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PKV versus GKV: So viel Beitragsersparnis bleibt wirklich übrig

Дата публикации: 10-09-2026 08:34:00

Mit 400 Euro weniger Beitrag wirbt die PKV um Gutverdiener. Doch bei Angestellten kommt davon deutlich weniger auf dem Konto an.

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Die GKV-Reform macht den PKV-Wechsel attraktiver. Doch hohe Sparversprechen täuschen oft. Was nach Arbeitgeber und Steuern wirklich bleibt.

Die Gesundheitsreform sorgt für neue Bewegung bei der Krankenversicherung. Gutverdiener müssen sich auf höhere Belastungen einstellen. Schon 2026 liegt die Beitragsbemessungsgrenze bei 5812,50 Euro monatlich. Der GKV-Höchstbeitrag beträgt bei durchschnittlichem Zusatzbeitrag 1017,19 Euro – die Pflegeversicherung kommt noch hinzu.

Dieter Homburg berät seit über 25 Jahren Menschen zu privater Krankenversicherung und Risikoabsicherung – mit Schwerpunkt auf langfristiger Beitragsstabilität und Bezahlbarkeit. Er prüft für privat Versicherte kostenlos, ob bestehende PKV-Verträge bei gleichen Leistungen oft mehrere Tausend Euro pro Jahr günstiger gestaltet werden können, und unterstützt insbesondere junge Menschen dabei, eine langfristig stabile private Krankenversicherung zu finden. Er ist Autor des Bestsellers „Altersvorsorge für Dummies“ und Teil des Expertennetzwerks EXPERTS Circle.

Mit den steigenden Belastungen wächst auch die Werbung für einen Wechsel in die private Krankenversicherung. Dabei werden schnell beeindruckende Rechnungen präsentiert: Gesetzliche Absicherung beispielsweise 1200 Euro, private Absicherung 800 Euro – 400 Euro Ersparnis jeden Monat.

Rechnerisch stimmt der Beitragsunterschied. Doch gerade für Angestellte beantwortet er die entscheidende Frage nicht: Wie viel davon landet tatsächlich zusätzlich auf meinem Konto?

Aus 400 Euro werden beim Angestellten keine 400 Euro

Der erste Grund ist der Arbeitgeber. Den allgemeinen GKV-Beitrag und den Zusatzbeitrag tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer grundsätzlich jeweils zur Hälfte. Auch bei privat versicherten Angestellten beteiligt sich der Arbeitgeber innerhalb der gesetzlichen Grenzen an den Beiträgen.

Vereinfacht angenommen, die private Absicherung kostet insgesamt 400 Euro weniger als die gesetzliche: Dann spart nicht allein der Arbeitnehmer 400 Euro. Auch sein Arbeitgeber spart einen erheblichen Teil. Aus 400 Euro Beitragsunterschied werden für den Arbeitnehmer in einer vereinfachten 50:50-Betrachtung zunächst nur etwa 200 Euro eigener Beitragsvorteil. Aber auch diese 200 Euro sind noch nicht die tatsächliche Nettoersparnis.

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Dann kommt das Finanzamt

Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge wirken sich auf die Einkommensteuer aus. Bei einer privaten Krankenversicherung muss dabei zwischen dem Gesamtbeitrag und dem steuerlich berücksichtigungsfähigen Anteil für die Basisabsicherung unterschieden werden.

Seit 2026 werden hierfür bei privat versicherten Arbeitnehmern die entsprechenden PKV-Beiträge elektronisch berücksichtigt; steuerfreie Arbeitgeberzuschüsse werden dabei gegengerechnet. Das Bundesfinanzministerium unterscheidet ausdrücklich zwischen dem gesamten zuschussfähigen PKV-Beitrag einschließlich möglicher Leistungserweiterungen und dem Beitrag zur privaten Basisabsicherung.

Wechselt ein Gutverdiener von der GKV in eine günstigere PKV, sinkt dadurch häufig auch sein steuerlich berücksichtigungsfähiger eigener Krankenversicherungsaufwand. Er spart also Versicherungsbeitrag – verliert gleichzeitig aber einen Teil seines bisherigen Steuervorteils.

Die 400-Euro-Rechnung einmal zu Ende gerechnet

Nehmen wir eine vereinfachte Modellrechnung für einen gutverdienenden Angestellten ohne Kinder, mit hohem Grenzsteuersatz sowie Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag. Auf dem Papier beträgt der Beitragsunterschied zwischen GKV und PKV: 400 Euro monatlich. Davon entfällt zunächst ein erheblicher Teil auf den Arbeitgeber. Für den Arbeitnehmer bleiben vereinfacht etwa: 400 Euro → rund 200 Euro eigener Beitragsvorteil.

Anschließend muss die veränderte steuerliche Abzugsfähigkeit berücksichtigt werden. Unter den Annahmen unserer Modellrechnung reduziert der Steuereffekt den persönlichen Vorteil erheblich. Aus rund 400 Euro Beitragsunterschied können so am Ende nur etwa 47 Euro tatsächliche monatliche Nettoersparnis werden. Die exakte Zahl ist individuell. Sie hängt unter anderem vom Einkommen, Grenzsteuersatz, Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag und insbesondere vom steuerlich anerkannten Basisanteil der gewählten PKV ab.

Aber genau darum geht es: 400 Euro weniger Versicherungsbeitrag sind nicht automatisch 400 Euro mehr Netto.

Bei Selbstständigen sieht die Rechnung besser aus – aber auch nicht so gut wie in der Werbung

Für Selbstständige fällt der erste Effekt weg. Sie erhalten normalerweise keinen Arbeitgeberzuschuss und tragen ihre Krankenversicherung vollständig selbst. Sind GKV und PKV beispielsweise 400 Euro auseinander, kommt die Beitragsersparnis deshalb zunächst vollständig beim Selbstständigen an.

Doch auch hier verändert sich gleichzeitig die steuerliche Abzugsfähigkeit. Gerade bei einem gut verdienenden Selbstständigen mit hohem Grenzsteuersatz kann deshalb ein erheblicher Teil der vermeintlichen Ersparnis durch die zusätzliche Steuerbelastung wieder verschwinden.

Der Selbstständige profitiert stärker als der Angestellte – aber auch bei ihm sind 400 Euro Beitragsersparnis nicht gleich 400 Euro mehr Netto.

Ist die PKV deshalb finanziell uninteressant?

Ganz im Gegenteil. Die richtige Schlussfolgerung ist nicht, dass sich die PKV finanziell nicht lohnt. Interessanter ist eine andere Betrachtung.

Wenn ein Angestellter nach Arbeitgeber und Steuern beispielsweise tatsächlich 50, 100 oder 150 Euro monatlich weniger bezahlt und dafür einen für ihn erheblich besseren Versicherungsschutz erhält, kann das ausgesprochen attraktiv sein. Nur sollte genau dieser tatsächliche Nettoeffekt kommuniziert werden.

Eine private Krankenversicherung sollte ohnehin nicht deshalb gewählt werden, weil sie heute möglichst billig ist.

  • Gesundheitszustand,
  • Familienplanung,
  • Leistungsumfang,
  • Tarifqualität,
  • langfristige Beitragsentwicklung und
  • die Finanzierung im Ruhestand

sind für eine Entscheidung über mehrere Jahrzehnte wesentlich wichtiger.

Fazit: Nicht auf die 400 Euro schauen

Die Gesundheitsreform dürfte dafür sorgen, dass noch mehr Gutverdiener über einen Wechsel in die PKV nachdenken. Gleichzeitig werden hohe Ersparnisse zu einem immer stärkeren Verkaufsargument. Eine seriöse Rechnung sollte deshalb drei Zahlen zeigen:

Beitragsunterschied → persönlicher Vorteil nach Arbeitgeber → tatsächlicher Vorteil nach Steuern. Erst die letzte Zahl beantwortet die Frage, was der Wechsel finanziell wirklich bringt. Wer mit 400 Euro Ersparnis wirbt, sollte deshalb auch zeigen, wie viel davon am Ende tatsächlich auf dem Konto des Kunden ankommt.

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