Die Deutschen beziehen länger Rente. Doch sie gehen später in den Ruhestand – und soziale Unterschiede verkürzen die Zeit für viele zusätzlich.
Die durchschnittliche Rentenbezugsdauer steigt. Doch späterer Renteneintritt und soziale Unterschiede schmälern für viele den tatsächlichen Ruhestand.
Rentner können in Deutschland statistisch gesehen auf mehr als zwei Jahrzehnte Ruhestand hoffen. Wie die Deutschen Rentenversicherung (DRV) berichtet betrug die durchschnittliche Rentenbezugsdauer bei Versichertenrenten im Jahr 2024 etwa 20,5 Jahren. 2004 lag der Wert noch bei 16,9 Jahren. Frauen erhielten im Schnitt 22,1 Jahre Rente. Männer erhalten mit 18,9 Jahren hingegen durchschnittlich drei Jahre weniger.
Die Entwicklung hängt vor allem mit der gestiegenen Lebenserwartung zusammen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lag die Lebenserwartung bei Geburt Ende des 19. Jahrhunderts bei 35,6 Jahren für Männer und 38,5 Jahren für Frauen. In der aktuellen Sterbetafel 2023/2025 erreichen die Werte 78,8 bei Männern und 83,4 Jahre bei Frauen. Mit 65 Jahren haben Männer statistisch noch 18,2 Lebensjahre vor sich, Frauen 21,2 Jahre.
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Die längere Rentenbezugsdauer bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Menschen einen immer längeren Ruhestand genießen. Wie die DRV berichtet, ist auch das durchschnittliche Renteneintrittsalter gestiegen. 2024 lag es bei beiden Geschlechtern bei 64,7 Jahren. 2004 gingen Frauen im Schnitt mit 63,0 Jahren und Männer mit 63,1 Jahren in Altersrente. Die schrittweise Anhebung des gesetzlichen Rentenalters auf 67 Jahre trägt zu dieser Entwicklung bei.
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Auch die Lebenserwartung steigt inzwischen langsamer als das Renteneintrittsalter. Nach Daten der DRV erhöhte sich das durchschnittliche Eintrittsalter zur Altersrente von 62,3 Jahren im Jahr 2000 auf 64,7 Jahre im Jahr 2025. Wer länger arbeitet, profitiert deshalb zwar von einer höheren Lebenserwartung, verschiebt aber gleichzeitig den Beginn des Ruhestands nach hinten.
Besonders deutlich werden die Unterschiede beim Blick auf die sozialen und regionalen Verhältnisse. Eine Untersuchung des Robert Koch-Instituts im Journal of Health Monitoring 1/2025 zeigt für die Jahre 2020 bis 2022 eine Lebenserwartungslücke von 7,2 Jahren bei Männern und 4,3 Jahren bei Frauen zwischen sozial benachteiligten und privilegierten Regionen. Damit profitieren nicht alle Menschen gleichermaßen von der gestiegenen Lebenserwartung.
Die Zahlen der DRV zeigen damit vor allem einen statistischen Durchschnitt und keine Garantie für den individuellen Ruhestand. Wie lange eine Person tatsächlich Rente bezieht, hängt unter anderem vom persönlichen Renteneintritt, Geschlecht und der individuellen Lebenserwartung ab. Die gestiegene durchschnittliche Bezugsdauer sollte deshalb nicht mit einem automatisch längeren Ruhestand für jeden Rentner gleichgesetzt werden.
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