Heimat vor Ort Auf kleinster Markung unterstreichen die Leinzeller als Gemeinschaft mit großem Zusammenhalt den Zentrumscharakter der Gemeinde für die Region. Was mit viel Wir-Gefühl alles möglich ist.
Stand: 06.09.2026, 18:00 Uhr

Heimat vor Ort Auf kleinster Markung unterstreichen die Leinzeller als Gemeinschaft mit großem Zusammenhalt den Zentrumscharakter der Gemeinde für die Region. Was mit viel Wir-Gefühl alles möglich ist.
Leinzell. Klein an Fläche – aber groß an Möglichkeiten, Gemeinschaft und Lebensqualität. So lautet ein selbst gewähltes Motto dieses ganz besonderen Dorfes. Leinzell. Auf 211 Hektar an einer der engsten Stellen im Leintal drängen sich entlang der schmalen Straßen am Nord- und Südhang 933 Haushalte, in denen derzeit exakt 2000 Einwohner leben. So rahmen die Gebäude einen Ortskern ein, der rund um Schloss und Rathaus den Bürgerinnen und Bürgern viel zu bieten hat: zwei Kindergärten, ein Schulzentrum, zwei kirchliche Gemeindezentren, ein Hallenbad und eine Bank, eine Hausärztin, eine Physiotherapiepraxis, ein Seniorenheim, diverse Einkaufsmöglichkeiten bis hin zum sehr gut besuchten und bestückten Wochenmarkt, ein Fitnesscenter, eine Kultur- und Sporthalle, und, und, und.
Mit Elan an Langzeitprojekte
Seit etwas mehr als vier Jahren ist Marc Schäffler hier Bürgermeister, setzt die Politik seines Vorgängers Ralph Leischner mit großem Elan, Ideenreichtum und einem wachen Blick von außen fort. Denn der 40-Jährige ist zwar ein waschechter Leinzeller, aber kein studierter Verwaltungsfachmann. Bis 2022 hat er seine Brötchen in leitender Funktion in der freien Wirtschaft verdient. Zupackend hat er in der Kommune nun schon etliche Langzeitprojekte abschließen können – allen voran die Lückenschlüsse im Leintalradweg nach Täferrot.
Vom Sprint zum MarathonDickstes Plus der Gemeinde aus Schäfflers Sicht: Die Leinzeller halten zusammen und setzen sich für ihren Ort ein. Das helfe, Erfolgsgeschichten zu schreiben, analysiert er und kann gerade jetzt ein beeindruckendes Beispiel präsentieren. Mitglieder und „Einfach-nur-mal-so-Helfer“ des Fördervereins Schwimmhalle hatten sich 2025 vorgenommen, in den etwas verlängerten Sommerferien die Umkleiden der wichtigen Einrichtung zu sanieren. Für „kleines“ Geld dank viel Eigenleistung und einer zweckgebundenen Spende. Das als Sprint geplante Projekt wird dann aber zum Hürden-Marathon. Rohrbrüche werden entdeckt, undichte Stellen, massive Schäden. Auf fast 240.000 Euro summieren sich die Kosten am Ende. „Aufgeben war trotzdem nie ein Thema“, erzählt Schäffler stolz von schier unglaublichem Engagement der Ehrenamtlichen und Baubeteiligten sowohl auf der Baustelle wie auch beim Spendensammeln.
Junge Familien im Fokus
Dickstes Minus auf des Bürgermeisters Rechnung? „Wir schrumpfen“, stellt der Schultes nüchtern fest. In 40,5 Prozent der Haushalte ist das Alter der Bewohner 65 Jahre und mehr. Oft seien die Gebäude nur noch von Einzelpersonen bewohnt. Der Gemeinderat richte seine Entscheidungen auch deshalb mit Nachdruck auf junge Familien und Kinder aus. Mit viel Hirnschmalz und Überzeugungskraft im Verwaltungsverband konnte das gemeinsame Schulzentrum gesichert werden. Dass nun auch der Kindergarten dort oben eine zukunftsfähige Bleibe findet und die Volkshochschule die Räume nutzt, passt für Schäffler perfekt in ein Konzept, das in Richtung Familienzentrum geht. Von klein bis groß reiche hier das Bildungsangebot, freut der Bürgermeister sich. Besonders auch darüber, dass sich aus der derzeit steigenden Zahl der Trauungen ein Hauch Rückenwind für die politische Marschrichtung ableiten lasse. Für junge Menschen sei die Gemeinde offensichtlich attraktiver geworden.
Als eine der Ersten ein Programm für 60+Wobei die Älteren nicht zurückstecken müssen. Neben einem regen Vereinsleben – von Badminton bis Zumba bieten 30 Gruppierungen das ganze Jahr über ein attraktives Programm – gibt es weiterhin den legendären „Treff ab 60“, einer der Ersten dieser Art in der Region wird er nun quasi in der dritten Generation über das Rathaus organisiert von Marianne Haug. Mindestens sechsmal im Jahr steht eine größere Veranstaltung für die Senioren an, zählt der Bürgermeister zum Beispiel den TSV-Fasching, das Frühlingsfest des Gartenbauvereins, das Herbstfest des Fördervereins Hallenbad, eine Weihnachtsfeier der Gemeindeverwaltung auf, dazu je ein Nachmittag unter der Regie der evangelischen und der katholischen Kirche. Obendrein gebe es immer wieder Ausflüge. „Die Angebote werden sehr gut angenommen. Das ist eine richtig tolle Gemeinschaft“, freut sich Schäffler.
Ausdauer und keine Denkverbote
Und ist gleich wieder bei diesem Wir-Gefühl, das irgendwie ganz fest in der Leinzeller DNA verankert ist. Weshalb zum Beispiel für die Seniorengymnastik im Hallenbad ganz selbstverständlich eine Lösung gefunden wird, wenn die jahrzehntelange Leiterin Elke Wengert das Angebot nicht mehr weiterführen kann; weswegen es überhaupt keine Frage ist, dass die Gemeinde sich trotz knapper Finanzen das Adler-Areal in der Ortsmitte nicht durch die Lappen gehen lässt und dort nun einen Ortskern entwickeln wird, der allen Bürgerinnen und Bürgern zugutekommen soll; weshalb gigantische Vorhaben wir die Modernisierung und Erweiterung der Verbandskläranlage mutig mitgetragen werden und auch für den 50 Jahre alten Eigenwasser-Hochbehälter mit Köpfchen, Ausdauer und ohne Denkverbote eine Sanierungslösung gesucht wird, die unterm Strich für alle die beste werden soll.
„Die Gemeinde will Vorbild sein“„Wir als Gemeinde müssen und wollen Vorbild sein“, formuliert Marc Schäffler zuletzt die Grundhaltung, die den Ort in die Zukunft führen soll. Nicht über Probleme jammern, sondern Lösungen suchen, stehe ganz oben auf dieser Agenda. Die stückweise Sanierung der Straßen und der kommunalen Gebäude gehöre auch zu diesem Masterplan. Alles auf einmal und First C lass – das übersteige den finanziellen Spielraum. Aber kontinuierlich und kreativ dranbleiben, das sei möglich und genau das richtige Signal.
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