Wie es der Durlanger Dorfladen geschafft hat, den Laden vor der Schließung zu bewahren – und was die Zukunft bringen soll.
Stand: 07.09.2026, 18:00 Uhr

Wie es der Durlanger Dorfladen geschafft hat, den Laden vor der Schließung zu bewahren – und was die Zukunft bringen soll.
Durlangen Der Samstagmorgen in Durlangen beginnt noch ohne große Sommerhitze. Vor dem Dorfladen stapeln sich auf dem Wochenmärktle knackfrisches Obst und Gemüse, Kundinnen und Kunden füllen ihre Körbe mit regionalen und Bio-Produkten. Drinnen stöbern drei junge Mädchen durch die Süßigkeitenregale, in der Kaffee-Ecke sitzen mehrere Stammgäste bei Butterbrezel und Kaffee. Es wird eingekauft, geplaudert und gelacht – ein ganz normaler Samstag im Dorfladen.
Dorfladen in Durlangen: Schließung stand bevorVor einem Jahr stand auf der Generalversammlung 2025 noch die Schließung des Nahversorgers auf der Tagesordnung. Der damalige Aufsichtsrat trat geschlossen zurück, die Zukunft des Dorfladens schien besiegelt. Dass sich spontan fünf Menschen fanden, die Verantwortung übernehmen wollten, bezeichnet Steuerberater Ralph Wiedemann bis heute als „unglaublich“. Für ihn gleicht die Entwicklung seitdem einem Dorfladen, der „wie Phönix aus der Asche“ zurückgekehrt ist.
Lesen Sie hier: Das "Wochenmärktle" bringt neues Leben für den Dorfladen
Mit dem Wochenmärktle hat der neu gewählte Aufsichtsrat gleich zu Beginn einen erfolgreichen Impuls gesetzt. Seit einem Jahr ergänzt der kleine Markt mit Bio-Produkten und regionaler Ware das Angebot des Dorfladens. Bezahlt wird bequem im Laden – und oft wandert dabei noch das eine oder andere zusätzlich in den Einkaufskorb.
Dorfladen in Durlangen: Nach den Ferien wieder geöffnetAm Samstag, den 18. Juli, verabschiedete sich das Dorfmärktle-Team mit einem gemütlichen Weißwurst-Frühstück in die Sommerpause. Das Dorfmärktle kommt nach den Sommerferien samstags zurück mit frischem und regionalen Genüssen.
„Das Märktle schließt eine lang vermisste Lücke“, sagt eine Kundin und erinnert daran, dass der frühere Marktbetreiber schon lange nicht mehr vor Ort ist. Ein junges Paar nimmt die etwas höheren Preise beim Obst gerne in Kauf: „Dafür ist alles knackfrisch.“ Eine Dame bezeichnet den Dorfladen als „Segen“, besonders für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Und für die drei Mädchen ist es einfach „klasse, hier reinzukommen und auf die Schnelle etwas zu kaufen“.
Mit vielen kleinen Schritten zum ErfolgDass der Dorfladen Durlangen heute wieder so lebendig ist, zeigt sich nicht nur im täglichen Betrieb, sondern auch in den Zahlen. Vorständin Moni Weller blickt auf ein Jahr zurück, in dem viele kleine Verbesserungen große Wirkung gezeigt haben. Dank einer optimierten Warenwirtschaft und der Treue der Kundschaft erwirtschaftete der Dorfladen einen Gewinn von rund 5025 Euro und ist schuldenfrei.

Möglich wurde diese Entwicklung vor allem durch das außergewöhnliche Engagement der Ehrenamtlichen. Rund 3000 Stunden wurden im vergangenen Jahr geleistet – die Arbeit von Vorstand und Aufsichtsrat noch gar nicht eingerechnet. Inzwischen zählt die Genossenschaft 445 Mitglieder und ist damit fest im Ort verankert.
Das Herzstück sind die EhrenamtlichenGetragen wird der Dorfladen von Menschen, die weit mehr investieren als ihre Zeit. Der Wochenmarkt und große Teile des Betriebs werden von Ehrenamtlichen organisiert. Eine Helferin spricht von einer „tollen Truppe“, die sich regelmäßig zum Wareneinräumen trifft. Neben der Arbeit stehe vor allem das Miteinander im Mittelpunkt. Gleichzeitig wissen Vorstand und Aufsichtsrat, dass viele langjährige Helfer irgendwann kürzertreten werden.
Dankbar zeigt sich Aufsichtsratsvorsitzende Bianca Heister-Bückner auch für die Unterstützung der Gemeinde. Der monatliche Mietzuschuss sei „eine enorme Entlastung“ und zugleich ein wichtiges Zeichen dafür, welchen Stellenwert der Dorfladen für Durlangen habe.
Damit die Geschichte weitergehtDamit diese Erfolgsgeschichte weitergeht, setzt der Dorfladen auf ein neues Patenschaftsmodell. Bürgerinnen und Bürger können Patenschaften übernehmen und so dazu beitragen, Jugendliche für die Mitarbeit im Dorfladen zu begeistern. Denn klar ist: Ein Dorfladen lebt nicht allein von seinen Kundinnen und Kunden, sondern von Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
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