Banken locken mit bis zu 4,25 Prozent Tagesgeldzins. Worauf Sparer jetzt achten sollten – und was die EZB-Sitzung ändern könnte.
Vier Prozent und mehr aufs Tagesgeld: Banken kämpfen um neue Sparer. Doch wer nur auf den Spitzenzins schaut, kann schnell enttäuscht werden.
Für Sparer sind die Zeiten magerer Tagesgeldzinsen erst einmal vorbei. Banken kämpfen wieder sichtbar um frisches Geld – und überbieten sich an der Spitze mit Aktionsangeboten.
Eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox von mehr als 800 Banken und Sparkassen zeigt: Vier Institute bieten zeitweise mindestens vier Prozent Zinsen. Wer davon profitieren will, muss allerdings genauer hinschauen als auf die große Zahl im Werbebanner.
Die wichtigsten Infos zum Zinskampf:
Das auffälligste Angebot kommt laut Verivox derzeit von Revolut. Neukunden können dort für vier Monate 4,25 Prozent erhalten. Der Haken: Zusätzlich zum Tagesgeld ist ein Girokonto nötig, die dazugehörige Karte muss regelmäßig genutzt werden und der Aktionszins gilt nur für maximal 25.000 Euro. Danach fällt der Zins beim kostenlosen Kontomodell nach Verivox-Angaben derzeit auf 1,25 Prozent.
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Weniger Zusatzbedingungen gibt es dem Vergleich zufolge bei
Sie zahlen Neukunden für drei beziehungsweise vier Monate zwischen vier und 4,1 Prozent. Danach gelten allerdings auch dort niedrigere Standardzinsen.
Für Sparer bedeutet das: Nicht der höchste Aktionszins entscheidet allein darüber, welches Konto attraktiv ist. Wichtig sind auch
Verivox-Geschäftsführer Oliver Maier rät deshalb, gerade Kombinationsangebote genau zu prüfen. Solche Modelle könnten sinnvoll sein, wenn ohnehin ein neues Girokonto gesucht werde. Wer dagegen nur sein Erspartes besser verzinsen wolle, sei mit einem klassischen Tagesgeldkonto häufig flexibler.
Besonders groß ist der Abstand zu vielen Bestandskunden. Seit der jüngsten EZB-Zinserhöhung im Juni hätten nur rund 20 Prozent der untersuchten Tagesgeldangebote ihren regulären Zins angehoben, berichtet Verivox. Bundesweit verfügbare Konten zahlen im Durchschnitt 1,4 Prozent. Regionale Volksbanken kommen demnach auf 0,48 Prozent, Sparkassen auf lediglich 0,42 Prozent.
Das kann bei größeren Beträgen schnell ins Geld gehen. Bei 20.000 Euro Guthaben bringen vier Prozent Zinsen rechnerisch 800 Euro pro Jahr, 1,4 Prozent dagegen nur 280 Euro – jeweils vor Steuern und unter der Annahme, dass der Zinssatz ein volles Jahr gelten würde. Bei Aktionsangeboten ist das meistens nicht der Fall.
Nicht nur beim Tagesgeld bekommen Sparer derzeit mehr Auswahl. Auch die Festgeldzinsen ziehen an. Nach Berechnungen von Verivox bringen bundesweit verfügbare Angebote mit zwei Jahren Laufzeit aktuell im Durchschnitt 2,55 Prozent. Anfang Juni waren es noch 2,32 Prozent.
Bemerkenswert ist: Damit liegt die durchschnittliche Verzinsung derzeit sogar über dem EZB-Einlagenzins von 2,25 Prozent. Selbst bei einer erwarteten Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte am Donnerstag bliebe das Zinsniveau beim zweijährigen Festgeld im Schnitt leicht darüber.
Der Grund liegt nicht allein bei der EZB. Für Festgeld spielen auch die Zinsen an den Kapitalmärkten eine entscheidende Rolle. Banken können längerfristig gebundene Kundeneinlagen nutzen, um Kredite zu finanzieren. Sind alternative Finanzierungsquellen am Geld- und Anleihemarkt teuer, steigt für Banken der Anreiz, Sparern attraktivere Konditionen zu bieten.
Für Anleger hat das allerdings einen Preis: Anders als beim Tagesgeld ist das Geld beim Festgeld für die vereinbarte Laufzeit gebunden. Wer auf weiter steigende Zinsen spekuliert oder kurzfristig auf seine Rücklagen zugreifen können muss, sollte deshalb nicht vorschnell sein gesamtes Erspartes langfristig festlegen.
Für Sparer wäre das grundsätzlich Rückenwind. Ob Banken höhere Leitzinsen tatsächlich an ihre Kunden weitergeben, ist jedoch eine andere Frage. Die jüngsten Verivox-Daten zeigen: Wer auf bessere Zinsen wartet, bekommt sie nicht zwangsläufig bei seiner bisherigen Bank. Gerade jetzt kann sich Vergleichen stärker lohnen als Treue.