Der neue "Wohnpark an der Lein" steht auch Monate nach seiner Fertigstellung quasi leer: Nun äußert sich einer der Schweizer Investoren zu seiner Sicht auf die Gründe und die Konsequenzen.
Stand: 01.10.2026, 12:51 Uhr

Der neue "Wohnpark an der Lein" steht auch Monate nach seiner Fertigstellung quasi leer: Nun äußert sich einer der Schweizer Investoren zu seiner Sicht auf die Gründe und die Konsequenzen.
Leinzell. Zentrale Lage mitten im Ort, moderne und hochwertige Bauweise, rund 50 Eigentumswohnungen fertig zum Erstbezug: Die Papierform klingt vielversprechend. Doch die acht dreistöckigen Häuser, die von Schweizer Investoren im Leinzeller Ortskern gebaut wurden, stehen seit Monaten leer. Wie unsere Redaktion unlängst berichtete, ist bis dato lediglich eine einzige Wohnung in dem Gebäudekomplex verkauft worden.
Leinzells Bürgermeister Marc Schäffler führte als Gründe fürs fehlende Interesse an den Immobilien hauptsächlich zwei Aspekte ins Feld: Einerseits seien die Wohnungen mit einem Verkaufspreis von 5000 bis 6000 Euro pro Quadratmeter viel zu teuer für das hiesige Umfeld. Und andererseits könne er nicht nachvollziehen, weshalb die Immobilien ausschließlich zum Verkauf angeboten würden – und nicht etwa zur Miete.
Investor bezieht StellungErweist sich der "Wohnpark an der Lein" tatsächlich als Fehlinvestition? Was ist dort aus Sicht der Bauträger schiefgelaufen? Erstmals spricht Oskar Kälin, einer der Schweizer Investoren, mit unserer Redaktion über seine Perspektive auf die Vorgänge rund um das über 20 Millionen Euro teure Projekt.
Der Unternehmer, der beruflich aus der Finanzbranche kommt und in seinem Heimatland bereits mehrere größere Wohnungsbauten realisiert hat, macht keinen Hehl daraus, dass auch er sich die Sache anders vorgestellt hat: "Im Nachhinein weiß man immer alles besser", sagt Kälin. "Wir haben vor fünf, sechs Jahren mit den Planungen begonnen. Die Baupreise, die Zinsen und die gesamte politische Situation in Deutschland haben sich mittlerweile verändert."
Es soll gehandelt werdenEr bestätigt: "Es trifft zu, dass wir die Preise nach unten anpassen werden." Man erarbeite derzeit mit dem zuständigen Makler-Unternehmen ein Konzept, wie dies mit "signifikant niedrigeren" Preisen konkret geschehen könne. Um die 4000 Euro pro Quadratmeter sollen künftig aufgerufen werden. "Ich denke, dass das im Oktober lanciert wird."
Müssen sich die Verantwortlichen den Vorwurf gefallen lassen, schlecht kalkuliert zu haben? Ist es vielleicht gar das falsche Projekt am falschen Ort? Die genannten politischen Umstände hätten sich fatal ausgewirkt, argumentiert Kälin. Man habe hochwertig sowie attraktiv bauen wollen. Insbesondere die Tiefgarage sei teuer gewesen. Und: "Wir haben auch kalkuliert, dass ältere Leute einziehen, die ihr eigenes Haus zuvor verkaufen." Doch dies trat ganz offensichtlich nicht ein. Kälin zeigt sich selbstkritisch: "Im Nachhinein hätten wir nach der Planung einen Stopp machen sollen." Doch wenn keiner mehr baue, werde der landauf, landab zu hörende Wunsch nach mehr Wohnraum eben auch nicht Wirklichkeit.
Hochwasserschutz sei gegebenMit den nun angekündigten Preissenkungen hoffe man, das Blatt noch wenden und die Wohnungen an den Mann oder die Frau bringen zu können. Der Investor zeigt sich ernüchtert – aber nichtsdestotrotz motiviert: "Wir versuchen alles", betont Kälin. Ebendies könnte sich jetzt als Chance für die Menschen in der Region erweisen: Schließlich werde das Investment in eine der Wohnungen, die Käufer dann ihrerseits vermieten können, nun noch interessanter, wirbt der Schweizer Geschäftsmann.
Was ist mit den vor Ort immer wieder an die Oberfläche schwappenden Gerüchten, der "Wohnpark" sei nicht ausreichend gegen Überschwemmungen geschützt? "Wir haben mit hundertjährigem Hochwasser plus einem Meter gerechnet", sagt Kälin. Zwar treffe es zu, dass beim großen Hochwasser 2024 die Tiefgarage unter Wasser gestanden habe. Aber: Es habe sich dabei um eine kontrollierte Flutung gehandelt, damit sich die sogenannte "weiße Wanne" – eine wasserundurchlässige Stahlbetonkonstruktion – nicht anhebe. Nun, da die Gebäude darauf stünden, "würde uns dieses Jahrhunderthochwasser die Tiefgarage nicht mehr fluten", sagt der Investor.
Die Krise als Chance?Und weshalb wollen die Verantwortlichen dabei bleiben, die Immobilien an der Lein ausschließlich zum Verkauf – und nicht zur Miete – anzubieten? "Das ist nicht unser Fachgebiet", so Oskar Kälin. Der Schweizer Unternehmer will den Optimismus nicht allzu schnell aufgeben: "Ungünstiges Timing eröffnet immer auch Chancen."
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