraum aber auch der Inflation. 500 Euro im ersten Rentenjahr haben im zweiten Rentenjahr schon eine geringere Kaufkraft. Die Faustregel klappt also nur, wenn Sie während der Rente Ihr Vermögen weiter mindestens zu einer Rendite auf dem Niveau der Inflationsrate anlegen.
Wollen Sie das nicht, sondern lieber Ihr Vermögen nur auf einem Girokonto oder der Matratze lagern, müssten Sie noch mehr ansparen. Die Formel für 25 Jahre mit Zusatzrente mit stets gleicher Kaufkraft wäre dann:
Benötigte Summe = Vermögensziel × [ (1 + Inflationsrate) hoch Jahre bis zur Rente ] × [ ((1 + Inflationsrate) hoch Auszahlungszeitraum – 1) ÷ (Inflationsrate × Auszahlungszeitraum) ]
Auch diese Berechnung lässt sich in drei Schritte aufteilen. Wir verwenden wieder 150.000 Euro Sparziel in heutiger Kaufkraft, einem Auszahlungszeitraum von 25 Jahren, Rentenbeginn im Jahr 2040 und einer angenommenen Inflationsrate von durchschnittlich drei Prozent pro Jahr:
a) Vermögensziel zum Rentenbeginn = 150.000 Euro * [ ( 1 + 0,03 ) hoch 14 ] = 226.888 Euro
b) Kumulierter Preisanstieg über 25 Jahre = [ ( 1 + 0,03 ) hoch 25 ] – 1 = 1,0938
c) Neues Vermögensziel = 226.888 Euro [ 1,0938 / ( 0,03 25 ) ] = 330.893 Euro
Berücksichtigen Sie also sowohl die Inflation während der Vorsorge als auch in der Auszahlungsphase, bräuchten Sie bereits mehr als das Doppelte der Summe in heutiger Kaufkraft, um keine Kaufkraft bis zu Ihrem Tod zu verlieren.
Drei Prozent Inflation entsprechen dabei dem aktuellen Wert in Deutschland. Langfristig strebt die Europäische Zentralbank nur zwei Prozent durchschnittliche Inflation an. Historisch gesehen lag sie in den vergangenen Jahrzehnten im Schnitt sogar noch niedriger. Mit zwei Prozent gerechnet ergäbe sich im obigen Beispiel ein Vermögensziel von rund 254.000 Euro.
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