Er hatte sich nach dem Arbeitsleben mehr Freiheit erhofft. Doch stattdessen bestimmt vor allem das Haushaltsbuch seinen Alltag.
Er hatte sich nach dem Arbeitsleben mehr Freiheit erhofft. Doch stattdessen bestimmt vor allem das Haushaltsbuch seinen Alltag.
Ein Rentner aus dem südfranzösischen Département Gard schildert, dass ihn der Ruhestand finanziell härter trifft als erwartet. Wie „Ouest-France“ in einer Zuschrift eines Lesers berichtet, reichen 2232 Euro netto nach Abzug der laufenden Kosten aus seiner Sicht nur knapp für den Monat.
Der Mann ist seit Juli 2024 im Ruhestand und ging nach eigenen Angaben vorzeitig in Rente, da ihn die jahrelange Belastung im Beruf an seine Grenzen gebracht habe. Er arbeitete über Jahrzehnte in der Luftfahrt, zunächst als Techniker und später in einer Leitungsfunktion im Bereich der Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit einer Flotte. Rückblickend sagt er: „Wenn wir arbeiten, träumen wir, machen Pläne, sprechen mit Kollegen über Reisen, Restaurants. Aber wenn wir im Ruhestand sind, holt uns die Realität ein.“
Nach seiner Darstellung summieren sich die Kosten für Krankenversicherung, Haus- und Autoversicherung, Grundsteuer, Strom, Wasser, Telefon, Bankgebühren und den noch laufenden Immobilienkredit auf 1330 Euro im Monat. Hinzu kommen Ausgaben für Lebensmittel, Sprit und regelmäßige Fahrten zu seiner 95-jährigen Mutter in Burgund, deren Betreuung er sich mit seinem Bruder teilt. Wie „Ouest-France“ berichtet, bleiben ihm damit oft weniger als 300 Euro, aus denen auch unerwartete Reparaturen bezahlt werden müssen.
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Besonders frustriert zeigt sich der Rentner über politische Überlegungen, Bezieher höherer Renten stärker zu belasten. Er verweist darauf, dass sein Arbeitsleben von Nacht- und Wochenenddiensten, Einsätzen an Feiertagen und hohem Druck geprägt gewesen sei. „Mit 60 Jahren war ich ausgelaugt“, zitiert „Ouest-France“ aus seinem Schreiben.
Nach eigener Schilderung fallen selbst kleinere Preissteigerungen bei Versicherungen inzwischen sofort ins Gewicht. Urlaub habe er in diesem Jahr nicht gemacht, da er das verbleibende Geld für unvorhergesehene Ausgaben, einen später nötigen Autowechsel und mögliche Pflegekosten zurückhalte. Entsprechend ernüchternd fällt seine Bilanz aus: „Ich bereue, im Ruhestand zu sein, denn jeden Tag zähle ich mein Geld.“
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Die Lage vieler älterer Menschen in Frankreich wird nicht nur im Einzelfall knapper. Zwar zeigen offizielle Daten der französischen Statistikbehörde Insee, dass Senioren statistisch seltener arm sind als andere Altersgruppen. Zugleich sinkt mit zunehmendem Alter oft der Lebensstandard, während die Kosten für Wohnen, Mobilität oder Pflege stärker ins Gewicht fallen können. Insee weist darauf hin, dass Menschen ab 75 Jahren ein niedrigeres mittleres Lebensniveau haben als die Gesamtbevölkerung, obwohl ihre Armutsquote unter dem Durchschnitt liegt.
Dazu kommt, dass die Renten in Frankreich im Schnitt deutlich niedriger ausfallen als bei den hohen laufenden Ausgaben oft nötig wäre. Laut der Statistikstelle Drees lag die durchschnittliche monatliche Nettorente Ende 2022 bei 1512 Euro. Zwar stiegen die Pensionen nominal, doch inflationsbereinigt verloren sie laut Drees an Kaufkraft. Der Fall aus Gard verweist somit auf ein breiteres Problem: Auch wer nicht als arm gilt, kann im Ruhestand unter erheblichen finanziellen Druck geraten.